Bibliotheken an der Front des Krieges

Die Bibliotheken in der Ukraine halten ihre Dienstleistungen so gut es geht aufrecht. Einige richten in ihren Magazinen Luftschutzbunker ein.
An der Fassade der Nationalbibliothek Kotliarevsky in Poltawa in der Ukraine ist eine riesige ukrainische Flagge zu sehen.
Angesichts des Leids in der Ukraine stehen die Menschen zusammen. Auch die Bibliotheken halten ihre Dienstleistungen aufrecht und bieten Informationen und Schutz an - ihre Magazine sind teilweise zu Luftschutzbunkern umfunktioniert. Auf dem Foto ist die Nationalbibliothek Kotliarevsky in Poltawa in der Zentralukraine zu sehen. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt. Foto: efesenko - stock.adobe.com

 

Bilder der Zerstörungen und des Leids in der Ukraine gehen derzeit um die Welt. Solidaritätsbekunden und humanitären Hilfen erreichen das osteuropäische Land derzeit täglich. Die ukrainische Gesellschaft ist näher zusammengerückt. Die Hilfsbereitschaft für Nachbarn, Freunde und völlig fremde Menschen ist groß. Auch die ukrainischen Bibliotheken halten ihre Dienstleistungen aufrecht – selbst mitten im Kriegsgebiet. Iryna Kuchma, Open Access Program Managerin der Stiftung EIFL (Electronic Information for Libraries) berichtet aus der Ukraine, nahe Kiew. Der Beitrag ist zuerst auf eifl.net in englischer Sprache erschienen:

 

Ich bin mit meiner Familie nur wenige Kilometer von Kiew entfernt und höre jeden Tag eine andere Geschichte darüber, wie Bibliotheken ihre Gemeinden unterstützen. Ich bewundere sie sehr.

In Zeiten wie diesen tun alle viel mehr, als sie können. Der ukrainische Bibliotheksverband berichtet, dass Bibliotheken Unterkünfte bereitstellen, den Zugang zu Informationen und zum Internet erleichtern, humanitäre Zentren einrichten, den Krieg dokumentieren und sich gegenseitig unterstützen.

Viele Bibliotheken haben ihre Bücherlager in Luftschutzbunker für lokale Gemeinschaften verwandelt – gemütlich mit vielen interessanten Büchern! Tee und Unterstützung werden ebenfalls angeboten, sodass dies bereits als neuer Bibliotheksservice gilt.

In mehr oder weniger ruhigen Teilen der Ukraine bieten Bibliotheken weiterhin Zugang zu Informationen – Ratgeber von lokalen Behörden, Tipps von Psychologen zur Bewältigung des Alltags, Motivationszitate aus der Literatur – und Zugang zum Internet. Sie dienen auch als Knotenpunkte zum Sammeln von Gütern und humanitärer Hilfe für Verteidigungseinheiten und Krankenhäuser sowie zum Nähen von Arztkitteln und Stricken von Tarnnetzen.

Eine nationale digitale Bibliothek beginnt, den Krieg zu dokumentieren – Foto-, Video- und Audiodaten, die die russische Aggression und den ukrainischen Kampf dokumentieren; Poster, Memes und Witze, die Kreativität zeigen; Informationen, die die Unterstützung der internationalen Bibliotheksgemeinschaft zeigen und auf gefälschte Nachrichten und Informationen aufmerksam machen.

Außerdem wird ein Selbsthilfenetzwerk für Bibliothekare aufgebaut, das Hilfe anbietet und auf Hilfeanfragen reagiert.

Auch die Planungen für den Wiederaufbau beschädigter Bibliotheksgebäude haben begonnen – zusammen mit der gemeinnützigen ukrainischen Stiftung »Library Country«, die die Schäden dokumentiert.

Die Autorin

Iryna Kuchma leitet seit 2008 das EIFL Open Access Program (EIFL-OA). In Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Bibliothekskonsortien in mehr als 60 Ländern in Afrika, Asien und Europa setzt sie sich für den offenen Zugang zu Forschungsergebnissen ein und fördert deren Entwicklung und Implementierung von Open-Science-Richtlinien und -Infrastrukturen und bietet Unterstützung und Schulungen.

Bevor sie zu EIFL kam, arbeitete Iryna Kuchma als Information Program Managerin bei der International Renaissance Foundation (Teil des Soros Foundations Networks in der Ukraine) und koordinierte dort auch das Kunst- und Kulturprogramm.

Iryna absolvierte das PhD-Programm am Institut für Sozialwissenschaften der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine und hat einen Masgister in Kulturwissenschaften der Nationalen Universität »Kiew-Mohyla-Akademie« in der Ukraine.

Über EIFL

EIFL (Electronic Information for Libraries) ist eine gemeinnützige Organisation, die mit Bibliotheken zusammenarbeitet, um den Zugang zu Wissen in Entwicklungs- und Transformationsländern in Afrika, Asien-Pazifik, Europa und Lateinamerika zu ermöglichen. Die unabhängige Stiftung mit Sitz in Nieuwegein (Niederlande) setzt sich für den flächendeckenden Zugangs zu elektronischen Ressourcen durch Bibliotheksnutzer/-innen in Transformations- und Entwicklungsländern ein. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Abschluss finanziell tragbarer Abonnements für E-Journals für Bibliotheken im Bildungs- und Forschungsbereich.

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