[Berufsfeld.rebooting …] – Wofür steht das Berufsfeld Bibliothek und Information heute?

Programmtipp #vBIB20:
28.5.2020: 16:30 – 17:55 [Berufsfeld.rebooting…] – Diskussion über zentrale Botschaften unseres Berufsfelds
mit Sabine Ketels (Training | Beratung | Mediation, Hamburg), Luis Moßburger (Universitätsbibliothek Regensburg), Sabine Homilius (Präsidentin der BID, Stadtbibliothek Frankfurt), Frauke Schade (HAW Hamburg/KIBA), Ute Engelkenmeier (BIB-Bundesvorstand, TU Dortmund), Luis Moßburger (Universitätsbibliothek Regensburg), Wolfgang Stille (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt), Lucia Werder (Stadtbibliothek Bremen, ekz-Beirat) 
Veranstaltungsraum: Raum 1

 

Bibliotheken sind ohne kompetentes Personal nicht denkbar. Eine hochwertige Ausbildung, stetige Fort- und Weiterbildung, Identifikation mit den Zielgruppen, eine gerechte Eingruppierung und modernes Management sind Erfolgsfaktoren für Gegenwart und Zukunft der Bibliotheken. Doch auch vor dem Bibliothekssektor macht der Fachkräftemangel nicht halt: Zu häufig bewerben sich auf Stellenausschreibungen zu wenige oder keine geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten. Oft fehlen Zielgruppenorientierung oder Technikaffinität. Als ein Grund für die schlechte Lage an Bewerberinnen und Bewerbern für Ausbildungs- wie auch Arbeitsstellen wird ein veraltetes Berufsbild vermutet, das immer noch zu buchzentriert ist und die vielfältigen Angebote und neuen Handlungsfelder von Bibliotheken, die zunehmend auch für Fachkräfte anderer Branchen attraktiv sind, nicht ausreichend widerspiegelt. Veraltete Darstellungen von Bibliotheken finden sich nicht nur auf Wikipedia, sondern auch in einschlägigen Portalen zur Studien- und Berufsorientierung sowie in den Köpfen von Entscheidern, Partnern und der Öffentlichkeit. Der bibliothekarische Dachverband Bibliothek und Information Deutschland (BID) hat eine verbandsübergreifende Arbeitsgruppe gegründet, die AG Personalgewinnung. Ziel der AG ist es, Maßnahmen zu entwickeln, ein zeitgemäßes Image zu profilieren. Als eine der ersten Maßnahmen initiierten BID und die AG eine Workshop-Reihe, um das aktuelle Berufsbild auf den Punkt zu bringen, das Grundlage für weitere Kommunikationsmaßnahmen sein soll. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuellen Ergebnisse der Workshop-Reihe zur Entwicklung einer Identität für das Berufsfeld und einen Ausblick, wie es damit weitergehen soll.

Aktuelle Herausforderungen

Dem Berufsbild Bibliothekar/-in hängt häufig ein veraltetes Image an. Empirisch überprüfbar wäre diese These nur durch eine professionell durchgeführte Imageanalyse. Ergebnisse aus Umfragen unter Nutzerinnen und Nutzern belegen, dass diese ein positives Bild von Bibliotheken haben.[1] Auch Medien­inhaltsanalysen zeigen ein überwiegend positives Bild.[2] Gemeinsam ist den Untersuchungsergebnissen jedoch, dass das Bild in erster Linie mit Büchern in Verbindung gebracht wird.[3]

Die Medienversorgung durch Printmedien ist zwar weiterhin eine wichtige Aufgabe von Bibliotheken, sie trifft jedoch nicht das Selbstbild von Bibliotheken und spiegelt aktuelle
gesellschaftliche Entwicklungen und Angebote der Bibliotheken als demokratische Orte des gesellschaftlichen Diskurses und als unvoreingenommene Partner/-innen von Forschenden, Lehrenden und Lernenden nicht wider.

Die aktuelle Berichterstattung in den Medien nimmt die sich wandelnden Aufgaben und Funktionen zwar durchaus auf, jedoch noch zu wenig. Bisher ist es kaum gelungen, die Rolle und Relevanz der Bibliotheken bei der Gestaltung der digitalen Gesellschaft nachhaltig und selbstverständlich in den Köpfen von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern
sowie in der Öffentlichkeit zu verankern.

Ein Dilemma dabei ist, dass das, was Bibliotheken tun, auf den ersten Blick kaum dargestellt werden kann. Bibliotheken sind Dienstleister für eine sehr diverse Zielgruppe: die Gesellschaft. Das herausragende Merkmal von Dienstleistungen ist, dass diese weitgehend immateriell sind. Qualität, Wert und Brauchbarkeit können selten sicher eingeschätzt werden.

Dazu kommt, dass sich das Berufsfeld beständig ausdifferenziert. Dies wird nicht nur an den typischen Sparten Wissenschaftlicher und Öffentlicher Bibliotheken deutlich, sondern auch in den sich jeweils ausdifferenzierenden Aufgaben und Funktionen der verschiedenen Bibliothekstypen, die sich in den Schnittstellen mit anderen Fachdisziplinen – etwa der Informatik, der Sozialen Arbeit, der Wirtschaft, der Medienpädagogik und so weiter  weiterentwickeln. So entstehen neue Handlungsfelder, etwa im Bereich von Citizen Science, Open Science, Digital Humanties, Forschungsdatenmanagement, in der Vermittlung von Informations-, Medien- und Digitalkompetenz sowie in weiteren Feldern, die andere und/oder neue fachliche Expertisen einfordern. Fachwissen wird hier nicht nur aktualisiert, sondern entwickelt sich beständig weiter.

Auftrag und Zielsetzung der AG Personalgewinnung

Auftrag der AG Personalgewinnung ist es, Strategien zu entwickeln, das Image von Bibliotheken zu profilieren und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Eingesetzt von BID, gehören der Arbeitsgruppe Vertreter/-innen aus den Verbänden von BIB, dbv und VDB sowie der Ausbildungskommission des BIB, der KIBA und der ekz an. Die AG versteht sich als Task Force, Maßnahmen zu initiieren, die das Berufsfeld darin unterstützen, ihr Image zu profilieren und neue Wege in der Personalgewinnung zu bestreiten.

Die AG nahm 2018 ihre Arbeit zunächst mit der Analyse der komplexen Sachlage auf, um erste Handlungsbedarfe zu bestimmen.[4] Darauf aufbauend wurden Maßnahmenpakete geschnürt, die im Wesentlichen vier Hauptzielgruppen adressieren: Öffentlichkeit, Berufsinteressierte, Träger/-innen sowie die Beschäftigen selbst. Zu diesen Maßnahmen gehören eine abgestimmte Medienarbeit, die Aktualisierung der Webseiten der Arbeitsagenturen, die aktive Vermittlung der Berufsfelder auf Berufsmessen, das Bereitstellen von frei nutzbaren Bildern und Textbausteinen für die Arbeit von Bibliotheken und den Ausbau eines Werkzeugkastens, die Aktualisierung der Ausbildungsordnung, Werbemaßnahmen für Studienangebote bis hin zur internen Selbstreflexion im Umgang mit Berufsinteressierten. Grundlage für diese Kommunikationsmaßnahmen soll zunächst eine aktuelle, wie zeitlich stabile Definition des Berufsfelds Bibliothek sein, die identitätsstiftend nach innen wirkt und Signalkraft nach außen hat. Zur Entwicklung dieses sogenannten Mission Statements wurde ein Identitätsentwicklungsprozess als Workshop-Reihe konzipiert.

Fragestellung und Zielsetzung der Workshopreihe

Berufsfeld Bibliothek und Information, Golden Circle, Simon Sinek

Abb. 1: Simon Sineks Golden Circle (eigene Darst.: Luis Moßburger nach Sinek)

Simon Sinek bringt in seinem TED Talk »The Golden Cycle« auf den Punkt, was erfolgreiche Unternehmungen ausmacht. Sie sprechen nicht darüber, was sie tun und wie sie es tun, sondern darüber, warum sie es tun: »Start with why!« Ihre Botschaft liefert eine Antwort darauf, wofür sie stehen und warum das relevant für die Gesellschaft ist. Erst im zweiten Schritt wird dann demonstriert, was das Angebot im Kern ausmacht und mit welcher Expertise zu rechnen ist.

Ein Mission Statement formuliert die grundlegenden Werte, Ziele und Merkmale der Unternehmensidentität im Spiegel der Gesellschaft. Es schafft Sichtbarkeit und Orientierung, indem aufgezeigt wird, was das Besondere an diesem Angebot ist und welchen Wert und Mehrwert es für Kundinnen und Kunden, Kooperationspartnerinnen und -partner, Geldgeberinnen und Geldgeber sowie für die Öffentlichkeit liefert. Im besten Fall entsteht Identifikation und Vertrauen, die Signalwirkung nach innen und außen haben.

Eine klare Identität, die in einem Mission Statement kommuniziert wird, ist auch für Bibliotheken und unser Berufsfeld relevant. Dies umso mehr, weil der überwiegende Teil der Bibliotheken öffentlich finanziert wird, und seinen Wert für die Gesellschaft durch die Erfüllung eines relevanten Gemeinschaftsinteresses legitimieren muss. Legitimität kann jedoch nur durch die Zuschreibung von Akzeptanz durch Dritte erworben werden. Legitimität entsteht in den »Arenen der öffentlichen Meinungsbildung«[5]. Bibliotheken müssen hier zeigen, was ihre Identität ausmacht und welchen Beitrag sie zur Gestaltung der digitalen Gesellschaft und zur Medien- und Informationsversorgung und -vermittlung leisten, was sie und das Bibliothekssystem in Deutschland von Wettbewerbern auf dem Informations- und Medienmarkt unterscheidet und in der Finanzierungskonkurrenz zu anderen öffentlich finanzierten Einrichtungen auszeichnet. Es geht um die Mehrwerte und im besten Fall um ein Alleinstellungsmerkmal.


Ziel des Identitätsentwicklungsprozesses ist es, eine aktuelle, aber auch zeitlich stabile Identität für das Berufsfeld Bibliothek zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen:

  • Für welche Werte stehen Bibliotheken und welchen Beitrag leisten sie für die Gesellschaft?
  • Was macht das Angebot von Bibliotheken im Kern aus und mit welchen Merkmalen kann man es beschreiben?
  • Welche Arbeitsfelder gibt es in Bibliotheken und welche Expertise wird dafür benötigt?

Entstehen soll so ein griffiges, aktuelles und klar kommunizierbares Mission Statement, das die wichtigsten Kernaussagen von Bibliotheken in Deutschland enthält. Dieses Mission Statement ist ein Versprechen. Es soll die Funktion einer Blaupause für die Imageprofilierung von Bibliotheken einnehmen und eine Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing von Verbänden, Bibliotheken und mit Bibliotheken assoziierten Einrichtungen schaffen. Bibliothekswebsites, Darstellungen von Bibliotheken auf Portalen, wie beispielsweise Wikipedia, Job- und Studienportalen, die häufig ein veraltetes Bild des Berufsfeldes präsentieren, können damit sukzessive aktualisiert werden. Verbände wie Bibliotheken können Kernaussagen des Mission Statements für Positionspapiere, Stellenausschreibungen, Pressemeldungen oder die Kommunikation mit den Trägerinnen und Trägern nutzen.

Konzeption der Workshop-Reihe

Für den Identitätsentwicklungsprozess hat die AG Personalgewinnung zusammen mit der Organisationsentwicklerin Sabine Ketels eine dreistufige Workshop-Reihe konzipiert.

Berufsfeld Bibliothek und Information

Abb. 2: Dreistufiger Identitätsentwicklungsprozess für das Berufsfeld Bibliothek (eigene Darst.: Luis Moßburger)

 

  1. Workshop: Anfang Februar 2020 wurden erste Kernaussagen zu den oben genannten Fragestellungen von einem Kreis aus jungen und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen in Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken sowie Mitgliedern aus den Verbänden entwickelt.
  2. Workshop / Diskussionsveranstaltung zum 109. Bibliothekartag in Hannover: Unter dem Titel »[Berufsfeld.rebooting …]« war während des Bibliothekartags in Hannover ein Workshop inklusive Diskussion geplant, der erste Kernaussagen zur Identität des Berufsfelds Bibliothek hätte vorstellen sollen. Nach der Absage des Bibliothekartags soll die Veranstaltung in einem anderen partizipativen Format weiter geführt werden.
»Bibliotheken sind unverzichtbar für die Gesellschaft – in Wissenschaft und Forschung ebenso wie im Alltagsmanagement, in der Bildung und Freizeitgestaltung.«
  1. Workshop: Anfang Juli 2020 sollen die Ergebnisse in einem abschließenden Workshop konsolidiert werden. Um Kernaussagen der Identität des Berufsfelds für verschiedene Anwendungskontexte (zum Beispiel Stellenausschreibungen und Personalgewinnung, politische Kommunikation mit Entscheiderinnen und Entscheidern) sowie verschiedene Kommunikationskanäle online und offline fruchtbar zu machen, werden diese zudem mit Expertinnen und Experten von außen diskutiert. Entscheider/-innen aus Kommunen und dem Wissenschaftsbetrieb werden hier ebenso eingeladen sein wie Spezialistinnen und Spezialisten aus Marketing und Personalgewinnung sowie Profis angrenzender Berufsfelder, die für Bibliotheken als (potenzielle) Mitarbeiter/-innen immer wichtiger werden.

Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Workshop in Nürnberg

Berufsfeld Bibliothek und Information

Abb. 3: Arbeitsergebnisse in Nürnberg. Foto: Wolfgang Stille

Der erste Schritt ist gemacht – zwei Tage lang war Anfang Februar ein beabsichtigt heterogen gewählter Personenkreis aus dem Berufsfeld Bibliothek zu einem Workshop nach Nürnberg eingeladen, um über das »Why«, »How« und »What« der Berufsidentität nachzudenken. Vertreter/-innen des wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliothekswesens, Erfahrene und Neueinsteiger, Personen unterschiedlichen Alters, aus deutscher sowie europäischer Verbandsarbeit und der täglichen Bibliotheksarbeit rund um Personalentwicklung, IT, Katalogisierung und Benutzungsdienst.

Erste Erkenntnis: Die Aufgabenstellung des Workshops war herausfordernd. Was genau bedeutet es, eine »Identität« zu entwickeln? Wer sind die Adressaten? Auf welcher Ebene muss sie angesiedelt sein, um alle Ausprägungen des Bibliotheks­wesens zu umfassen? Mit welchem Format wird dies möglich?

Zunächst musste eine Basis erarbeitet werden, die hinreichend generisch ist, um ein einheitliches Bild – für die Öffentlichen sowie die Wissenschaftlichen Bibliotheken – zu skizzieren. Unter mehreren Fragestellungen wurde diskutiert, was die Identität des Berufsfelds »Bibliothek« ausmacht. Welche Merkmale beschreiben das Berufsfeld? Für welche Werte stehen Bibliotheken ein? Was sind anerkannte Dienstleistungen? Welche Herausforderungen müssen Bibliotheken überwinden im Zeitalter von Social Media, Fake News und der zunehmenden Ökonomisierung von Information? Drei Leitfragen sollten den Gesprächen über beide Tage hinweg einen Rahmen geben:

  1. In welchen Bereichen sind Mitarbeiter/-innen in Bibliotheken heute beschäftigt und was tun sie dort?
  2. Warum tun sie das?
  3. Welche Kompetenzen brauchen sie, um ihren Aufträgen gerecht zu werden?

Eine der wohl wichtigsten Erkenntnisse aus dem Workshop war, dass die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmer/-innen in Zeiten zunehmender Interdisziplinarität und abnehmender Trennschärfe zwischen Wissenschaft und (Wissens-)Gesellschaft eine untergeordnete Rolle spielten: Gerade der Unterschied zwischen Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken wurde in der Vergangenheit häufig kontrovers diskutiert. Umso auffälliger ist es, dass diese Unterscheidung zu keiner Zeit während der zwei Tage ein ernsthaftes Thema war. Vielmehr lässt sich in allen Kernbotschaften Wissenschaft (für die Wissenschaftlichen Bibliotheken) als ein Teilaspekt der Gesellschaft (für die Öffentlichen Bibliotheken) und umgekehrt betrachten. Die Grundaussagen, die Kernaufgaben und auch die Visionen bleiben identisch – nur werden diese für verschiedene Zielgruppen anders umgesetzt.

Eine weitere wichtige Erkenntnis: Bibliotheken sind unverzichtbar für die Gesellschaft – in Wissenschaft und Forschung ebenso wie im Alltagsmanagement, in der Bildung und Freizeit­gestaltung. In den letzten Jahren kamen Zweifel daran auf, ob Bibliotheken noch lange existieren würden und ihre Zukunftsfähigkeit wurde kritisch diskutiert. Das Fazit aus unserem Workshop formuliert eine positive Antwort: Bibliotheken sind gesicherte, neutrale, vertrauenswürdige und kostenfreie Informationsanbieter für eine demokratische Gesellschaft. Es gibt keine andere (öffentliche) Einrichtung, die ihre Identität so flexibel an den Bedürfnissen ihrer Communities ausrichten kann, ein Leben lang an ihrer Seite steht und Gemeinschaft fördert, wo dies nötig ist. Kurzum: Nur eine Bibliothek kann Menschen und Wissen nachhaltig vernetzen, ohne ökonomische Interessen zu verfolgen.

Als große Herausforderung stellte sich in dem Workshop heraus, die vielfältigen Möglichkeiten zu den Fragestellungen der Berufsidentität in Kernaussagen zu verdichten. Dies wird auch für den weiteren Prozess ein herausforderndes Moment bleiben. Zuletzt hat sich die Runde auch damit beschäftigt, welche Hindernisse der Zielsetzung im Weg stehen. Die Antwort war wenig überraschend, denn die Gründe dafür stehen bereits lange im Raum und werden häufig genannt, jedoch oft ignoriert: die in Bibliotheken weit verbreitete Bedenkenträgerei, Jammerkultur und 130-Prozent-Mentalität verhindern Innovationen, Experimente und (positives) Scheitern. Bibliotheken benötigen dringend mehr Aktions- und Realisierungskompetenzen und vor allem Mut. Mut, Dinge zu tun, Mut, Dinge falsch zu machen und zu scheitern und Mut, Dinge dann neu zu denken. Unsere Visionen und Ideen sind bekannt, unsere Hindernisse auch, also wird es Zeit, sie anzupacken und in die Realität umzusetzen!

Austausch mit der Fachcommunity

Die Entwicklung einer Identität, die von allen getragen, aber auch gelebt und darüber hinaus mit Stolz gezeigt werden darf, bedarf der Einbeziehung aller Akteurinnen und Akteure aus dem Berufsfeld Bibliothek. Daher war bereits zu Beginn der Diskussion ein Panel auf dem 109. Bibliothekartag geplant. Die Idee des Titels »[Berufsfeld.rebooting…]« war es, eben keinen Titel zu vergeben, sondern einen Platzhalter. Symbolisch steht dieser für alle Meinungen, Ideen und Gedanken im Bibliothekswesen und letztlich für die Vielfalt innerhalb unseres Berufsfeldes. Zudem steht der Titel dafür, dass unser Berufsfeld (seit einiger Zeit) rebootet, sich also innerhalb einer jahrhundertealten Tradition neu definiert, mit neuen Dienstleistungen, neuen Medien und neuen Zielgruppen. All dies kann nur erfolgreich sein, wenn wir die Begeisterung für das Konzept Bibliothek entfachen, wenn wir sparten-, abteilungs- und generationsübergreifend gemeinsam an diesem Konzept arbeiten und es motiviert, innovativ und engagiert weiterentwickeln. Daher sind alle Personen, die sich mit dem Berufsfeld Bibliothek identifizieren, eingeladen zu kritisieren, zu diskutieren und ihre Ideen einzubringen!

Ute Engelkenmeier, Luis Moßburger, Frauke Schade, Wolfgang Stille, 27.5.2020
aus BuB 05/2020, Seite 282-285

 

Die Autorinnen und Autoren

Dr. Ute Engelkenmeier leitet den Geschäftsbereich Service und Information (Benutzung) an der Universitätsbibliothek Dortmund. Sie ist Vorsitzende des Bundesvorstands des Berufsverbands Information Bibliothek. https://orcid.org/0000-0003-3785-8652

 

 

Luis Moßburger schloss 2019 den B.A. Bibliotheks- und Informationsmanagement in München ab. Aktuell ist er Bibliothekar im Sachgebiet IT-Dienste der Universitätsbibliothek Regensburg und erwirbt den M.Sc. Medieninformatik.

 

 

 

Frauke Schade ist Professorin für Bestandsmanagement und Informationsmarketing an der HAW Hamburg und im Vorstand der Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge (KIBA), in der Sektion 7 im dbv und in der Ausbildungskommission der DGI.

 

 

 

Dr. Wolfgang Stille ist stellvertretender Bibliotheks­direktor der ULB Darmstadt und leitet den Bereich IT, Forschung und Entwicklung. Er ist aktuell Vorsitzender der Kommission für forschungsnahe Dienste im VDB. https://orcid.org/0000-0003-4468-4208

 

 

 

 

[1.] Vgl. Stadtbäumer, Dörte: Das Image der Bibliothekarin und des Bibliothekars in der Öffentlichkeit – eine empirische Erhebung, Diplomarbeit, FB Bibliotheks- und Informationswesen Köln, FH Köln, 1998; Kriegelstein, Barbara: Markenbild und Image unter der Lupe: Eine Marketinganalyse der München Stadtbibliothek in Zusammenarbeit mit der Uni München, in: BuB 60 2008 (10), S. 749-751

[2.] Vgl. Engelkenmeier, Ute: Das Bild der Bibliotheken, Bibliothekarinnen und Bibliothekare im deutschen Fernsehen – standardisierte Inhaltsanalyse von Fernsehsendungen der Gegenwart, Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 2018. DOI: 10.18452/19192 – https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/19943

[3.] Vgl. u.a. Keller-Loibl, Kerstin: Das Image von Bibliotheken bei Jugendlichen: empirische Befunde und Konsequenzen für Bibliotheken. Bad Honnef: Bock und Herchen, 2012

[4.] Vgl. Barbara Schleihagen: Wie gewinnen wir neues Personal für veränderte Bibliotheken? In: BuB 70 2018 (08/09), S. 470-474

[5.] Swaran Sandhu: Public Relations und gesellschaftliche Kommunikation. Legitimation im Diskurs. In: Zerfaß, Ansgar; Piwinger, Manfred (Hrsg.): Handbuch Unternehmenskommunikation. Strategie, Management, Wertschöpfung. 2., vollst. überarb. Aufl. Wiesbaden: Springer Gabler, 2014

 

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