E-Book Strategien: Das Beispiel Niederlande

Frankfurt am Main. „Ich denke nicht, dass das Buch ausstirbt, aber es wird eine andere Funktion haben.“ Es sind Worte bei denen die etwa 200 Bibliothekare beim Zehnten Deutschen Bibliotheksleitertag in Frankfurt am Main Anfang Oktober aufhorchen. Sie kommen von Diederik van Leeuwen, Direktor der Stiftung bibliotheek.nl, die zur Erweiterung und Verwaltung der nationalen digitalen Bibliothek in den Niederlanden beiträgt. Van Leeuwen referierte in der Deutschen Nationalbibliothek darüber, wie E-Book-Strategien entwickelt werden können und stellte zugleich fest: „Es gibt keine magische Formel zu E-Books.“

Diederik van Leeuwn, Direktor von bibliotheek.nl referierte beim Bibliotheksleitertag über E-Book-Strategien. Foto: OCLC

Diederik van Leeuwn, Direktor von bibliotheek.nl referierte beim Bibliotheksleitertag über E-Book-Strategien. Foto: OCLC

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Staaten befinden sich Bibliotheken in einer Phase des Umbruchs. Auch dort stellt sich die Frage nach dem Umgang mit elektronischen Medien. Beispiel Niederlande: Dort stürzte das Bibliothekswesen Anfang der 2000er-Jahre in eine sich verschärfende Krise. Gab es 2001 noch etwa 1100 unabhängige Bibliotheken ist deren Zahl bis 2012 auf 160 Organisationen gesunken, die zusammen etwa 400 Bibliotheken betreiben. Auch die Ausleihzahlen gingen von 160 Millionen (2011) auf 92 Millionen (2012) zurück.

Innovations-Programm

In den Niederlanden wurde daraufhin von der Regierung mit dem Verband der Öffentlichen Bibliotheken ein Innovations-Programm gestartet, das mit einem Jahresbudget von etwa 24 Millionen Euro ausgestattet wurde, berichtet Leeuwen. Das Programm umfasst eine umfangreiche Infrastruktur für  Informations- und Kommunikationstechnologie. So wurde unter anderem ein nationaler Bibliothekskatalog etabliert, in dem 160 Bibliotheken integriert sind und gemeinsame E-Book-Lizenzen eingekauft.

Im Januar 2014 wurde ein Service für die Ausleihe von E-Books ins Leben gerufen. Ein wichtiges Merkmal dieses Services in den Niederlanden ist, dass E-Book-Titel, die in einer Kopie vorliegen, mehreren Nutzern gleichzeitig zugänglich gemacht werden können. „Wir fanden es einfach komisch, dass wir ein E-Book haben und der nächste Nutzer kann es nicht lesen.“

Die Startabdeckung lag bei etwas mehr als 20 Prozent aller im Markt verfügbaren E-Books. Immerhin 7000 Titel waren über den Service zu bekommen. Insgesamt sind in den Niederlanden 30 000 E-Books verfügbar. Angesichts sechs Millionen Buchtiteln ein vergleichsweise geringer Anteil.

Eine Reihe von Titeln steht den Nutzern kostenlos zur Verfügung. Für sehr aktuelle Titel muss eine Gebühr gezahlt werden, die zwischen zwölf und 60 Cent liegt. Bislang geht das Konzept auf. Zum Start des Ausleihservices im Januar nutzten es etwa 19 000 Menschen, im September waren es beinahe 120 000. Auch die Ausleihzahlen stiegen im gleichen Zeitraum: von 26 500 auf 490 000. (Steffen Heizereder / 25.10.2014)

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