Das Bibliothekswesen der Niederlande: Kooperationen – Stiftungen – Mittelpunkt der Gemeinde

Niederlande

Offen und hell: Ein Lesesaal in der Koninklijke Bibliotheek in Den Haag. Seit 1974 erwirbt die Nationalbibliothek der Niederlande alle niederländischsprachigen Titel. Fotos: Beeldstudio KB

 

Die Niederlande sind als Teil von Europa von Beginn an Mitglied der Europäischen Union gewesen. Einige Teile des vorwiegend flachen und etwa 40 000 Quadratkilometer großen Landes liegen unterhalb des Meeresspiegels. Die Einwohnerzahl liegt bei rund 17 Millionen. Die bedeutende Rolle der Informations- und Meinungsfreiheit, gekoppelt mit einem ausgeprägten Unternehmergeist, hat eine Vielzahl von Wirtschaftszweigen in den Bereichen Bücher und Medien und eine große Palette von Bibliotheks- und Informationsservices hervorgebracht, von Schul- und Öffentlichen Bibliotheken bis hin zu Spezialbibliotheken und der niederländischen Nationalbibliothek. Marian Koren vom niederländischen bibliothekarischen Dachverband FOBID stellt die niederländische Bibliothekslandschaft vor.

Wissenschaftliche Bibliotheken, Kooperationsverband UKB

Aktuell verfügen die Niederlande über 14 Forschungsbibliotheken, die Bildungs- und Forschungsmöglichkeiten auf höchstem Niveau bieten. Seit 1980 hat sich die Zahl der Studenten verdoppelt. Dennoch sind die Investitionen von Regierungsseite und die jährlichen Fördermittel pro Student von 19 500 Euro (2001) auf 14 300 Euro (2015) gesunken. Die Zahl der akademischen Mitarbeiter ist, mit Ausnahme von Doktoranden, nicht in gleichem Maße gestiegen, und es gibt weniger Hilfspersonal. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Teilzeitkräfte zu. Ihr Anteil beträgt derzeit 40 Prozent. Die Gründe hierfür liegen in erster Linie in der finanziellen Situation der Universitäten: Sie sind konfrontiert mit einer um neun Prozent gesunkenen staatlichen Förderung, geringen staatlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung (weniger als zwei Prozent des Bruttosozialprodukts) und gestiegenen Ausgaben für die Instandsetzung der aus den 60er- und 70er-Jahren stammenden Gebäude. Diese Situation betrifft ebenfalls die Bibliotheken.

Die Universitätsbibliotheken, die zunehmend zentralisiert werden, haben ein gemischtes Budget, bei dem die Mittel für die Einrichtungen zentral zur Verfügung gestellt werden, während die Gelder für Ressourcen (Anschaffungen, Datenbanken, Medien) von den Fakultäten kommen.

Von der Universität Tilburg war im Jahr 1992 der Anstoß für eine wichtige Innovation gekommen: die Gründung einer neuen Hightech-Bibliothek. Aus einer Kooperation zwischen der Universitätsbibliothek und dem Rechenzentrum entstand das Projekt »Elektronische Bibliothek« in Utrecht (1995 bis 1998).

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1798 mit einem Anfangsbestand von 5 500 Medieneinheiten gegründet, beherbergt die Koninklijke Bibliotheek heute mehr als sieben Millionen Medien. Sie ist das Herzstück des niederländischen Bibliothekswesens.

Die 13 Universitätsbibliotheken sind in einem informellen Kooperationsverband, dem UKB (Universiteitsbibliotheken & Koninklijke Bibliotheek), zusammengeschlossen, zu dem auch die Nationalbibliothek in Den Haag gehört. Über eher traditionelle Themen wie Katalogisierung, Fernleihe und Bestandsmanagement hinaus werden auch andere Themenbereiche wie Lizenzierung, E-Learning und Innovationen in der digitalen Bibliothek in Komitees und Arbeitsgruppen erörtert.

Die Entwicklung des UKB im Verlauf der letzten zehn Jahre bestand in erster Linie in der Intensivierung von Kooperationen, zum Beispiel auf den Gebieten Informationsinfrastruktur, Standardisierung von Metadaten und Management-Schulungen für Mitarbeiter in den Mitgliedsbibliotheken. Kernpunkt des UKB-Strategieplans 2011-2015 ist das Thema »Die akademische Bibliothek auf dem Weg in die Cloud«. Die nationale Informationsinfrastruktur wird in eine internationale Perspektive gerückt. Dies ebnete den Weg für die wichtige Entscheidung, für die kooperative Katalogisierung und die Fernleihe die WorldShare-Plattform von OCLC zu nutzen. Der Zentralkatalog der Niederlande sollte in WorldCat als virtuelle Sammlung sämtlicher Bibliotheksressourcen des Landes erscheinen. Der UKB strebt eine Ausweitung von Lizenzen auf E-Books an und setzt sich dafür ein, dass allen Benutzern bei der Materialrecherche eine komfortable Funktionalität zur Verfügung steht. Verträge mit internationalen Repositories wie zum Beispiel dem e-Depot der Nationalbibliothek der Niederlande (KB) garantieren einen nachhaltigen Zugriff.

Die niederländische Bibliotheks- und Forschungs­gemeinschaft hat sich zu jeder Zeit aktiv für die Förderung der Open-Access-Initiative eingesetzt. Bei der Unterzeichnung der Berliner Erklärung und der Deklaration des Jahres 2009 zum »Open-Access-Jahr« kam den niederländischen Bibliotheken eine Vorreiterrolle zu. Unter den Vereinbarungen zwischen dem UKB und bedeutenden Verlagen ist beispielsweise ein neues Lizenzmodell mit dem Springer-Verlag entstanden. Außerdem wehrte sich der UKB gegen die Strategieänderung von Elsevier im Jahr 2011, und auf den höchsten Führungs­ebenen finden Verhandlungen über Lizenzen und Open Access statt. Sowohl vonseiten des Ministeriums (2013) als auch auf europäischer Ebene (2016) erfährt Open Access nun politische Unterstützung: Es gilt das Prinzip, dass jede Art von Forschung, die mit staatlichen Mitteln finanziert wird, für jedermann öffentlich zugänglich sein sollte. Das niederländische Ministerium entschied sich für den »goldenen Weg«: Der Autor bezahlt den Verlag für die Veröffentlichung seines Werks, und der Verleger stellt die gesamte Publikation online, so dass sie für jeden frei verfügbar ist.

Bibliotheken in der Hochschulbildung: Universitäten für Angewandte Wissenschaft, Kooperationsverband SHB

In den letzten Jahrzehnten beobachten wir eine Verschmelzung von Hochschuleinrichtungen und bedingt dadurch Umbenennungen zu Universitäten für Angewandte Wissenschaften. Es gibt rund 40 weitere Hochschulbibliotheken, von denen 32 Mitglied im SHB (Samenwerkingsverband Hogeschool Bibliotheken) sind, einem Zusammenschluss niederländischer Hochschulbibliotheken.

Angeregt durch das positive Beispiel des UKB verfolgt der SHB eine ähnliche Zielvorgabe, bei der 18 Hochschulbibliotheken kooperieren. Zu den Trends des neusten Leistungsmaß­stabs aus dem Jahr 2014 gehört die Ausweitung digitaler Medien in den Beständen.

In seinem Strategieplan für 2015 bis 2018 setzt der SHB den Schwerpunkt auf hochwertige und renommierte Partnerschaften mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie der beruflichen Praxis. Zur Erreichung dieser Ziele setzt der SHB auf Interessensvertretung und Wissensaustausch. Eine Komponente der Kooperation ist die HE Knowledge Bank (Wissensdatenbank für Hochschulbildung), die Zugriff auf Wissensprodukte von 25 Hochschuleinrichtungen bietet: 39 000 wissenschaftliche Arbeiten von Studenten und Veröffentlichungen von Lektoren, klassifiziert nach aktuellen Hochschulthemen wie Gesundheit, Bildung und Erziehung, IT und Medien. Die meisten Publikationen sind Open Access verfügbar.

Nationalbibliothek: Koninklijke Bibliotheek (KB), die Triebfeder des Netzwerks

Die Koninklijke Bibliotheek (KB), die Nationalbibliothek der Niederlande, wurde 1798 als Folge eines Beschlusses durch das Parlament der Republik (!) gegründet, die Sammlung des geflohenen Statthalters Willem V. in eine Nationalbibliothek umzuwandeln. Aus den anfangs 5 500 Medieneinheiten wurden schließlich sieben Millionen. Der Name Nationalbibliothek wurde erst 1982 rechtskräftig vergeben, als die KB in die heutigen Räumlichkeiten nahe dem Hauptbahnhof von Den Haag umzog. Erst 1974 begann der systematische Erwerb aller niederländischsprachigen Titel. Zwar besteht keine Verpflichtung zur Hinterlegung von Pflichtexemplaren. Jedoch übersenden die Verlage diese auf freiwilliger Basis. Heute ist die Koninklijke Bibliotheek die zentrale Depotbibliothek für alle gedruckten Veröffentlichungen sowie einige in den Niederlanden produzierten elektronischen Publikationen. Sie fungiert außerdem als internationale Depotbibliothek für elektronische Zeitschriften. Die Bibliothek beherbergt weiterhin eine Vielzahl von nationalen Spezialsammlungen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Forschungssammlungen über niederländische Kultur, Geschichte und Sprache. Seit 1993 agiert die KB als ministeriumsunabhängige öffentliche Institution (ZBO), die vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft finanziert wird.

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Ein Großteil des Erwerbungsetats entfällt in den Niederlanden mittlerweile auf elektronische Medien.

Die gesetzlichen Aufgaben der KB beziehen sich nicht nur auf Hochschulbildung und Forschung, sondern betreffen auch die Umsetzung der im Public Library Provisions System Act (2015) genannten Rechtsvorschriften für Öffentliche Bibliotheken. Die KB verfügt aktuell über ein Budget von rund 89 Millionen Euro und 322 Vollzeitäquivalente, die die Öffnungszeiten von wöchentlich 52 Stunden abdecken.

Der Strategieplan 2015-2018 mit dem Titel »Die Stärke unseres Netzwerks« umreißt die Vorgehensweise, mit der die KB diese Aufgaben in die Praxis umsetzen möchte. Über die definierte Strategie hinaus stellt die KB das vier Millionen Bibliotheksbenutzer umfassende Netzwerk in den Vordergrund ihrer Aktivitäten. Eines der Hauptinstrumente für Benutzer ist ein neuer Service unter dem Namen Delpher (www.delpher.nl), entwickelt als nationale Infrastruktur für den Volltextzugriff auf Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in Zusammenarbeit mit den Universitätsbibliotheken von Amsterdam (UvA), Leiden, Utrecht und Groningen und dem Meertens Instituut der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften. Aktuell umfasst Delpher mehr als 320 000 Bücher, 1,3 Millionen niederländischsprachige Zeitungen, 1,5 Millionen Seiten aus niederländischsprachigen Zeitschriften und 1,5 Millionen Rundfunkberichte. Die Zielsetzung für die Jahre bis 2018 besteht darin, 90 Prozent aller niederländischsprachigen Publikationen aus der Zeit vor 1940 digital zur Verfügung zu stellen.

Öffentliche Bibliotheken

Die Einführung Öffentlicher Bibliotheken begann um das Jahr 1900 auf Initiative einiger gutsituierter Liberaler, Kirchengruppen und der Gewerkschaftsorganisationen. Diese Diversität hinsichtlich der Wurzeln des Öffentlichen Bibliothekswesens verschwand in den 1950er-Jahren, als alle Bibliotheken unterschiedslos zu Öffentlichen Bibliotheken wurden, die professionell geführt werden und Mitglieder im nationalen Bibliotheksverband VOB (Vereniging Openbare Bibliotheken) sind. Gegenwärtig umfasst das Netz der Öffentlichen Bibliotheken in den Niederlanden 156 Öffentliche Bibliotheksorganisationen und neun Provinzbibliotheksorganisationen mit einer Gesamtzahl von etwa 1 000 Bibliotheken und Servicestellen (2015). Zu den Benutzern gehören 3,8 Millionen Kinder (61 Prozent) und Erwachsene mit Bibliotheksausweis. Die Zahl der ausgeliehenen gedruckten Publikationen beläuft sich auf 73 Millionen. 234 000 Benutzer verfügen über einen E-Book-Account. Durch die kostenfreie App »Holiday« stieg die Gesamtzahl der E-Book-Ausleihen auf vier Millionen (2015).

Die Zahl der Bibliotheksorganisationen sank in den Jahren 2000 bis 2015 von 542 auf 156. Die Bibliotheksorganisationen haben die Rechtsform einer Stiftung mit einem aus Privatpersonen zusammengesetzten Vorstand. Die Stiftung erhält öffentliche Zuschüsse für den Betrieb einer Öffentlichen Bibliothek. Etwa 15 bis 19 Prozent des eigenen Einkommens muss die
Bibliothek selbst aufbringen, weshalb fast alle Öffentlichen Bibliotheken mit Mitgliedsbeiträgen arbeiten.

Das Bibliotheksgesetz (Public Library Act) aus dem Jahr 1975 führte ein dreischichtiges Bibliothekssystem und gebührenfreie Services für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ein. Durch eine Gesetzgebung zur Dezentralisierung wurden in den 1980er-Jahren die Bibliotheken der kommunalen Verantwortung unterstellt. Das neue Gesetz (2015) definiert die Rollen der verschiedenen Akteure innerhalb des nationalen Netzwerks.

»Unter den niederländischen Bibliotheken ist seit längerem eine wichtige Diskussion in Gange, bei der es um die Frage geht, wie Bibliotheken den Zugriff auf Informationen bestmöglich sicherstellen.«

Niederländische Bibliotheken sind bei den internationalen Kollegen aus unterschiedlichen Gründen beliebt. Aufgrund der Tatsache, dass Bibliotheken Stiftungen sind, genießt die Bibliotheksleitung größere Freiheiten im Management und kann nach eigenem Ermessen auf die neuen Herausforderungen in den Bereichen Finanzen (Budgetkürzungen, weitere Einnahmen), Dienstleistungen (Förderung von Kompetenzen für den Umgang mit elektronischer Verwaltung, Steuerformulare), neue Zielgruppen (Flüchtlinge, Unternehmer, Wissenschaftler) sowie neue Arbeitsweisen (selbstregulierende Teams, Cross Learning) reagieren.

Unter den niederländischen Bibliotheken ist seit Längerem eine wichtige Diskussion im Gange, bei der es um die Frage geht, wie Bibliotheken den Zugriff auf Informationen – unabhängig davon, in welchem Format sie präsentiert werden – bestmöglich sicherstellen und wie die Prinzipien des Dienstes an der Öffentlichkeit gewahrt werden können (Antidiskriminierung, Demokratie, Transparenz). Die Mehrzahl der Bibliotheken möchte ein zentraler Begegnungsort in der Stadt oder der Gemeinde sein. Bücher und andere Medien sind thematisch geordnet und in Frontalpräsentation arrangiert. Sie sind so leicht zugänglich und können in der Bibliothek, zuhause oder bei der Gruppenarbeit und so weiter gelesen werden. Zu den weiteren Angeboten gehören ein Info-Café, eine Spielzone zum Spielen mit der Wii oder ein Fabrikationslabor. Auch Räumlichkeiten für Kursveranstaltungen, Vorträge und Theateraufführungen stehen zur Verfügung. Dreimal in der Woche finden im Wechsel jeweils Film- oder Theateraufführungen, Diskussionsrunden oder Unterhaltungsprogramme statt. Die niederländischen Bibliotheken bemühen sich, all dies in Kooperation mit anderen Organisationen zu realisieren. Sie bilden multifunktionale Einheiten. Neue und teils von berühmten Architekten renovierte Bibliotheken finden sich beispielsweise in Arnhem (mit Erfgoed-centrum Rozet, Artotheek sowie Kunst- und Musikschule), in Amersfoort (mit Lokalarchiv und Musikschule; siehe auch
www.b-u-b.de/het-eemhuis) und in Gouda (ehemalige Schokoladenfabrik).

Lesen, Alphabetisierung und lebenslanges Lernen

Aufgrund der Größe des Landes sind einige Bibliotheksaktivitäten, oft solche, die auf lokalen Initiativen basieren, in nationale Programme umgewandelt worden. Ein Teil dieser umfangreichen Programme widmet sich der Förderung von Lesekompetenz, Alphabetisierung und digitalen Fertigkeiten. In den Niederlanden bieten die meisten Öffentlichen Bibliotheken Bibliotheks-, Lese- und Bücherservices an Schulen an, was der Grund dafür ist, warum es nicht viele spezifische Schulbibliotheken gibt.

Angepasstes Lesen

Die Bibliotheksangebote für blinde und sehbehinderte Menschen sind vollständig in die Dienstleistungen der Öffentlichen Bibliothek eingebettet. Zur Zielgruppe gehören Blinde oder anderweitig Sehgeschädigte (300 000), Legastheniker (400 000 bis 700 000) sowie Menschen, die aufgrund einer Behinderung Bücher in ihrer üblichen Form nicht verwenden können. Insgesamt nutzen etwa 41 000 Personen Materialien für angepasstes Lesen.

»Das Gründungsjahr der niederländischen Public Library Association war 1908. Sämtliche Öffentliche Bibliotheken sind seitdem Mitglied in diesem Verband.«

Alle integrativen Dienstleistungen werden vom BPL (Bibliotheekservice Passend Lezen) angeboten. Der BPL gewährleistet ein umfangreiches Angebot für blinde und sehbehinderte Menschen, engagiert sich für die Förderung der Sammlung, die Zeitungen, Zeitschriften, Großdrucke und tastbare Druckerzeugnisse umfasst, und treibt Innovationen voran. Verantwortlich für die Spezialanfertigung von Materialien für lesebehinderte Menschen sind Dedicon und CBB: Pro Jahr sind 2 300 Audiotitel und 72 000 Titel insgesamt verfügbar; weiterhin 700 Titel pro Jahr in Braille-Schrift, zusätzlich zu den mehr als 14 000 Titeln der Sammlung. Dies ist nur ein kleiner Teil der jährlichen Produktion allgemeiner niederländischsprachiger Buchtitel, die sich auf 16 500 beläuft.

Public Library Association: VOB

Das Gründungsjahr der niederländischen Public Library Association war 1908. Sämtliche Öffentliche Bibliotheken sind seitdem Mitglied in diesem Verband. Die Organisation verschmolz 2010 mit dem Arbeitgeberverband für Öffentliche Bibliotheken. Folglich liegt der Fokus der Organisation – die keine individuellen Fachkräfte zu ihren Mitgliedern zählt – auf Fragen der Beschäftigung, der Mitarbeiterführung und des Unternehmertums sowie darauf, wie diese Aspekte Bibliotheken als Organisationen zugutekommen. Die VOB betreibt eine Geschäftsstelle mit elf Mitarbeitern in Den Haag. Der Verband finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsgebühren. Seine Hauptaufgabe ist die Vertretung der Interessen Öffentlicher Bibliotheken. Einzelne Gruppen engagieren sich für strategische Belange und Lobbyarbeit, für die Realisierung des nationalen Bibliotheksausweises und für Konsortialaufgaben hinsichtlich Informationsinfrastruktur und digitalen Inhalten, beides in Kooperation mit der Nationalbibliothek.

Förderung des Berufsstands: KNVI

Der KNVI (Koninklijke Nederlandse Vereniging van Informatieprofessionals), ein Verband für Informationsfachleute mit Sonderabteilungen für Bibliothekare und Fachleute beispielsweise aus den Branchen Medizin oder Recht, bringt auf seinen Jahreskongressen zahlreiche Informationsfachleute zusammen.

Kollegen aus dem Ausland suchen eventuell nach einem Äquivalent zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, jedoch gibt es in den Niederlanden keinen speziellen Ausbildungsgang im Bibliothekswesen auf akademischem Niveau, der in eine Beschäftigung in Öffentlichen Bibliotheken mündet, obwohl in Amsterdam und Leiden diesbezügliche Studiengänge in der Buch- und Medienbranche angeboten werden. Selbst auf Hochschulniveau findet man keine spezifische Bibliotheksausbildung, was teilweise der Verschmelzung der Hochschuleinrichtungen geschuldet ist. Dennoch sollte der Bibliotheksausbildung viel Aufmerksamkeit gewidmet werden, denn in den folgenden Jahren werden schätzungsweise 40 Prozent des derzeitigen Personals in den Ruhestand gehen. Es ist eine Herausforderung für den Sektor, neue Mitarbeiter zu finden und zu definieren, welche Kompetenzen sie mitbringen müssen. Da die Öffentlichen Bibliotheken häufig in einer multifunktionalen und multikulturellen Umgebung arbeiten, werden gleichzeitig Fachleute aus weiteren Berufsgruppen benötigt, Programmgestalter, didaktisch qualifizierte Moderatoren, Rechtsanwälte und Kommunikationsmitarbeiter.

FOBID Netherlands Library Forum

FOBID ist die 1974 gegründete Dachorganisation, in der alle nationalen Bibliotheksorganisationen vereint sind. Ihr gehören die VOB (Vereinigung Öffentlicher Bibliotheken), der KNVI (Verband der Informationsfachleute), der UKB (Kooperationsverband der Universitätsbibliotheken), der SHB (Zusammenschluss der Hochschulbibliotheken) und die Nationalbibliothek an. Zu den Kernaktivitäten des FOBID gehören der Einsatz für gerechte und ausgewogene Copyrightbestimmungen (balanced copyright), die Repräsentation auf internationalem Parkett, die Lobbyarbeit und der Austausch. Der Rechtsausschuss (FJC) pflegt Verbindungen mit dem jeweiligen europäischen (EBLIDA) und internationalen (IFLA) Pendant.

Der Beitrag kam unter Vermittlung des Goethe-Instituts Niederlande zustande.

 

Die Autorin

NiederlandeDr. Marian Koren  (Foto: privat) ist Strategieberaterin bei derKoninklijke Bibliotheek und Leiterin des FOBID Netherlands Library Forum, Den Haag. Sie studierte Internationales Recht und Schwedisch. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel »Tell Me! The Right of the Child to Information«. Koren ist Mitglied in internationalen Netzwerken (IFLA, EBLIDA etc.) und Ansprechpartnerin beim International Office für Bibliotheken in den Niederlanden. Sie organisiert Programme für Weiterbildung in Bibliothekswissenschaft und für den Wissensaustausch. – Kontakt: koren@fobid.nl

 

Marian Koren / 18.10.2016

Übersetzt aus dem  Englischen  von
Susanne Gagneur

 

 

Quellen

 

Internetquellen zum niederländischen Bibliothekswesen:

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