Wir möchten, dass Sie schöner streiten. Bibliotheken als kommunale ‚Arenas of Debate’ | Qualifizierungsprogramm für Mitarbeiter/innen und Netzwerkpartner/innen

Der Berufsverband Information Bibliothek (BIB) hat sich in einem zweistufigen Prozess erfolgreich für Fördergelder in Höhe von 12.000 Euro beworben.  Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) werden in 2019/2020 100 Projekte gefördert, die im ländlichen Raum (Kommunen bis zu 12.000 Einwohner/innen) Diskussionsformate etablieren und ermöglichen.

Ein schönes Projekt, das sehr gut andockt an die Initiative zum Tag der offenen Gesellschaft (#tdog19), in das sich BID und BIB bereits stark eingeklinkt haben und das auch die Diskussionen auf dem Bibliothekskongress (Diskussionsmacher*innen sind sexy!) und das dort umgesetzte Hands-on-Lab zu Debattenformaten in der Praxis (Mandy Fischer informiert darüber in der BuB-Juniausgabe) aufnimmt.

miteinanderreden.net: 100 Projekte, und der BIB ist mit dabei!

In den letzten Jahren nimmt die Debatte um den öffentlichen Raum und seine Zugänglichkeit, aber auch die Notwendigkeit einer professionellen Kuratierung im Kontext der informationellen Grundversorgung und der Vermittlung demokratiepolitischer Kompetenzen zu – vor dem Hintergrund anders besetzter Kommunalparlamente, vor der Diskussion um ‚rechte Medien‘ in Bibliotheksbeständen, bei der Vermittlung von digitaler Teilhabe, Informationskompetenz und der Diskussion um Filterblasen… Gerade Öffentliche Bibliotheken als freiwillige Einrichtung der Kommune stehen hier vor einer Herausforderung, ‚wir‚ stehen schon immer als Treffpunkt für ein organisationales ‚Miteinander reden‘ – und müssen uns hier professionalisieren und neu aufstellen.

Es gibt in Deutschland 3.000 hauptamtlich geleitete Bibliotheken in Kommunen mit unter 15.000 Einwohnern. Auch diese haben den politischen Auftrag, mit ihrem Medien- und Veranstaltungsangebot zu Meinungsbildung, Informationssouveränität und Mündigkeit der Bürger/innen beizutragen. Ziel des vom BIB eingereichten Qualifizierungsprogramm für Mitarbeiter/innen und Netzwerkpartner/innen ist es, Diskussionsformate zur Demokratievermittlung bzw. zum -diskurs zu entwickeln. Bibliotheken eignen sich mehr als alle anderen kommunalen Orte als Begegnungsraum, da sie neutrale, nicht-kommerzielle Orte sind und für eine offene und pluralistische Gesellschaft eintreten. Sie bieten sich als realer, vertrauter Treffpunkt der Ortsgemeinde an – und werden so zu einer ‚Arena of Debate‚, wie sie in den skandinavischen Ländern durch die kommunalen Bibliotheken bereits vielfältig geboten wird (vgl. Becker, Tom in Digital Publishing Report – Sonderheft Bibliotheken S. 8f.).

Der Ausbau von Formaten der Bürgerpartizipation und des Community Buildings gehören somit zunehmend zum Tätigkeitsspektrum auch kleinerer Öffentlicher Bibliotheken; die Integration von bürgerschaftlichem Engagement spielt eine wichtige Rolle; die Gewährleistung der Teilhabe aller am politischen, kulturellen und sozialen Leben in Kommune und Gesellschaft kann dabei nur durch Kooperationen zwischen unterschiedlichen Partnern begegnet werden. Mittels einer solchen stärkeren kommunalen Vernetzung sowie durch den physischen Begegnungsraum, über den Bibliotheken ohnehin verfügen, sollen diese zu kommunalen Zentren einer demokratiepolitischen Diskussionsplattform weiterentwickelt werden.

Das Modellprojekt des BIB unterstützt Bibliothekar/innen dabei, immer mehr zur Konfliktlots/innen und Moderator/innen im öffentlichen Raum zu werden und lokale Partizipationsprozesse aktiv und bürgernah zu initiieren und zu gestalten. Prioritäre Zielgruppe sind somit die Mitarbeitenden von kommunalen, kleinstädtischen Bibliotheken ; lokale Projektpartner – hier werden v.a. die Buchhandlungen angesprochen – können an den Workshops teilnehmen.

Es handelt sich somit um ein ‚Multiplikatorenformat’, das die teilnehmenden Bibliotheken und Buchhandlungen befähigen soll, eigene Formate durchzuführen. Ab voraussichtlich November 2019 werden in fast allen Bundesländern Workshops angeboten, an denen Bibliothekar/innen und Projektpartner/innen kostenfrei an eintägigen interaktiven Seminaren teilnehmen können. Mit ‚Deutschland spricht‚ kann Kolleg/innen ein guter Denkanstoß gegeben werden, über ‚Miteinander Reden’ können wir hier professionell lokale Konzepte ausbauen, fördern und umsetzen, uns orientieren auch an lokalen Beispielen wie ‚Chemnitz diskutiert’ und anderen Formaten. Nach einer Information über diese und weitere Formate wird ein Workshop durchgeführt, in dem mit Kolleg/innen aus der Praxis überlegt wird, wie aus diesen Erfahrungen in Öffentlichen Bibliotheken ein Konzept/Format kuratiert/aufgesetzt werden kann, das Bibliotheken nierdigschwellig umsetzen können.

Demokratievermittlung ist eine Querschnittsaufgabe, die aber – wie alle Vernetzungsprojekte – einen physischen Kern benötigen, einen Treffpunkt, einen Identifikationsraum. Bibliotheken haben hier bereits eine breite Erfahrung, sie sind bereits erfahren als ‚Spinne im Netz‚ durch diverse Projekte im Kontext der Leseförderung, der Literatur- und Medienvermittlung aber auch der vielschichtigen Veranstaltungsarbeit.

Und: Sie sind ein physischer Raum, dem viel Vertrauen entgegengebracht wird. Dieses Vertrauen soll Basis für die Miteinander-reden-Projekte sein, vorhandene Netzwerke können genutzt werden, gemachte Erfahrungen bspw. im Kontext von Living Book‘-Konzepten können ausgebaut werden. Miteinander-reden-Projekte, die von Bibliotheken durchgeführt oder (mit)initiiert werden, profitieren von der Expertise der Kolleg/innen vor Ort, die die lokalen Gegebenheiten kennen und darauf erfolgreich aufbauen können.

13 Aktionsformate zum Download, erarbeitet von Studierenden der TH Köln

Dafür steht der BIB, dafür steht auch die fachwissenschaftliche Begleitung des Projekts durch die TH Köln | Studiengang Bibliothek und digitale Kommunikation, die die langfristige Wirksamkeit einer sich daraus ergebenden Veranstaltungsreihe sicherzustellen versucht und das Projekt auch mit erarbeiteten und ausprobierten Formaten im Kontext des Tags der offnen Gesellschaft (#tdog19) unterfüttert:(TDOG_Karten_20190524).

Sie haben Interesse? Sie liegen als Kommune so, dass Sie auch Veranstaltungsort sein könnten? Dann melden Sie sich bitte bei miteinander-reden@bib-info.de!

Tom Becker, Sylvia Gladrow und Karin Langenkamp
Projektteam miteinander-reden im BIB (miteinander-reden@bib-info.de) | 27. Mai 2019

 

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