Schlau genug für Demokratie? | #werkstattplus

Alexander Trennheuser von Mehr Demokratie kämpft für mehr Partizipation – Julia Freudenberg von der Hacker School problematisiert mit Schulkassen die Sicherheit von Wahlcomputern

Demokratie ist voraussetzungsvoll. Jede*r Wähler*in muss bei Wahlen und Abstimmungen zahlreiche Faktoren abwägen, um für ihn oder sie zu „richtigen“ Entscheidung zu kommen. Trennheuser, dessen Initiative seit vielen Jahren u.a. für einen Ausbau der Informationsfreiheit und einer Stärkung der Bürgerbeteiligung eintritt, diskutierte mit Schüler*innen Möglichkeiten, sich in Zeiten des medialen Wandels so zu informieren, dass man „schlau genug für Demokratie“ wird. Schlau genug meint, demokratische Prozesse nicht nur zu verstehen, sondern auch Lust zu bekommen, sich für Politik zu engagieren.

Tom Becker, BIB Bundesvorstand im #Werkstattplus-Gespräch „Partizipation ermöglichen“ mit Katja Mitteldorf, kulturpolitische Sprecherin der Linken im Thüringischen Landtag mit Alexander Trennheuser von ‚Mehr Demokratie’

Das ist auch Katja Mitteldorf, kulturpolitische Sprecherin der Linken im Thüringischen Landtag wichtig – sie sieht in Bibliotheken geeignete Orte, um Demokratiekompetenz zu vermitteln. Sie sind niedrigschwellig und zudem nicht-kommerzielle Orte, in die jeder gehen kann und sie unterstützen Schulen und Eltern bei Lesemotivation und Lesefähigkeit – Kernkompetenzen der politischen Meinungsbildung, aber auch der gesellschaftlichen Weiterentwicklung in Zeiten, wo Zuhören – auch in Parlamenten – nicht mehr selbstverständlich ist und das Streiten für Kompromisse oft dem Skandalisieren zum Opfer fällt. Nicht umsonst ist das Motto der Initiative für mehr Demokratie: „Wenn wir aufhören, die Demokratie zu entwickeln, fängt die Demokratie an aufzuhören.“

Mit ‚Entwickeln’ in ganz anderem Sinne setzt sich die Hacker School auseinander, hier geht es um die (technische) Sicherheit von Wahlcomputern. Auf den ersten Blick haben sie viele Vorteile: Man muss keine Wahlzettel drucken, braucht sie nicht händisch auszählen und hat weniger Transportaufwand. Das ist deutlich bequemer mit Wahlcomputern… aber ist es auch sicherer? Wie funktionieren Wahlcomputer und wo, wie und von wem können sie oder die Daten der Wahl manipuliert werden?

Hacken bedeutet hier, ein solches System bis ins Detail zu verstehen, es zu verändern und zu verbessern. Ziel ist es, die Technik zu beherrschen, sie zu hacken: Schüler*innen lernen den Code eines Wahlomats kennen und hinterfragen – während eine Gruppe immer wieder das Hacken versucht, arbeitet eine andere Gruppe daran, die Sicherheit des Codes zu optimieren. Ein nie endender Kampf, wie wir alle wissen…

Beide Initiativen – Hacker School und Mehr Demokratie – sind bereits jetzt in Kontakt mit Bibliotheken, und können sich vorstellen, hier noch intensiver in die Zusammenarbeit zu gehen.

Tom Becker für #bib-info #werkstattplus #bibstories #lbm19

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