Roboter in der Bibliothek

Wildau. Mitte August haben sich im Audimax und der großen Lobby auf dem Wildauer Hochschulcampus bei Berlin 40 Kolleginnen und Kollegen der Bibliothekswelt aus 14 Ländern (Pakistan, Tschechien, Luxemburg, USA, Japan, Südafrika, Finnland, Singapur, China, Türkei, Estland, Spanien, Nepal und natürlich aus dem Gastgeberland, hier zum Beispiel aus Stuttgart, Berlin, Hamburg, Leipzig) versammelt. Sie diskutierten im Rahmen des IFLA WLIC Preconference Satellite Meetings in zehn Vorträgen, beim World Café, einer der geführten Touren und in den zahlreichen Pausen über den sinnvollen und möglichen Einsatz von Robotern in Bibliotheken. Der familiäre Rahmen begünstigte die intensiven Gespräche in den Pausen.

Bereits beim Check in zum IFLA WLIC Preconference Satellite Meeting in Wildau waren Roboter im Einsatz. Foto: Henning Wiechers, CC BY

Bereits beim Check in zum IFLA WLIC Preconference Satellite Meeting in Wildau waren Roboter im Einsatz. Foto: Henning Wiechers, CC BY

Für die plastische Anschauung waren während der Pausen drei verschiedene Roboter in der Lobby zu sehen und zu testen (NAO und Pepper der Firma SoftBank Robotics, TORY von MetraLabs), außerdem im Rahmen von Führungen ein Industrieroboter (Mitsubishi) und die Wilma genannte Pepper-Version als humanoider Roboter in der Wildauer Hochschulbibliothek. Den Nao-Leseroboter konnte man selber testen, indem man eines der deutsch- oder englischsprachigen Kinderbücher vorlas und anschließend die Fragen des Roboters beantwortete. Im Ensemble mit weiteren bibliotheksbezogenen Robotereinspielungen auf einer hochauflösenden und kinogroßen Displaywall fühlte man sich teilweise in die greifbare Zukunft manövriert.

Unterstützung im Umgang mit Kunden und Medien

Aus den Beiträgen lassen sich zwei unterschiedliche Schwerpunkte herausstellen, einmal zur Unterstützung in der Arbeit mit den Medien und einmal im Umgang mit den Kunden.
Zum ersten diskutierte man über den Robotereinsatz zur Automatisierung von Routinen wie der RFID- (UHF-)Inventur durch autonome Fahrzeuge, die durch die Antennen die Etiketten scannen. Über Nacht werden an der Wuang-Universität in China Inventuren durchgeführt, anders in Luxemburg oder Singapur. Ebenfalls wurde der Roboterarm zum automatischen Herausnehmen von Büchern aus dem Regal als Szenario vorgestellt. Mobile Roboter ermöglichen den Transport von Medien zwischen zwei Orten und ebenfalls die stetige Aufnahme von zurückgegebenen Büchern im öffentlichen Raum.

Hinsichtlich des Einsatzes von sozial interagierenden und zumeist humanoiden Robotern gingen die Vorträge sehr unterschiedlichen Fragestellungen nach. Es wurden viele Grundsatzfragen erörtert. Aspekte wie ethische Richtlinien – wo ist der Einsatz sinnvoll, welche Voraussetzungen bedarf es für den sinnvollen Einsatz dieser Maschinen, welchen Service sollen die Maschinen übernehmen, wie ist das Bibliotheksteam mit einzubeziehen? – wurden teils sehr kritisch beleuchtet.

Einige Bibliotheken setzen bereits humanoide Roboter ein, mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Sie unterstützen bei Dienstleistungen, agieren wie Chatbots, bringen Freude und Attraktivität in die Bibliothek. Im technologieaufgeschlossenen Japan sind viele Eigenentwicklungen von Robotern zu verzeichnen, die in sehr verschiedenen Nutzungskonzepten eingebettet sind. Manche nutzen Roboter nicht nur als Eyecatcher, sondern ebenfalls zur Motivation, Programmieren zu lernen. Man möchte den Kunden die Gelegenheit geben, sich mit der neuen Technologie auseinanderzusetzen. Andere Redebeiträge erörterten den Einsatz von artificial intelligence Technologie, damit Roboter besser kommunizieren können und dem Versprechen ihres Aussehens besser nachkommen, um nicht nur ferngesteuerte Mobile darzustellen.

Man schloss mit dem Fazit, dass es sich lohnt, die Entwicklungen rund um Roboter weiterzuverfolgen. Auf einer Konferenz 2020 in Pretoria (Südafrika) soll das Feld der Roboter weiter gefasst werden. Bis zur nächsten IFLA-Tagung in Dublin 2020 ist die Herausgabe eines Konferenzbandes geplant, welcher auch weitere Beiträge aus diesem Umfeld enthalten soll. Alle Beiträge sind aufgezeichnet , ebenfalls die Folien dokumentiert – und hier zu finden.

Dr. Frank Seeliger, Leiter der Hochschulbibliothek TH Wildau / 5.9.2019

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