Neue Programme zur Erhaltung von schriftlichen Originalen

Berlin. Der Erhalt schriftlicher Originale in Archiven und Bibliotheken wird in diesem Jahr in zwei Programmen gefördert: Aktuell befinden sich in beiden Förderprogrammen 115 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 2,7 Millionen Euro in der Umsetzung.

Archive und Bibliotheken können in diesem Jahr unersetzbare Originale und Sammlungen in großem Umfang vor dem Verfall retten. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unterstützt dies im Rahmen des BKM-Sonderprogramms mit zusätzlichen Mitteln. Gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder (KSL) fördert BKM außerdem die Umsetzung von Modellprojektvorhaben zur exemplarischen Sicherung des schriftlichen Kulturerbes.

Säure in seltenen wissenschaftlichen Zeitschriften oder Pflichtexemplaren, Sondersammlungen mit Schimmelbefall, verschmutzte Aktenbestände – unikale und rare Bestände in Archiven und Bibliotheken sind vielfachen Gefahren ausgesetzt. Die Einrichtungen sind angesichts des Ausmaßes überfordert. Das 2017 neu aufgesetzte BKM-Sonderprogramm unterstützt Archive und Bibliotheken jetzt bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe: 2018 werden in insgesamt 97 Projekten Originale in großen Mengen gereinigt, entsäuert oder fachgerecht verpackt und da-mit in ihrer Substanz gesichert.

Projekte in ganz Deutschland

Fachleute sind derzeit in allen Teilen Deutschlands aktiv: In Berlin werden zum Beispiel Akten zur Regierungs- und Vereinigungskriminalität fachgerecht verpackt und umgebettet, in Sachsen erhalten Bibliotheken individuelle Schutzbehältnisse für rare Buchbestände. In Stuttgart wird Aufführungsmaterial des Stuttgarter Hoftheaters aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gereinigt, in Köln werden Zentralakten des Erzbistums entsäuert.

Schriftliches Kulturgut, Förderprogramm, Archive und Bibliotheken

Über BKM-Sondermittel wird ein Teilbestand der Forschungsbibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach bearbeitet und damit dem säurebedingten Verfallsprozess entgegengewirkt. Foto: Chris Korner, Deutsches Literaturarchiv Marbach

Ursula Hartwieg, Leiterin der KEK, erläutert: »Besonders begrüßenswert sind für uns Anträge, an denen mehrere Einrichtungen beteiligt sind. So hat zum Beispiel die Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain gemeinsam mit zwei weiteren Einrichtungen Fördermittel zur Trockenreinigung und Verpackung historischer Bestände in Hessen beantragt. Solche Kooperationen liegen ganz im Zielbereich unserer strukturellen Arbeit: Schriftliche Überlieferung gemeinsam sichern bringt Synergieeffekte auf mehreren Ebenen. Insbesondere abgestimmte Ausschreibungen zeigen deutliche Optimierungen bei den Kosten.«

Die Modellprojektförderung der KEK ermöglicht 2018 unter dem Motto »Caring & Sharing« exemplarisches und konzeptionelles Arbeiten an der Aufgabe des Originalerhalts. In dieser Förderlinie befinden sich derzeit bundesweit 18 Projekte in Arbeit. Die Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina in Halle entwickelt zum Beispiel ein umfassendes Schadenskataster für die Bibliothek. Auf Basis eines solchen restauratorischen Bestandsgutachtens können Maßnahmenplanungen gezielt und effizient für einen längeren Zeitraum vorgenommen werden.

Spartenübergreifende Kooperation

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wurde im August 2011 gegründet und wird von BKM und KSL gefördert. Seitdem werden über die KEK bundesweit Projekte im Bereich Originalerhalt unterstützt, zudem fördert die KEK aktiv die spartenübergreifende Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken sowie den Aufbau von Infrastrukturen im Bereich Überlieferungssicherung. Insgesamt wurden über die KEK in den Förderlinien Modellprojektförderung und BKM-Sonderprogramm bisher rund 420 Projekte unterstützt und hierfür von BKM und KSL rund sieben Millionen Euro bereitgestellt.

Die Projektlisten sind hier zu finden:

BKM-Sonderprogramm 2018

Modellprojektförderung 2018

red. / 24.9.2018

 

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