Mickriger Bücherschrank statt Stadtteil-Bibliothek

Hannover. Mit Unverständnis, Enttäuschung und Empörung hat die »Bürgerinitiative gegen die Schließung der Stadtbibliothek Limmerstraße« den in der vergangenen Sitzung des Stadtbezirksrates Linden-Limmer gefassten Beschluss zur Aufstellung eines offenen Bücherschrankes vor dem Freizeitheim Linden zur Kenntnis genommen.

In einer Pressemitteilung wird von der Bürgerinitiative, die über 25 000 Unterschriften für den Erhalt der Stadtbibliothek Limmerstraße gesammelt hatte, scharfe Kritik an dem »völlig unzulänglichen Feigenblatt-Beschluss« des Gremiums geäußert. Statt der längst überfälligen Einrichtung einer Kinder- und Jugendbibliothek in den seit Monaten leerstehenden Räumlichkeiten des Freizeitheimes, werde die Bevölkerung nun mit ganz und gar unzureichender Magerkost in Form eines Bücherschrankes abgespeist. Insbesondere das »hanebüchene Verhalten der CDU-Fraktion« wird von der Bürgerinitiativ missbilligt.

Der Pädagoge Matthias Wietzer von der BI erklärte: »Leider gibt es offenbar keine Begrenzungen für Tricksereien und Täuschungen, selbst in der Bezirksratspolitik nicht. Jahrelang setzte sich die dortige CDU-Fraktion rücksichtslos für die Schließung der Bücherei ein und ignorierte die Bürgerbewegung. Nun vergießt sie plötzlich Krokodilstränen und schreibt in ihrem Antrag, dass ›insbesondere Kinder, Jugendliche und finanzschwache Menschen aus mehreren Stadtteilen betroffen‹ seien und entdeckt ihr Herz für ›viele einkommensschwache Familien«. Ja, wer hat denn unsere Bücherei geschlossen? War das nicht gerade auch die CDU im Stadtbezirksrat – im Verein mit SPD und GRÜNEN? Wie unglaubwürdig darf Politik eigentlich sein?«

Doris Schollmann, die langjährige Leiterin der Stadtbibliothek Limmerstraße, sagte: »Mich enttäuscht besonders, dass die anderen Parteien dieses durchsichtige Spiel der CDU mitgemacht haben. Die Idee, anstelle unserer seit über 50 Jahren erfolgreich arbeitenden Stadtbibliothek einen mickrigen Bücherschrank zu setzen, ist der Gipfel von Inkompetenz. Oder brauchen die PolitikerInnen einen derartigen Beschluss, um ihr Gewissen beruhigen zu müssen? Meiner Meinung nach sollte der Bezirksrat den fixen Plan mit dieser Bücherschrank-Flohmarktkiste ganz schnell begraben und seinem vor Monaten gefassten mehrheitlichen Beschluss für die Einrichtung einer Kinder- und Jugendbücherei im Freizeitheim Linden endlich ernsthaft Nachdruck verleihen.«

Nach Auffassung der Bürgerinitiative gehören viele interessante Bücher und Medien ins Freizeitheim und nicht in geringer Anzahl vor das Gebäude, was sicherlich auch den Wünschen der Bevölkerung und den der 25 000 UnterzeichnerInnen entsprechen würde. (6.2.2014)

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