Lessons Learned | Lego Serious Play auf #werkstattplus

Lego Serious Play wird bereits seit langem in Bibliotheken eingesetzt, auch auf verschiedenen Messen und Bibliothekartagen haben wir bereits damit ‚gespielt’. Lego ist und bleibt weiterhin eine Attraktion für Jung und Alt. Auf #werkstattplus reichte es oft aus, einfach die Steine hinzulegen, und wenn die Zeit nicht da war, wurde altersübergreifend einfach nur gebaut – das Thema ‚Bibliothek’ rückte manchmal arg weit in den Hintergrund.

In den beiden gezielten Workshops aber erfolgte die Aufgabenerklärung kurz und bündig.

Baue Deine Bibliothek von morgen und erzähle dazu Deine Geschichte – mit LegoSeriousPlay.
Dokumentiere, was Du gebaut hast, als Audiobeitrag oder Handy-Video.

Diesmal agierten wir mit einem etwas anderen Konzept in unserem ‚LegoSeriousPlay light’:
Aus einem riesigen Stapel an Steinen hatten die Kids die Aufgabe, Bereiche aus ihrem Alltagsleben (Essen, Toben, Hausaufgaben machen, Lesen, Chillen…. ) so zu bauen, wie sie sich wohlfühlen würden.

 

 

Hier zeigte sich schnell, dass zu viel ‚Spielen mit wenig Konzept’ die Ideen von LegoSeriousPlay (dem physischen Bauen mentaler Modelle, dem ‚Drüber reden’, sich austauschen und gemeinsam in einem Endprodukt landen) in Open-Space-Formaten an seine Grenzen kommt:

  • Die Lautstärke machte es schwierig, sowohl die Anleitungen zu verstehen wie auch in einen Austausch zu kommen – die 6 bis 10-jährigen haben oftmals wenig verstanden und konnten nur leise ihre coolen Ideen zu den Raumkonzepten erzählen.
    Erstes Fazit: Ohne Mikro geht es nicht, und damit hätte man zudem Aufmerksamkeit bei den Umstehenden wecken können…
  • Die Tische war für die Anzahl an Teilnehmern zu klein, die Tischdistanz bei dem Lärmpegel aber dennoch zu groß. Auch sollte bei der Auswahl an Steinen am ursprünglichen Konzept – alle bekommen die gleiche Anzahl und die gleiche Art von Steinen – festgehalten werden. Ansonsten agieren Teilnehmer (wie in den Workshops) zu zögerlich, sind überfordert. Alternativ wäre es vorstellbar, vorgefertigte Farb- und Formsets bereitzustellen und den Kindern (eingeschränkte) Entscheidungsautonomie einzuräumen, so dass sie sich selbst über die Steine in Gruppen zusammen setzen.
    Zweites Fazit: Weniger ist mehr, und zu frei sollten bewährte Konzepte nicht umgesetzt werden.
  • Zudem war die Zeit für die Ideenfindung, das Heraussuchen aus der Masse an unterschiedlichen, auch vielen speziellen Teilen und dem Bau zu knapp bemessen. Gerade um die etwas zurückhaltenderen und unschlüssigeren Kinder einzubinden muss Reizüberflutung (Zeitlimit, Zeitdruck, Aufgabenstellung, Komplexität) reduziert werden, um bei den kleinen Teilnehmern einen Rückzug zu vermeiden.
    Drittes Fazit: Speziell in Schüler-Workshops müssen unterschiedliche Charaktere eingebunden und mitgenommen werden. Auch hier gilt: weniger ist mehr, und Zeit für den Einzelnen ist wichtig.
  • Vielen Teilnehmern wurde erst richtig klar, das es um ‚Bibliothek der Zukunft’ geht, als die Bauzeit um war und die einzelnen Raumkonzepte vom Workshop-Leiter zusammengefügt wurden zu möglichen Bereichen einer ‚Bibliothek der Zukunft’. Um neue Ideen und andere Perspektiven im wahrsten Sinne des Wortes ‚einbauen’ zu können, hätte nach dieser zweiten Input-Phase erneut Bauzeit eingeräumt werden müssen. Aber, nichts desto trotz: Ein wirkliches Ende fand der Workshop nicht – Gruppen haben sich mit anderen Gruppen zusammen getan und ihre Themen-Bauten zu einer größeren „Bibliothek“ zusammen gefügt.
    Viertes Fazit: Früher das Ziel kommunizieren und konkretere Zwischenbesprechungen einplanen.

Dennoch: Lego funktioniert immer, permanent lugten den Lego-Kreativen Umstehende immer wieder über die Schulter. Das Konzept geht auf, die Workshops wurden gut aufgenommen und vor allem jene, welche auch beim Bauen sehr aktiv und engagiert waren, haben das Angebot genutzt, über ihre Modelle digital zu erzählen: über Fotos oder Handy-Videos.

Tom Becker, BIB und Maysoun Modzel, HTWK  Leipzig | 24.03.2019

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