Frankfurter Buchmesse: Veranstalter ziehen positive Bilanz

Frankfurter Buchmesse, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, Frankfurt am Main

Mit Abstand und deutlich weniger Teilnehmenden fand die Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober 2020 statt. Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

 

Wie so vieles im Corona-Jahr 2020 war auch bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse alles anders und neu. Knapp vier Wochen vor Beginn der größten Buchmesse der Welt haben die Veranstalter die geplante Hallenausstellung abgesagt und die Messe fast komplett in den digitalen Rahmen verlegt. Die steigenden Infektionszahlen infolge der Corona-Pandemie zwangen die Veranstalter zu diesem Schritt. Mit der Bilanz der digitalen Buchmesse 2020, die in der vergangenen Woche vom 14. bis 19. Oktober stattgefunden hat, zeigten sich die Veranstalter zufrieden.

Wie die Frankfurter Buchmesse mitteilte erreichte sie mit den unterschiedlichen Formaten auf der Webseite www.buchmesse.de während der Messewoche 200 000 Menschen weltweit. Die Online-Show BOOKFEST digital konnte allein auf Facebook 1,5 Millionen Zuschauer/-innen gewinnen. 4 440 digitale Aussteller/-innen aus 103 Ländern haben sich registriert. Im Veranstaltungskalender der Buchmesse wurden in der Messewoche 3 644 Events eingetragen. Die Website der Frankfurter Buchmesse wurde zum Schaufenster der digitalen Buchproduktion. 6.800 Einreichungen von Präsentationskacheln durch digitale Aussteller/-innen wurden für die 13 Themenseiten auf buchmesse.de erfasst.

Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos

Mit der digitalen Buchmesse 2020 zeigte sich Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse zufrieden. Dennoch stellte er klar: „Die persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen.“ Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

»In einem Jahr, in dem Messen überall auf der Welt hybrid oder ausschließlich in digitaler Form stattgefunden haben, ist es uns gelungen, die internationale Buchbranche an wenigen Tagen zusammenzubringen«, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. »Aber, uns allen ist klar: Die persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen. Wir haben viel für die kommenden Buchmessen gelernt, im physischen wie im digitalen Raum«, sagte Boos an anderer Stelle.

Auch Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zeigte sich zufrieden: »Die Frankfurter Buchmesse 2020 war in jeder Hinsicht eine besondere Messe. Die physischen Begegnungen haben wir vermisst. Aber es ist uns gelungen, dem Buch in dieser Woche eine große digitale und mediale Bühne zu bieten. Auf neuen Wegen hat die Buchmesse die Branche zusammengeführt und Buchbegeisterung zu den Menschen nach Hause gebracht.«

Die digitalen Angebote der Frankfurter Buchmesse konnten durch finanzielle Unterstützung aus dem »Neustart Kultur«-Programm der Bundesregierung finanziert werden. Die Angebote standen allen Nutzer/-innen in der Messewoche kostenlos zur Verfügung. Sie sollen zum großen Teil auch im Anschluss an die Frankfurter Buchmesse abrufbar bleiben.

Frankfurter Buchmesse, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Monika Grütters, Karin Schmidt-Friderichs

Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober 2020: Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (rechts) ehrte Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit der Plakette »Förderin des Buches«. Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

Frankfurter Buchmesse, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs

Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

 

 

 

Politische Botschaften

Die Frankfurter Buchmesse 2020 war auch wieder ein politischer Ort. So sprach der israelische Schriftsteller und Friedensaktivist David Grossmann in seiner Videobotschaft anlässlich der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse über die Covid-19 Krise und die Verantwortung der Schriftsteller/-innen: »Wie immer, wenn die Grundlagen der Gesellschaft erschüttert werden, wenn die persönliche und nationale Sicherheit abnimmt, befürchte ich, dass der Nationalismus, der religiöse Fundamentalismus, die Fremdenfeindlichkeit und der Rassismus zunehmen und die Demokratie und die Bürgerrechte schwer geschädigt werden. […] Schreiben – auch wenn es nicht direkt mit der Pandemie zu tun hat – ist unser Mittel des Widerstands. So widersetzen wir uns Klischees, leeren Slogans, wahllosen Aussagen und Verallgemeinerungen, die den Weg für Anstiftung, Vorurteile und Rassismus ebnen.«

Der digital auf die ARD-Buchmessenbühne zugeschaltete Aktivist Joshua Wong forderte Europa auf, sich stärker für die Demokratiebewegung in Hongkong einzusetzen. »Wenn wir demokratische Reformen in Hongkong oder China vorantreiben wollen, ist es wirklich wichtig, dass Menschen, die in einer freien Welt oder in Europa leben, die Mentalität ›nicht in meinem Hinterhof‹ (not in my backyard) beiseitelegen. Denn wir leben in einer vernetzten Welt und Hongkong kann als Beispiel für eine Geschichte dienen, aus der wir lernen können.«

Amina J. Mohammed, stellvertretende Generalsekretärin der Vereinten Nationen, hob in ihrer Botschaft für die »Signals of Hope«-Kampagne die Bedeutung von Kultur bei der Bewältigung der globalen Klimakrise hervor: »Jeder von uns muss einen Beitrag leisten, wenn wir diese Krise überwinden und eine grünere, gerechtere Welt aufbauen wollen. Wir brauchen konkrete Maßnahmen, um die Sustainable Development Goals [Anm.: Ziele für nachhaltige Entwicklung] zu erreichen. Dazu müssen wir Menschen überall inspirieren und befähigen. Kultur ist ein ideales Mittel, eine universelle Sprache, die Menschen und Gemeinschaften verbindet.«  Mit »Signals of Hope« startete die Frankfurter Buchmesse ein digitales Projekt, das im Corona-Jahr 2020 Event, Programm und Kampagne der Buchmesse zugleich ist.

Die Frankfurter Buchmesse im Überblick

Bookfest digital / city

Die Online-Show Bookfest digital sendete am Samstag, dem 17. Oktober 2020, achtundzwanzig Stunden Programm auf zwei Kanälen und erreichte damit allein auf Facebook 1,5 Millionen User/-innen weltweit. Das Bookfest city konnte trotz der Corona-Bedingungen stattfinden und war das einzige physische Publikumsformat der Frankfurter Buchmesse. Insgesamt konnten die Besucher/-innen fast 120 Stunden Programm in 36 Veranstaltungsorten in Frankfurt erleben.

Frankfurter Buchmesse, Bookfest, Richard David Precht

Kleiner und intimer war das Bookfest city in diesem Jahr. An 36 Veranstaltungsorten verteilt über Frankfurt am Main fanden Veranstalten in diesem Jahr statt. Im kunstverein der Familie Montez stellte der Philosoph Richard David Precht im Gespräch sein neuestes Buch vor. Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

 

Ehrengast Kanada

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau gab anlässlich der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse das Startsignal für den um ein Jahr verschobenen Gastlandauftritt Kanadas 2021. Unter dem Motto »Singular Plurality« war Kanada sowohl im Fachprogramm als auch auf der ARD-Buchmessenbühne, im BOOKFEST digital und city und in zahlreichen Kulturveranstaltungen in der Stadt und bundesweit vertreten. Der deutsch-französische TV-Sender ARTE strahlte einen Programmschwerpunkt zu Kanada aus.

Frankfurt Conference und Fachprogramm

Mehr als 70 Stunden umfasste das digitale Konferenz- und Fachprogramm der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit Teilnehmenden aus der ganzen Welt.
Bei der Frankfurt Conference, der digitalen Konferenzreihe der Buchmesse diskutierten Expertinnen und Experten unter anderem über die Herausforderungen für die Buchbranche während der Corona-Pandemie, die Entwicklungen im internationalen Rechtehandel und in Buch- und Audiomärkten weltweit, sowie über die Themen Diversität und Vielfalt in der Verlagsbranche, Nachhaltigkeit und Publikationsfreiheit.

Zur allgemeinen Lage des Einzelhandels der Branche sagte James Daunt, Geschäftsführer des größten US-amerikanischen Buchhandelsunternehmens Barnes & Noble, dass die Buchverkäufe derzeit insgesamt »ziemlich robust« seien.

Eine vielbeachtete Veranstaltung war das Panel zum Thema Publikationsfreiheit mit Pham Doan Trang, der ehemaligen Sprecherin des vietnamesischen Liberal Publishing House, die Berichten zufolge derzeit inhaftiert ist. Per Videobotschaft sprach sie davon, dass Publizieren in Vietnam ein gefährliches Unterfangen sei. Verleger/-innen seien von Anfang bis Ende des Publikationsprozesses der Gefahr von Verhaftung, Folter und Inhaftierung ausgesetzt.

red / 19.10.2020

Schlagworte: ,

Kommentare geschlossen