Coronavirus breitet sich aus: Immer mehr Bibliotheken schließen

Coronavirus

Winzig klein und doch gefährlich: Eine schematische Darstellung eines Coronavirus. Foto: https://www.scientificanimations.com, Schema unui coronavirus, CC BY-SA 4.0

Der neuartige Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Zahlen der Johns Hopkins University zufolge sind in Deutschland mittlerweile mehr als 7.200 Menschen an dem Virus erkrankt (Stand: 17.3.2020, 9:50 Uhr). Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt. Die Menschen sind aufgefordert unnötige soziale Kontakte zu vermeiden. Bibliotheken sind mittlerweile bundesweit fast flächendeckend geschlossen.

 

 

Hinweis: Die Ereignisse rund um das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 überschlagen sich dieser tage. Täglich ändert sich die Lage. Der nachfolgede Überblick ist vom Montag, 16. März, und wurde zuletzt am Dienstag, 17. März, vormittags aktualisiert. Teile des Artikels sind mitunter nicht mehr aktuell.

Nordrhein-Westfalen

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie beschlossen. Seit Sonntag sollen durch Erlass des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales nahezu alle Freizeit-, Sport-, Unterhaltungs- und Bildungsangebote im Land eingestellt werden. So müssen bereits ab Montag alle sogenannten »Amüsierbetriebe« wie zum Beispiel Bars, Clubs, Diskotheken, Spielhallen, Theater, Kinos, Museen schließen. Ab Dienstag ist die Wahrnehmung von Angeboten in Volkshochschulen, Musikschulen und sonstigen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich nicht mehr gestattet. Bibliotheken sollen in ihrem Betrieb an strenge Auflagen gebunden werden, die eine Verbreitung des Corona-Virus verhindern. »Alle Freizeitaktivitäten und nicht unbedingt notwendige soziale Kontakte müssen unverzüglich vermieden werden. So sehr das für viele Menschen ein Opfer und eine Einschränkung bedeutet, so wichtig ist es jetzt, besonnen, aber auch entschlossen unser Leben zu entschleunigen«, erklärte Ministerpräsident Armin Laschet dazu. Die Regelungen des Landes Nordrhein-westfalen sollen zunächst bis zum 19. April 2020 gelten, analog zu den bereits am Freitag verfügten Schließungen von Schulen und Kindertageseinrichtungen. Danach soll auf der Grundlage einer aktuellen Lage-Einschätzung des Robert-Koch-Instituts über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Viele Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen haben komplett geschlossen. So hat der Krisenstab der Stadt Köln etwa beschlossen, dass die Stadtbibliothek, städtischen Museen, die Volkshochschule  sowie die Rheinische Musikschule bis einschließlich 19. April 2020 schließen. Damit finden auch alle Veranstaltungen in den genannten Einrichtungen bis auf weiteres nicht statt.

Bayern

In Bayern sind sämtliche Bibliotheken geschlossen. Der Freistaat hat den Betrieb sämtlicher Einrichtungen, die nicht notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens dienen, sondern der Freizeitgestaltung, untersagt. Hierzu zählen auch Bibliotheken, Theater, Museen, und Volkshochschulen. Diese Verfügung gilt seit dem 17. März und bis einschließlich 19. April 2020. Die staatliche Bibliotheken wie die Bayerische Staatsbibliothek in München oder die Bibliotheken an Hochschulen sind bereits seit Samstag, 14. März, für den Publikumsverkehr geschlossen. »Mir ist bewusst, dass unsere Einrichtungen eine große Bedeutung für das kulturelle und wissenschaftliche Leben haben. Mit dieser Maßnahme will ich unsere Besucherinnen und Besucher sowie unsere Hochschulfamilie schützen «, sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler zu der Schließung der Einrichtungen. Er verweist auf die zahlreichen Möglichkeiten der digitalen Angebote wie Online-Ausleihe oder bavarikon: »Auch wenn Kunst und Kultur vom unmittelbaren Erleben lebt, so bin ich doch gerade jetzt sehr froh über die vielfältigen und abwechslungsreichen digitalen Angebote.« Die Entwicklung werde sehr genau weiter beobachtet und nachgesteuert, wenn dies notwendig sein sollte, sagte Sibler.

Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg sind die Bibliotheken geschlossen. Die grün-schwarze Landesregierung hat am Montag, 16. März, eine Verordnung über Maßnahmen zum Infektionsschutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Neben vielen weiteren Maßnahmen wird unter anderem der Betrieb von Öffentlichen Bibliotheken, Museen, Theater und Volkhochschulen untersagt. Der Studienbetrieb an den Universitäten und Hochschulen wird bis zum 19. April 2020 ausgesetzt. Bereits begonnener Studienbetrieb wird bis zu diesem Zeitpunkt unterbrochen. Die Verordnung trat am Dienstag, 17. März, in Kraft, und gilt bis zum 15. Juni 2020. Das baden-württembergische Sozialministerium kann den Termin des Außerkrafttretens jedoch ändern.

Niedersachsen

Das Kabinett der Landesregierung Niedersachsen hat am Freitag auf Empfehlung des Krisenstabes zur Bekämpfung der Corona-Epidemie beschlossen, den Unterricht an den Schulen in Niedersachsen ab dem kommenden Montag, 16. März ausfallen zu lassen. Diese Maßnahme ist zunächst befristet bis zum 18. April. Darüber hinaus werden Kitas, Hochschulen, Landesmuseen und Landestheater geschlossen. Die beschlossenen Maßnahmen seien eine Reaktion auf das extrem dynamische Infektionsgeschehen, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann: »Es geht darum, das Virus auch mit drastischen Maßnahmen einzubremsen und die Dynamik zu brechen. Wir werden nicht ganz verhindern können, dass sich Menschen anstecken, aber wir wollen, dass sich so wenige wie möglich anstecken.« Den Landesbibliotheken wurde empfohlen, den Ausleihbetrieb bis einschließlich 19. April einzustellen, sagte Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler. Die Landesbibliothek Oldenburg folgte dieser Empfehlung. Auch die anderen beiden niedersächsischen Landesbibliotheken schränkten ihren Betrieb stark ein. So können in der Gottfried Wilhelm Leibnitz Bibliothek in Hannover zwar weiterhin Medien ausgeliehen und zurückgegeben werden, die Lesesäle und Arbeitsräume der Bibliothek bleiben aber bis zum 18. April geschlossen. Der Aufenthalt in der Bibliothek soll auf die Ausleihe und Rückgabe von Medien beschränkt bleiben. In der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel bleiben die musealen Räumen der sogenannten Bibliotheca Augusta und das Lessinghaus sowie die Lesesäle in der Bibliotheca Augusta und im Zeughaus bis zum 19. April geschlossen. Kulturelle sowie wissenschaftliche Veranstaltungen finden in diesem Zeitraum nicht stattfinden. Die Ausleihe von Büchern und Medien ist eingeschränkt am Eingangstresen im Zeughaus möglich. Die Freihandbestände sind nicht zugänglich.

Pläne den Bibliothekartag 2020 abzusagen, der vom 26. bis 29. Mai in der niedersächsische Landeshauptstadt Hannover stattfinden soll, gebe es aktuell noch nicht, teilten die veranstaltenden Verbände BIB und VDB mit. Aktuell könne man jedoch nicht einschätzen, wie die Lage Ende Mai sein wird. Die Vorbereitungen für den Bibliothekartag gehen daher zunächst weiter, man bewerte aber die Lage täglich neu. Man wisse um die Verantwortung, die man als Veranstalter gegenüber allen Teilnehmenden und Mitwirkenden habe, und nehme diese ernst, heißt seitens BIB und VDB weiter.

Berlin

Die Bibliotheken der elf staatlichen Hochschulen des Landes Berlin stellen den Publikumsverkehr vorrübergehend vollständig ein. Das gab der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, in einer Pressemitteilung bekannt. Ein möglicher Onlinedienst soll ersatzweise angeboten werden. Den privaten und konfessionellen Hochschulen in Berlin werden die gleichen Maßnahmen empfohlen. Auch die Bibliotheken des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) haben ihre Häuser für den Publikumsverkehr seit Freitag, dem 13. März geschlossen. Nach Angaben des Bibliotheksverbunds haben die Häuser des VÖBB gemeinsam täglich etwa 30.000 Besuche. Sie seien damit ein besonders intensiv genutzter Ort der Begegnung in Berlin. Die Entscheidung zur Schließung sei getroffen worden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu hemmen, das Gesundheitssystem vor massiven Belastungen zu bewahren und besonders gefährdete Menschen zu schützen, heißt es seitens des VÖBB. Sämtliche Veranstaltungen der VÖBB-Bibliotheken fallen ebenfalls aus. Diese präventive Maßnahme ist zunächst bis voraussichtlich zum 19. April geplant.

Hamburg

Nach der Entscheidung des Hamburger Senats, den Regelbetrieb an Schulen und Kindergärten auszusetzen, wurden am Sonntag weitere Maßnahmen angeordnet, um der Ausbreitung des Coronavirus in Hamburg zu begegnen. So wurden grundsätzlich alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen unabhängig von der Teilnehmerzahl untersagt. Unter anderem Bibliotheken, Ausstellungen, Theater, Museen, Stadtteilkulturzentren, Musikschulen und Einrichtungen der Hamburger Volkshochschule wurden geschlossen. »Wir wollen mit unseren Maßnahmen einen Wellenbrecher aufbauen, damit die Infektionswelle so abläuft, dass nicht große Teile der Bevölkerung gleichzeitig erkranken. Denn das würde unser Gesundheitswesen und unsere Infrastruktur überfordern. Es werden weitere Maßnahmen folgen, mit denen wir auf die jeweilige Lage tagesaktuell reagieren können«, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer Storcks.

Die Staats- und Universitätsbibliothek (Stabi) Hamburg bleibt zunächst bis zum 20. April 2020 für die Präsenznutzung geschlossen, um der weiteren Ausbreitung von Coronavirus entgegenzuwirken. Das teilte die Bibliothek in einer Pressemitteilung mit. Die digitalen Sammlungen der Stabi bleiben aber zugänglich: Mehr als eine Million aktuelle E-Books und über 73.000 digitale Zeitschriften und Zeitungen stehen den Nutzerinnen und Nutzern trotz der Schließung der Lesesäle zur Verfügung. Damit die Studierenden und die Öffentlichkeit auch in den nächsten Wochen Zugang zu gesicherten wissenschaftlichen Informationen haben, setzt die Bibliothek in den nächsten Tagen verschiedene Sofortmaßnahmen um. So können die Angehörigen der Universität Hamburg wie bisher alle lizenzierten Datenbanken, E-Books und E-Journals per Fernzugriff nutzen. Für alle anderen Nutzer/-innen, die die elektronischen Zeitschriften und Bücher normalerweise vor Ort in der Stabi nutzen, wird für die Zeit der Schließung des Gebäudes ein sogenannter »Virtual Walk-In«-Service eingerichtet. Das bedeutet, dass die Nutzerinnen und Nutzer die im KatalogPlus angebotenen elektronischen Dokumente auf Anfrage per E-Mail zugeschickt bekommen. Diesen Dienst können alle nutzen, die einen Bibliotheksausweis haben oder über ein E-Mail-Konto einer staatlichen Hochschule oder der Freien und Hansestadt Hamburg verfügen.

Rheinland-Pfalz

Das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) hat seit Dienstag, 17. März, bis auf Weiteres landesweit alle Standorte geschlossen. Das gilt für Koblenz, Neustadt/Weinstraße, Speyer und Zweibrücken. Wie das LBZ mitteilt, sind von den Schließungen sind die Publikumsbereiche betroffen, also die Nutzung der Bibliotheken und der Landesbüchereistelle vor Ort. Auch alle Veranstaltungen und Fortbildungen sind vorerst abgesagt. Der interne Dienstbetrieb sei nicht betroffen und laufe weiter, gab das LBZ bekannt. Die Schließung der öffentlichen Bereiche sei eine vorsorgliche Maßnahme, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Weiterhin genutzt werden können die Online-Angebote des Landesbibliothekszentrums, zum Beispiel die Ausleihe von elektronischen Medien über die Onleihe Rheinland-Pfalz. Weiterhin besteht die Möglichkeit der 24-Stunden-Rückgabe ausgeliehener Medien an den Standorten Koblenz und Speyer.

Schweiz

Auch in der Schweiz haben viele Bibliotheken geschlossen, nachdem der Schweizer Bundesrat verschärfte Maßnahmen gegen das Coronavirus getroffen hat. Seit dem Freitag, 13. März, und bis Ende April sind Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen verboten. Die Kantone können nach Angaben des Bundesrats Ausnahmen gewähren, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. In diesem Fall müssen verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Teilnehmenden ergriffen werden, insbesondere von besonders gefährdeten Personen. Veranstaltungen bis zu 100 Teilnehmende müssen dieselben Schutzmaßnahmen vorsehen. Einige Kantone in der Schweiz gehen über diesen Beschluss hinaus. Im Kanton Graubünden sind sämtliche Bibliotheken, Archive, Theater und Museen bis zum 30. April geschlossen worden.

Österreich

»Wir erleben gerade eine herausfordernde Zeit, in der sich das Virus nach wie vor in ganz Europa und insbesondere Österreich ausbreitet. Es ist eine Zeit, in der es notwendig ist, zusammenzustehen, um die Älteren zu schützen«, sagte Österreichs Bundeskanzler Sebastian. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen sei es notwendig, weiterhin konsequente Maßnahmen zu setzen, insbesondere um die sozialen Kontakte in der nächsten Zeit auf ein Minimum zu reduzieren. So werden Unternehmen dazu aufgefordert, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wo es einzurichten ist, ab der nächsten Woche Home-Office zu ermöglichen. Des Weiteren werden ab Montag Restaurants, Bars und Kaffeehäuser nur noch bis 15 Uhr geöffnet sein. Geschäfte bleiben geschlossen, ausgenommen sind der Lebensmittelhandel, Banken, Apotheken, Post, Tierbedarf, Drogerien und andere Bereiche, die es zur Versorgung braucht. Der Büchereiverband Österreich empfiehlt seinen Mitgliedsbibliotheken eine vorübergehende Schließung der öffentlichen Büchereien. Die grundsätzliche Entscheidung über eine Schließung der Bibliotheken treffen die jeweiligen Träger.

Eine Liste mit Bibliotheksschließungen und Einschränkungen im Service hat Dörte Böhner auf dem Blog bibliothekarisch.de zusammengestellt.

Steffen Heizereder und red / 16.3.2020

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