Bündnis für Bibliotheken in Baden-Württemberg gefordert

Stuttgart. Anlässlich des bundesweiten »Tags der Bibliotheken« am 24. Oktober informierte der Landesverband Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband (dbv) über sein aktuell erarbeitetes Positionspapier »Gemeinsam die Zukunft von Stadt und Land gestalten – Ein Bündnis für Bibliotheken«. Es werden gemeinsame Anstrengungen von Kommunen und Land gefordert, um Baden-Württembergs Bibliotheken mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel sowie veränderte Bildungsbedarfe, auf Digitalisierung und auf die Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse voranzubringen. Drei Gutachten hochrangiger Wissenschaftler hatten sich im Auftrag des Bibliotheksverbands mit der Situation in Baden-Württemberg befasst. Ihre Analysen und Empfehlungen fließen in die Forderungen ein.

Im Vorfeld wurde das Positionspapier im Rahmen eines Parlamentarischen Abends am 10. Oktober in der Stadtbücherei Stuttgart vorgestellt. Die anwesenden Landtagsabgeordneten machten in kurzen Redebeiträgen als Vertreter der Landtagsfraktionen deutlich, dass sie für Forderungen der Bibliotheken aufgeschlossen sind.

Bibliotheken in Baden-Württemberg liegen sowohl als Lernorte als auch als Kultureinrichtungen ganz im Interesse der dort lebenden Menschen. Landesweit verzeichnen die Bibliotheken jährlich etwa 35 Millionen Bibliotheksbesuche, Tendenz steigend.

Digitales Lernen für breite Bevölkerungsschichten

Bibliotheken sind überhaupt weltweit die niedrigschwelligsten und am höchsten frequentierten Bildungs- und Kultureinrichtungen. Und doch gibt es auch im Ländle immer noch weiße Flecken. Immer noch haben 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg keinen Zugang zu einer Öffentlichen Bibliothek. Der Ausbau der Versorgung stagniert seit Jahren, seitdem die spezifischen Landesmittel zur Förderung der Bibliotheken in die allgemeinen Mittel des Kommunalen Finanzausgleichs eingeflossen sind. Anders auch als bei den Musikschulen oder den Volkshochschulen, die seinerzeit ebenfalls im Weiterbildungsgesetz verankert wurden, gibt es für Bibliotheken keinen leistungsspezifischen Landeszuschuss. »Wir meinen es mit der Gleichheit der Lebensverhältnisse im Land ernst und wollen mit dem Land und den entsprechenden Kommunen und Landkreisen diese Lücken schließen, dafür bedarf es landesweiter finanzieller und konzeptioneller Anreize«, führt der Landesvorsitzende Frank Mentrup aus, der auch als Präsident des Deutschen Bibliotheksverbands bundesweit engagiert ist.

Ein weiteres Thema für dieses Bündnis sollte nach Ansicht des dbv die Förderung und Begleitung der Bibliotheken in die Digitalisierung angesichts der Herausforderungen der weltweiten Informationsvernetzung sein. Zahlreiche Bibliotheken realisieren mit großer Innovationsfreude neue Konzepte und machen digitales Lernen für breite Bevölkerungsgruppen möglich. Weniger gut finanzierte, oft auch kleinere Bibliotheken bleiben bei der Entwicklung häufig zurück, was zu großen Unterschieden im Land führt.

»Baden-Württemberg braucht ein Bündnis für Bibliotheken, um eine landesweite, spartenübergreifend abgestimmte Entwicklungsstrategie für seine Bibliotheken umzusetzen«, fasst Mentrup zusammen. »Bibliotheken benötigen Unterstützung, denn die erfolgreiche Ausrichtung an veränderten Bildungsbedarfen kann nicht allein aus den Bibliotheken heraus gelingen. Deshalb müssen Rahmenbedingungen und Strukturen für alle Bibliothekssparten in den Blick genommen und gemeinsam zukunftsgerichtet gestaltet werden.«

Bibliotheken als hybride Orte

Im Zeitalter der Digitalisierung sind Bibliotheken längst zu hybriden Orten geworden, die sowohl digitale als auch analoge Angebote zugänglich machen. Bibliotheken haben sich zu Begegnungsorten entwickelt, zu differenzierten Lernräumen, die landesweit täglich von zehntausenden Menschen aller Gesellschaftsschichten genutzt werden. Wissenschaftliche Bibliotheken stehen in der Verantwortung für eine aktive Mitgestaltung von Forschungsprozessen. Die alle Gesellschaftsbereiche umfassende digitale Transformation bringt enorme technologische, rechtliche und logistische Herausforderungen mit. Um diese zu meistern, benötigen Wissenschaftliche Bibliotheken die entsprechende politische und finanzielle Unterstützung.

Für alle Zielsetzungen des Bündnisses für Bibliotheken ist es nach Ansicht des dbv auch erforderlich, die Fachstellen für Bibliotheken an den Regierungspräsidien zu stärken, den Bibliotheksverband als unabhängige hauptamtliche Vertretung der Bibliotheken mit öffentlichen Mitteln zu fördern, wie dies für den Musikschul- und Volkshochschulverband schon lange selbstverständlich ist, und die Zuständigkeit für Bibliotheken in der Landesregierung zumindest zu koordinieren. Derzeit stehen, je nach Thematik, dem Bibliotheksverband drei Ministerien gegenüber, eine einheitliche Position des Landes gibt es nicht.

Das Forderungspapier mit dem Titel »Gemeinsam die Zukunft für Stadt und Land gestalten – Ein Bündnis für Bibliotheken« bietet Ansätze und konkrete Vorschläge zur Leistungssteigerung und Verbesserung der Bibliotheksangebote im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Die Zusicherungen der Abgeordneten aller Landtagsfraktionen beim Parlamentarischen Abend hat eine erste wichtige Grundlage für weitere Gespräche mit Kommunen und Land geschaffen, um ein Bündnis für Bibliotheken zu schmieden.

Weitere Informationen und das Positionspapier gibt es hier.

red / 25.10.2018

 

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