Nachlese zum 109. Deutschen Bibliothekartag

 

Es ist ein ausgewöhnlicher Bibliothekartag 2021. Nachdem die größte Fortbildungsveranstaltung für alle in Bibliotheken und im Informationssektor beschäftige Menschen im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, wurde die Veranstaltung in diesem Jahr hybrid organisiert. Vom 16. bis 18. Juni wurde das Programm virtuell übertragen, in Bremen, dem ursprünglich geplanten Veranstaltungsort, gab es zudem ein Bibliothekartagsstudio, aus dem gesendet wird. Auch einige Teilnehmende können in Bremen vor Ort sein. Als Motto der dreitägigen Veranstaltung übernahmen die Veranstalter in diesem Jahr den Wahlspruch der Bremer Kaufleute: »buten un binnen – wagen un winnen« (dt. »In der Fremde und Zuhause – Wagen und Gewinnen«). Für BuB berichten unter anderem Studierende der TH Köln über den Bibliothekartag 2021.

 

Freitag, 18. Juni

 

13:30 Uhr

Ansehnliche Bibliotheken und begeisterte Nutzer*innen

Am letzten Tag des 109. Bibliothekartags fanden vier Vorträge zum Thema »Raumplanung und Nutzerpartizipation« statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Susanne Kandler, Direktorin der Universitätsbibliothek Freiberg.

Anfangen durfte Miriam Green, sie ist Kulturwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Humangeografie, Stadtentwicklung und Partizipation. Seit 2020 ist sie die Projektleiterin des Zweijahresprojekts »Wissen Bauen 2025« der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. In ihrem Vortrag thematisierte sie dieses Projekt und erklärte die Hintergründe.

Das Projekt beschäftigt sich mit den Fragen, wie groß wissenschaftliche Bibliotheken räumlich aufgestellt sein müssen, um ihre Aufgaben zukünftig zu erfüllen und ob sie den momentanen und zukünftigen Anforderungen gerecht werden können. Sie präsentierte ebenfalls das Forschungsdesign und die methodischen Ansätze. Bei der Durchführung wurde sich an dem Open Social Innovation Modell nach Murray orientiert. Es handelt sich um einen offenen Austauschprozess mit Nutzer*innen, Mitarbeiter*innen und Expert*innen, der in drei Stufen aufgeteilt wurde. Die Zusammenarbeit erfolgte virtuell. Laut Miriam Green gilt das Projekt als Herausforderung und Katalysator und endet voraussichtlich Ende 2022.

Anschließend folgte der Vortrag von Martin Holtorf. Er arbeitet an der Deutschen Nationalbibliothek und beschäftigt sich mit übergreifenden Angelegenheiten der Benutzung und Bestandsverwaltung.

Sein Thema ist die qualitative Benutzungsforschung unter Pandemie-Bedingungen. Dabei stellte er die Rahmenbedingungen, Methoden und Prinzipien vor. Ziel der Benutzungsforschung war es, die Interessen der Benutzer herauszufinden. Außerdem thematisierte er die Evaluation der Gebührenaussetzung. Im März 2020 wurden die Gebühren aufgrund eines Beschlusses des Verwaltungsrates für zwei Jahre ausgesetzt. Das fiel mit den Einschränkungen der Covid-19-Pandemie zusammen. Es wurden Interviews durchgeführt, um herauszufinden, wie die Benutzer*innen mit der Covid-19-Pandemie zurechtkommen und welche Meinung sie vertreten, dass die Gebühren für zwei Jahre ausgesetzt werden. Bei den Interviews gab es eine hohe Trefferquote. Martin Holtorf präsentierte den gesamten Prozess der Umfrage, sowie die Auswertung der Ergebnisse.

Der dritte Vortrag der Runde war der zur »Befragung zur Benutzung der Deutschen Nationalbibliothek 2016 -2020«. Dieser wurde von Jörg Räuber präsentiert, dem Abteilungsleiter für Benutzung und Bestandsverwaltung an beiden Standorten der Deutschen Nationalbibliothek (DNB).

Die DNB holte sich für diese Befragung professionelle Hilfe hinzu, um sich bei der Erstellung der Umfrage beraten zu lassen. Die daraus resultierenden Fragen waren unter anderem was die Nutzer*innen erwarten und wie die DNB bedarfsgerecht agieren kann.

Laut eigener Aussage, will man dies wissen um sich an Veränderung und Bedarf anzupassen und um sich den Bedingungen für die eigene Einrichtung bewusst zu werden. Die Befragung fand beide Jahre anonym online sowie schriftlich statt. Der Prozentsatz an online und offline Teilnehmer*innen war dabei beides Mal ähnlich hoch, trotz eines Abfalls an Gesamt-Teilnehmer*innen von 2016 zu 2020.

Die Befragungen sollen weiterhin regelmäßig stattfinden und dabei eine Sichtbarkeit von Entwicklung und Kontinuität bieten. Zuletzt wurden aus den Befragungen abgeleitete Handlungsfelder präsentiert. Darunter befanden sich zum Beispiel der Sitzkomfort oder die Gastronomie der DNB, aber auch längere Öffnungszeiten und verbesserte Freihand-Angebote. Die Daten lassen sich im Detail unter https://www.dnb.de/umfrage  nachlesen.

Als vierten und letzten Vortrag informierte Michael Mönnich, stellvertretender Direktor der KIT-Bibliothek und Leiter der Abteilung Benutzungsdienste, drei Plattformen, die Bibliotheksbauten dokumentieren. Mönnich erklärte, dass diese Plattformen für Bibliothekar*innen als »Benutzer*innen« von Bibliotheksbauten gedacht sind, aber durchaus auch als Inspiration oder Vorlage für andere Berufsgruppen.

Als Erstes wurde auf librarybuildings.eu eingegangen. Als Datenbank mit einem Fokus auf wissenschaftliche Bibliotheken in Europa liefert sie detaillierte Informationen zu diesen, die man filtern kann. Zusätzlich kann man sich die Daten als PDF herunterladen.

Die zweite Plattform, bibliotheksbau.blogspot.com, legt den Fokus auf Bibliotheken in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Öffentliche Bibliotheken sind hier Teil der Erfassung. Es werden knappe Daten mit Links zu externen Seiten geboten.

Als Drittes wurde das Bibliotheksbauarchiv präsentiert. Es hat einen klaren Fokus auf deutsche Bibliotheken, mit 250 Einträgen seit 1998. Ältere Einträge liegen auf Papier vor. Die Datensätze sind nur in einer Liste abrufbar und bieten zwar viele, aber inhomogene Daten. Am Ende der Präsentation wurde noch auf Trends im Bibliotheksbauwesen eingegangen. So wie zum Beispiel Nachhaltigkeit oder Beton- und Holzstrukturen.

Denis Lüftner und Noel Fillies / 22.06.2021

 

12:45 Uhr

Nachhaltigkeit in und durch Bibliotheken

Am Freitag fand von 12:45 bis 14:15 die Veranstaltung »Nachhaltigkeit in und durch Bibliotheken« im Themenkreis »politische und gesellschaftliche Herausforderungen« statt. Vier Beiträge wurden von Jacqueline Breidlid, Susanne Brandt, Patricia Fasheh, Vanessa Klein, Ingo Tschepe, Tim Schuhmann, Melanie Fechner und Kathrin Reckling-Freitag präsentiert.

Den Anfang machte Jacqueline Breidlid vom Deutschen Bibliotheksverband mit dem Thema »Bibliothek und Nachhaltigkeit in der Bibliothek«. Als erstes beschreibt Sie kurz die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Anschließend stellt Sie dar, wie sich Bibliotheken gehör von der Politik verschaffen können: Bibliotheken können sich im Bereich der Nachhaltigkeit engagieren, sich nach außen sichtbar machen, Nachhaltigkeit strategisch in ihr Bibliothekskonzept einbinden und die Politik zu sich einladen.

Der zweite Beitrag ist von Susanne Brandt aus der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und Patricia Fasheh aus der Stadtbücherei Schwarzenbek. Das Thema lautet »Mitgestalten, vernetzen, integrieren – Wie Bibliotheken eine nachhaltige Entwicklung voranbringen«.  Am Beispiel in Schleswig-Holstein zeigen sie wie Bibliotheken politisch und gesellschaftlich zum Thema Nachhaltigkeit mitwirken können. 2020 wurde der »Runde Tisch Grüne Bibliotheken in Schleswig-Holstein« gegründet. Sie dient zum Austausch und Planung mit Netzwerk Grüne Bibliotheken. Unter anderem haben sie die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit geplant. Die Aktionstage finden vom 20. bis zum 26. September 2021 statt.

Von Vanessa Klein und Ingo Tschepe aus der Stadtbücherei Norderstedt und Tim Schuhmann aus der Stadtbibliothek Pankow wurde der nächste Vortrag »Klimabilanzen in Bibliotheken – Die Stadtbücherei Norderstedt und die Stadtbibliothek Pankow auf dem Weg zur Klimaneutralität?« präsentiert. Im Pilotprojekt »Klimabilanzen in Kulturinstitutionen« der Kulturstiftung des Bundes haben die Bibliotheken teilgenommen.  Von 2020 bis 2021 haben die zwei öffentlichen Bibliotheken im Rahmen des Projektes eine Klimabilanz erstellt. In dem Vortrag erklären sie die Umsetzung des Projektes, die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks und die Ergebnisse. Mit den Ergebnissen konnten sie reflektierend neue Handlungsfelder entdecken, wie sie ihren CO2-Fußabdruck reduzieren können.

Der letzte Beitrag »Mobile Saatgutbibliothek – Saatgutvermehrung leicht gemacht: Tipps, Tricks und Saatgut aus der Fahrbibliothek« wurde von Melanie Fechner und Kathrin Reckling-Freitag aus der Büchereizentrale Schleswig-Holstein vorgetragen.

Das Bildungsprojekt ist in Zusammenarbeit mit der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt entstanden. In Schleswig-Holstein verleihen Fahrbibliotheken Saatgut. Dieses Saatgut wird angebaut, geerntet und zurück zur Fahrbibliothek gebracht. Vier Gemüsesorten werden angeboten sowie Informationsmaterialien zum Thema Anbau und Ernte.

Ayse Yalcin und Desiree Richter / 24.06.2021

 

11 Uhr

Personalentwicklung in Zeiten der Digitalisierung

Die Digitalisierung bringt neue Herausforderungen, die Arbeit, auch oder besonders in wissenschaftlichen Bibliotheken unterliegt stetigem Wandel. Aufgaben verschieben sich, fallen weg und werden durch neue Aufgaben ersetzt. Die zunehmende Vernetzung und die schnelle technische Entwicklung, machen Aus- und Weiterbildung im Beruf immer wichtiger. Personalentwicklung muss diesen Umständen gerecht werden.

Diese Thematik haben am 18. Juni auf dem 109. Bibliothekartag Frank Waldschmidt-Dietz, Ursula Georgy und Ulf Banscherus mit ihren Vorträgen beleuchtet.

Den Auftakt machte Frank Waldschmidt-Dietz (UB Gießen, IT) mit seinem Vortrag »Die digitale Transformation der Aus- und Weiterbildung in Bibliotheken«, der sich mit Corona als Chance auf der »bibliothekarischen Bildungsautobahn« beschäftigte. Waldschmidt-Dietz stellte die These auf, dass sich viele Pandemie-bedingte Veränderungen im Bereich der Weiterbildung etablieren werden, da sie Teilhabe erleichtern und Potentiale fürs Lernen bieten. Ein neuer Vermittlungsmodus, der die digitalen Möglichkeiten nutzt und den zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf Ressourcen erlaubt, ermöglicht dem Lernenden in vielerlei Hinsicht eine freie Wahl, auch bei der Art der Informationsverarbeitung. Die möglichen Formate reichen von Hands-On-Labs über Graswurzel-Netzwerke (zum Beispiel #bibtutorials) bis zum Flipped Classroom. Damit sich ein neuer Vermittlungsmodus auch etablieren kann, muss den Mitarbeiter*innen allerdings auch Zeit für diese Art der Weiterbildung zugebilligt werden und die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein.

Im anschließenden Vortrag »Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen an Hochschulbibliotheken – Empirische Daten zur aktuellen Situation« stellte Ulf Banscherus (TU Berlin, Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt) seine Sekundäranalyse von Daten des DGB-Hochschulreports vor. Die Daten stammen aus einer Online-Befragung von Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen an Hochschulen. Banscherus‘ Gegenüberstellung der Angaben der Bibliotheksbeschäftigten mit denen der Beschäftigten im wissenschaftsunterstützenden Bereich insgesamt zeigt im Großen und Ganzen eine hohe Übereinstimmung. Es gibt aber auch Unterschiede: Bibliotheksbeschäftigte geben etwa häufiger an, schwer, in einer ungünstigen Körperhaltung oder unter widrigen Umgebungsbedingungen arbeiten zu müssen. Zudem ist bei Bibliotheksbeschäftigten die Erwartung, dass der eigene Arbeitsplatz überflüssig werden könnte, stärker ausgeprägt.

Ursula Georgy (TH Köln, ZBIW) hielt in ihrem die Session abschließenden Vortrag »Die Herausforderungen der Personalentwicklung in wissenschaftlichen Bibliotheken in Zeiten der Digitalisierung« ein Plädoyer für systematische Personalentwicklung und legte dar, wie diese aussehen könnte. Zunächst sollte eine Kompetenzanalyse vorgenommen werden, die die aktuellen und zukünftigen Kompetenzbereiche betrachtet. Durch die Überführung in eine Kompetenzmatrix, die auch den Kundenwert einbezieht, können Kompetenzstandards und Kernkompetenzen sowie Kompetenzlücken und -potentiale aufgezeigt werden. Im nächsten Schritt erfolgt die Zuordnung zu Personen (zum Beispiel über eine Leistungsmatrix) und der Ist-Soll-Vergleich. Dieser kann im Vorgesetzten-Mitarbeiter-Gespräch oder über die Arbeit mit Wissenslandkarten erfolgen. Anschließend können – abhängig von der Verfügbarkeit von Kompetenzen – Maßnahmen ergriffen werden wie Personalentwicklung »into the job« und »along the job«.

Im Zusammenspiel ergaben die drei Vorträge ein rundes Bild von aktueller Situation, Herausforderungen und potentiellen Lösungen.

Die hohe Teilnehmerzahl der Session und die rege Diskussion im Chat zeigten, dass das Thema auf großes Interesse stößt. Der Grund dafür ging aus den Vorträgen hervor: Personalentwicklung stellt Bibliotheken in unserer Zeit vor große Herausforderungen. Es gibt aber auch Lösungsansätze.

Katharina Pomp und Gerrit Sommia / 23.06.2021

 

11 Uhr

Digitales Lernen

Das »Library Lab I« aus dem Themenkreis »Management und Organisation« wurde am Freitag ab 11 Uhr von Ute Engelkenmeier zusammen mit Michael Schaarwächter moderiert und bestand aus drei verschiedenen Vorträgen.

Frau Eberle und Frau Frauchiger von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, stellten ein interdisziplinäres Entwicklungsprojekt vor, das in Kooperation mit dem FHNW Robo-Lab die Bibliothek als physischen Ort für die Benutzenden noch attraktiver machen soll. Zu diesem Zweck wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren der Roboter des Models Pepper mit dem Namen Auxilio entwickelt, der im Bibliotheksalltag eingesetzt werden kann um die Bibliotheksmitarbeiter zu unterstützen. So beantwortet er beispielsweise häufige Fragen, hilft bei der Registrierung für die Bibliotheksnutzung oder verkündet die abendliche Schließung der Bibliothek. Er soll dabei helfen, Erfahrungen in Entwicklung, Programmierung, Evaluation und Erprobung von sozialen Robotern zu sammeln und diese zu erforschen und wird in diesem Prozess ständig weiterentwickelt. Außerdem haben Studierende der FHNW eine Applikation für die VR-Brille HoloLens mit zwei Funktionen für die Bibliothek entwickelt. Die App LibAssistant, die das gesuchte Medium in der Bibliothek anhand einer blauen Linie schneller auffindbar macht und Benutzenden einen Bibliotheksrundgang mit sprachlicher Hinterlegung zu ermöglicht. Einige E-Medien können auch direkt auf der VR-Brille HoloLens gelesen werden. Corona bedingt befindet sich die App aber noch nicht im produktiven Einsatz.

Mit Auxilio und der HoloLens soll die Bibliothek zu einem interaktivem dritten Ort werden, der Studierenden und Nutzenden das zukünftige multimediale Lernen zugänglicher machen soll.

Weiter im Programm ging es mit »Neu im Regal: helpBW. E-Learning von Informations- und Schreibkompetenz« einem Vortrag von Alexandra Fock und Kristina Kapitel von der KIT-Bibliothek. Hierbei steht helpBW für »Hochschularten übergreifendes E-Learning-Portfolio Baden-Württemberg für Informations- und Schreibkompetenzen«.

helpBW soll ein umfangreiches E-Learning Angebot zum Erwerb von wissenschaftlichen Informations- und Schreibkompetenzen für Studierende, Lehrende und alle anderen Personen mit Beratungsfunktion in diesem Bereich, sprich auch Bibliotheken, bieten. Es werden vier verschiedene Kurse angeboten (gute wissenschaftliche Praxis, Recherchekompetenzen, Schreib- und Textkompetenzen und Publizieren in der Wissenschaft), die theoretische und praktische Teile beinhalten und diese anhand von Fallbeispielen und Tests vermittelt werden. Die Inhalte der Kurse lassen sich nach Belieben anpassen, modifizieren und bearbeiten.

»Gamebrarians – Ein Server verbindet die Bibliothekswelt« mit diesem Vortrag machte Sabrina Ramünke den Abschluss. Gamebrarians ist ein Discord Server für Gamer*innen, der im Rahmen des BibCamps vor weniger als einem Jahr von Sabrina Ramünke gegründet wurde. Mit  etwa 115 Mitgliedern aus verschiedenen Informationseinrichtungen, werden regelmäßig Spielrunden zu verschiedenen Titeln organisiert. Neben den Videospielen gibt es Rubriken, wo Teilnehmer*innen Filmabende organisieren, Rezepte austauschen, Bücher empfehlen oder einfach zusammen reden können. Am Anfang des Jahres wurde eine Umfrage auf dem Server gestartet, die Ergebnisse stellte Sabrina Ramünke im Rahmen des Vortrages  den Zuschauern vor.

Alexander Kasteleiner, Jessica Duarte, Alexander Selenski / 21.06.2021

 

11 Uhr

Sich der Herausforderung Provenienzforschung stellen

Am Freitag  gab es gleich vier Vorträge zu den Herausforderungen Provenienzforschung. Moderiert wurde von Claudia Fabian (Bayerische Staatsbibliothek). Den Anfang machte Christine Rüth,  wissenschaftliche Mitarbeiterin der Herzog August Bibliothek (HAB) in Wolfenbüttel. Sie präsentierte das im Oktober 2020 gestartete Projekt zur Identifizierung von NS-Raubgut in den antiquarischen Erwerbungen der HAB. Dabei wurden exemplarisch zwei Bestandssegmente untersucht, die teilweise Provenienzmerkmale aufweisen.

Anschließend stellte Provenienzforscher Norman Köhler seine seit 2018 geführten Untersuchungen innerhalb der ausländischen Erwerbungen in der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft vor. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges erschwerte die Literaturbeschaffung für das Institut deutlich. Das Oberkommando der Wehrmacht und weitere Auftraggeber unterstützen es daher durch logistische, politische und finanzielle Mittel. Im Auftrag des Oberkommandos tätigt der ehemalige Bibliotheksdirektor Wilhelm Gülich von 1940 bis 1944 Beschaffungsreisen  beispielsweise nach Frankreich, Belgien und Schweden. Sowohl die HAB, als auch die ZBW konnten bislang ein positives Fazit ziehen, da weniger NS-Raubgut als anfänglich vermutet, tatsächlich bestätigt werden konnte. Für die Zukunft sieht die HAB vor, auch die Erwerbungen aus der NS-Zeit zu untersuchen.

Über das Kooperationsprojekt der SLUB Dresden mit der russischen Staatsbibliothek Moskau handelte der Vortrag von Barbara Wiermann. Nach einer Sichtung von kriegsbedingt verlagerten Dresdner Hofmusikalien innerhalb der RSB Moskau, einigten sich beide Parteien in einem Projektvertrag auf die gemeinsame Digitalisierung. Erschlossen und aufgewertet wurden die dabei in Russland liegenden Bestände im internationalen Quellenlexikon der Musik (RISM). Wichtig waren beiden Vertragspartner nicht nur die gemeinsame Digitalisierung, sondern auch der kulturelle und wissenschaftliche Austausch. Außerdem sind weitere Kooperation mit russischen Bibliotheken und ein ähnliches Folgeprojekt in Italien geplant.

Über einen wahren Glücksfall berichtete Michael Herkenhoff. Nur durch den Anruf des Londoner Auktionshauses Sotheby`s im September 2017 erfuhr die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn den Aufenthaltsort von 600 Bänden, die seit der Nachkriegszeit als verschollen galten. Die mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln wurden kriegsbedingt zwischenzeitlich im Bonner Luftschutzbunker gelagert. Vermutlich wurden sie zur Zeit der belgischen Besetzung von dort aus gezielt entwendet und waren seither in belgischem Privatbesitz. Nach einer Sichtung der Befunde, konnte der Bestand 2018 zurück nach Bonn gebracht werden, wo er mittlerweile erschlossen und zum Teil digitalisiert wurde. Die Vermutung, dass weitere Bücher gestohlen wurden, bleibt jedoch bestehen.

Zum Schluss konnten die über hundert Teilnehmer Fragen stellen und sich miteinander austauschen. Insgesamt kann man sagen, dass man sich den Herausforderungen der Provenienzforschung durch systematisches Vorgehen und internationale Zusammenarbeit stellen kann.

Antonia Bucher und Paulina Eckert / 21.06.2021

 

11 Uhr

Visionen für Kinderbücher

Zum letzten Tag des 109. Bibliothekartages fand unter der Moderation Élodie Malandas die Podiumsdiskussion »Visionen für Kinderbücher« statt. Um in der Kürze der Zeit einen umfassenden Eindruck über die Reichweite der Thematik zu schaffen, wurden Diskutant*innen aus verschieden Professionen geladen: Carolin Graf von der Stadtbibliothek Bremen, Redakteur Stefan Hauck vom Börsenblatt, Leslie Kuo von der Stadtbibliothek Pankow sowie Chantal-Fleur Sandjon und die Lektorin Doreen Tringali. Als Referentin des Projekts DRIN des Goethe-Instituts Finnland war Alexandra Stang geladen.

Ziele des Projektes DRIN sind »Wissensaustausch, Empowerment, Vernetzung, Capacity Building, Bewusstseinsbildung und Ergebnissicherung in einem (nord-)europäischen Kontext« (Goethe-Institut Finnland).

Anlass dieser Podiumsdiskussion bot die Fragestellung wie vielfältig deutsche Kinderbücher sind. Chantal-Fleur Sandjon, Co-Leiterin des DRIN-Projektes spezifizierte hier, dass es darum gehe Teilnahmebarrieren aufzulösen. Idealerweise sollten alle gesellschaftlichen Gegebenheiten abgebildet werden. Dies unterstütze Leslie Kuo. Sie bezeichnete »Bücher als Fenster in andere Lebensrealitäten«. Jungen Leser*innen aus unterrepräsentierten Gruppen würde aus Mangel an Alternativen abverlangt, sich durch eigene Transferleistung in Inhalten aus den überwiegend cis-heteronormativen und monokulturellen Gesellschaftsstrukturen ihrer Literatur wiederzufinden. Darunter leide jedoch die eigene Wahrnehmung als bedeutsamer Teil der Gesellschaft. Sie können sich als exotisch oder nicht zugehörig betrachten, weil das Buch Ihnen keine anderen Möglichkeiten aufzeigt. Aus Sicht der Norm würde ohne die Integration von Minderheiten die Wertschätzung und Akzeptanz der breiten Masse niedrig bleiben da wenig Inhalte zu Auseinandersetzung mit eben jenen geboten werden.

Ein weiterer zentraler Punkt der Problematik finge bereits bei Gestalter*innen von Kinderliteratur an. Authentische Geschichten können nur durch Personen, die die Inhalte selbst leben, generiert werden. Hier wurde kritisch die Verantwortung der Verlage hinterfragt. Durch die risikoarme Bevorzugung etablierter Autor*innen und Illustrator*innen lehne man Berufseinsteiger mit alternativen Lebensstilen und Hintergründen ab. Daraus ergibt sich eine Vielzahl an diversen Geschichten, die von Autor*innen ohne die beschriebenen Lebensumstände ihrer Werke durchlebt zu haben, verfasst werden. Am Ende der Diskussion wurde betont, dass es nicht Ziel sei die aktuellen Autor*innen, Lektor*innen und  Illustrator*innen zu substituieren, sondern genug Raum für alle Perspektiven zu schaffen. Es gebe keinen Grund alternative Kinderliteratur in dem Maße zu begrenzen.

Welchen Beitrag Bibliotheken leisten können, erläuterte zunächst Carolin Graf. Es sei nötig Hemmschwellen abzubauen, um ebenso Nutzer*innen mit verschiedensten gesellschaftlichen  Profilen willkommen zu heißen. Es finge bereits bei der Diversität des Bibliothekspersonals an, unterschiedlichstes Publikum anzusprechen. Leslie Kuo merkte hier an, dass zumindest erweiterte Sprachkenntnisse helfen können.

Die Diskussion zum Ende bringend, wies Élodie Mandala auf die Vorbildfunktion aller Akteur*innen hin. Kinder und Jugendliche suchten nach Repräsentanten ihrer eigenen Lebensumstände und diese Möglichkeit sollte ihnen im letztendlichen Werk, sowie in den gestalterischen Prozessen geboten werden.

Anne Schinzl und Pauline Eisenach / 19.06.2021

 

9 Uhr

Strategie und Zukunft

Petra Büning, Leiterin der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken NRW der Bezirksregierung Düsseldorf, und Jutta Flaßhove, Leiterin der Bezirksbibliothek Duisburg-Rheinhausen, eröffneten am Freitag um 9 Uhr mit ihrem Vortrag zu »Bibliotheksfunktionen für eine digitale Gesellschaft« den Themenblock »Strategie und Zukunft«.

Im Rahmen der Strategieentwicklung hat sich die Fachstelle für öffentliche Bibliotheken NRW im Jahr 2018 mit für öffentliche Bibliotheken relevanten Themen auseinandergesetzt und das Konzept des »Funktionsrahmens« entwickelt. Als Arbeitsinstrument zur Strategieentwicklung soll dieser einen strukturierten Blick auf die Bibliotheksfunktionen bieten und als Kommunikationsmodell und Entscheidungsgrundlage dienen. Als Antwort auf die Frage, worauf es in Bibliotheken ankommt, hat man sich auf die fünf Funktionen »Ort für Wissen und Information«, »Digitales Kompetenzzentrum«, »Kultur- und Literaturort«, »Ort für Inspiration« und »Kommunaler Begegnungs- und Kommunikationsort« festgelegt.

Das Konzept wurde im Rahmen des Qualifizierungsprogramms »Strategieentwicklung für Stadtteilbibliotheken« von 2019 bis 2021 in 16 Zweigstellenbibliotheken aus acht Großstädten getestet, darunter auch die von Flaßhove geleitete Bibliothek Duisburg-Rheinhausen, an deren Beispiel die praktische Umsetzung des Konzepts für alle Teilnehmer abschließend veranschaulicht wurde.

Im Anschluss referierten Julia Meyer, stellv. Generaldirektorin der SLUB Dresden, und die dort für den Bereich Personalentwicklung Verantwortliche Margarete Schuster zum Thema »Die Bibliothek als Ereignis – Performative Nutzungsszenarien für wissenschaftliche Bibliotheken als dritter Ort«.

Grundidee des Vortrags war dabei die handlungsorientierte Interpretation des Kulturbegriffs. Statt den Fokus wie zum Beispiel  beim digital oder visual turn auf das Medium zu legen, soll Kultur als Ereignis betrachtet werden. Durch Partizipation der Mitarbeiter und der Nutzer soll die Bibliothek zum wissenschaftlichen Lernzentrum werden. Veranschaulicht wurde dieser Ansatz der performativen Wissensarbeit am Beispiel der Kooperation mit der Nutzerin Uta Hanthal, die ihm Rahmen ihrer Recherche zu vergessenen Dresdner Schriftstellerinnen ihre Ergebnisse in Form eines Vortrags an die Öffentlichkeit bringen konnte. Darüber hinaus bildete sich ein Literaturzirkel zum Austausch über die Werke der von Hanthal vorgestellten Schriftstellerinnen.

Um zu verdeutlichen, welche Bedeutung diese partizipativen Konzepte für die Organisations- und Personalentwicklung haben, beendete Schuster den Vortrag mit dem Hinweis, dass diese Experimentierkonzepte einen Haltungswandel nach sich ziehen und fortlaufend mit den Mitarbeitern und Nutzern evaluiert, reflektiert und angepasst werden sollten.

Zum Abschluss der Veranstaltung demonstrierte Miriam Albers, Dozentin an der TH Köln und seit März 2020 Referentin für strategisches Bibliotheksmanagement an der ZB MED, unter dem Titel »Jonglieren lernen! Über den langen Weg von ZB MED von der Bibliothek zum Forschungs- und Infrastrukturzentrum« wie schwierig, aber auch lohnend der Prozess der Strategieentwicklung sein kann. Nach zweifacher Evaluation folgte 2016 der Ausschluss der ZB MED aus der Leibniz-Gemeinschaft. Das vernichtende Urteil war, keine schlüssige Gesamtstrategie zu haben, keine ausreichende Forschung zu betreiben und zu gering vernetzt zu sein. Es galt nun, aus einer Bibliothek ein Forschungszentrum zu machen, ohne dabei die Bibliothek aus den Augen zu verlieren. Albers zeichnete für die Teilnehmer den langwierigen Prozess der Strategieentwicklung nach und machte deutlich, wie wichtig die Identitätsfindung und klar definierte Leitlinien für die Entwicklung einer Gesamtstrategie waren. In den zuvor kritisierten Bereichen Forschung, Vernetzung und digitale Kompetenzen kann die ZB MED mittlerweile überzeugen und wird voraussichtlich wieder in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen werden. Auch eine Partnerschaft mit dem Bielefelder Institut für Bioinformatik-Infrastruktur, das 2024 in Form einer Abteilung fester Bestandteil der ZB MED werden wird, kam zustande. Der Prozess der Strategieentwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, aber Albers sieht der Zukunft optimistisch entgegen.

Laura Arentz und Maximilian Sollik / 29.06.2021

 

9 Uhr

Forum Bibliotheksrecht – Aktuelle Rechtsthemen im Überblick

Am Freitag, dem letzten Tag des 109. Bibliothekartags, startete am Morgen das »Forum Bibliotheksrecht« unter der Moderation von Marion von Francken-Welz. In vier Vorträgen wurden aktuell relevante Rechtsthemen im Bibliothekswesen behandelt. Im Fokus standen das neue Urheberrecht, Text – und Data-Mining, Wissenschaftstracking und das Open-Access-Network.

Judith Ludwig (TIB Hannover) eröffnete das Forum mit einem Vortrag zum neuen Urheberrecht und den Veränderungen, die sich daraus für Bibliotheken ergeben. Sie stellte besonders die Themen Entfristung, kollektive Lizenzen, nicht verfügbare Werke, Vervielfältigung gemeinfreier visueller Werke und das Text- und Data Mining in den Mittelpunkt.

Weiter ging es mit dem Vortrag von Peter Brettschneider (KIM, Uni-Konstanz) mit den neuen Regeln zum Text- und Data-Mining, die am 7. Juni 2021 in Kraft getreten sind. Er erläutert die Freiräume, die dadurch für automatisierte Datenanalysen entstanden sind und listet deren Stärken und Schwachstellen auf.

Danach stellte Daniel Beucke (SUB Göttingen) das open-access.network vor, ein Projekt das den Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems zu Open Access unterstützt. Fokus des Networks liegt auf der Fortbildung im Bereich von Open-Access-Themen und der Vernetzung innerhalb der Open-Access-Community. Informationen zu Open Access werden durch das Projekt an einem zentralen Punkt auf open-access.net sichtbar gemacht.

Abschließend gab Renke Siems (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg) einen Einblick in das Thema »Wissenschaftstracking« und stellte die bisherige Entwicklung vor. Verlage im Wissenschaftsbereich haben sich online von Inhaltsanbietern zu Data Analytics Businesses gewandelt.

Siems berichtet über die Methoden, die verwendet werden, um Nutzerdaten zu sammeln und welche Konsequenzen es für den Datenschutz, aber auch für Bibliotheken mit sich bringt.

Anika Droste und Wiktoria Banach / 21.06.2021

Donnerstag, 17. Juni

 

17 Uhr

Open Access publizieren – Wie funktioniert’s?

»Open Access publizieren« war das Thema der Präsentationen, die den Zuhörenden am zweiten Veranstaltungstag des 109. Bibliothekartags ab 17 Uhr durch die Referent*innen Bernhard Mittermaier, Matti Stöhr, Laura Getz, Karin Langekamp und Maria Effinger nähergebracht wurde.

Bernhard Mittermaier eröffnet seinen Vortrag mit der Vorstellung des neuen Förderprogrammes »Open-Access-Publikationskosten«. In Verbindung mit diesem Förderprogramm präsentiert er auch den sogenannten OAM, den »Open Access Monitor Deutschland«, dem zur Unterstützung bei der Antragstellung im Zuge der Förderung neue Funktionen implementiert wurden. Diese neuen Features demonstriert Bernhard Mittermaier und zeigt die Ziele des OAM für die Zukunft auf.

Es folgt ein Beitrag von Matti Stöhr, Mitarbeiter des AV-Portals der TIB Hannover, das dabei helfen soll, qualitätsgeprüfte wissenschaftliche Videos aus den Bereichen Technik und Naturwissenschaften langfristig archivierbar und somit auch dauerhaft zitierfähig zu machen. Er stellt das TIB AV Portal mit seinen Services, Prinzipien und 34 000 AV-Medien vor, von denen 31 000 online direkt abrufbar sind, und präsentiert ergänzend Nutzungsmöglichkeiten der Plattform. Abschließend thematisiert Matti Stöhr die Auswirkungen auf die Portalnutzung und rundet den Vortrag mit einem Ausblick ab.

Laura Getz und Karin Langekamp lösen den Vortrag von Matti Stöhr mit dem Forschungsprojekt »Open Access in der Berufsbildungsforschung« des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ab. Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Frage nach den technisch-strukturellen, politisch-normativen und wissenschaftssystem-immanenten Bedingungen für die Akzeptanz, Verbreitung und Nutzung von Open Access in der Berufsbildungsforschung. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes fand eine Online-Umfrage statt, die sich an 5 000 Autor*innen richtete. Die Präsentation ausgewählter Ergebnisse dieser Untersuchung markieren das Ende des Vortrags der beiden Referentinnen.

Den Abschluss der Vortragsreihe zum Thema »Open Access publizieren« bildet der Beitrag von Maria Effinger von der Universitätsbibliothek Heidelberg. Sie stellt zum einen die UB Heidelberg und den Wissenschaftsverlag »Heidelberg University Publishing«, vor der Teil des Projekts »Exzellente Forschung sichtbar machen« ist, und erläutert das dazugehörige Sichtbarkeitskonzept. Eine Besonderheit des Projekts ist die Wahrung der Zitierfähigkeit multimedialer Publikationen und die Bereitstellung eines hybriden Publikationsmodells. Die Veranstaltung rundet Maria Effinger mit einem Bericht über ihre Strategien zur Bewältigung der neu entstanden Herausforderungen und der Zusammenarbeit mit entscheidenden Partnern ab.

Marléne Bethke und Sofie Wandel / 21.06.2021

 

17 Uhr

Partizipative Angebote – Jugendarbeit und Podcast-Produktion in öffentlichen Bibliotheken

Am Donnerstag um 17 Uhr moderierte Anja Flicker die Veranstaltung »Partizipative Angebote« aus dem Themenkreis 1: Politische und gesellschaftliche Herausforderungen. Die Veranstaltung bestand aus drei Vorträgen.

Zuerst berichteten Silke Schütz und Sarah Redlich zu dem Thema »Schwierige Anspruchsgruppen dauerhaft binden und begeistern. Ein Praxisbericht der Stadtbibliothek Wuppertal«. Sie stellten als wichtige Projekte Bib4School, Bib4Teens und die Jugendredaktion vor. Hierbei hat sich das Anbieten eines kontinuierlichen Programms bewährt. Für die Arbeit mit Jugendlichen betonten sie die Wichtigkeit, unter Kolleg*innen Vorurteile gegenüber Jugendlichen abzubauen. Insbesondere wollten sie Mut machen, sich an die Arbeit mit Jugendlichen heranzuwagen.

Iris Feldgen von der Stadtbibliothek Frankfurt präsentierte die »Frankfurt Dream Academy – das hochdrei-Projekt der Stadtbibliothek Frankfurt am Main«. Als Ziel wurde gesetzt, Pop-Up-Stationen für Jugendliche in vier Frankfurter Stadtteilen einzurichten. Der Vortrag wurde mit einem Video eingeleitet, in dem Jugendliche ihre Wünsche und Meinungen äußerten. Feldgen sprach über Herausforderungen, die die Corona-Pandemie an das Projekt stellte, den Umgang mit diesen und wie trotzdem die Beteiligung von Jugendlichen gewährleistet wurde.

Den Abschluss machte Dagmar Schnittker mit ihrem Vortrag »Stadtbücherei Ibbenbüren: #sprechzeit.kultur – Der Podcast aus Ibbenbüren«. Im Podcast stellen sich Kultureinrichtungen und -schaffende aus der Region vor. Der Fokus lag aufgrund ausfallender Veranstaltungen auf Personen. Schnittker berichtete vom Produktionsprozess, der von regionalen Kooperationen geprägt war. Sie ging auch auf technische Hintergründe ein, sowie auf Möglichkeiten der Nutzeranalysen. Zudem sprach sie über Finanzierungsmöglichkeiten, wie die Förderung über »NRW zeigt Kultur«.

Isabelle Ebinger und Lynn Schneider / 18.06.2021

 

15:30 Uhr

Medienbildung in Bibliotheken? Das kann doch jeder!

Am Donnerstag um 15:30 fand eine Podiumsdiskussion zu dem Thema »Medienbildung in Bibliotheken? Kann doch jeder!« statt, die virtuell verfolgt werden konnte. An der Diskussionsrunde beteiligt haben sich zum einen Dennis Kranz, der seit 2018 als Medienpädagoge in der Stadtbibliothek Rostock tätig ist, Dagmar Schnittker, die Leiterin der Stadtbibliothek Ibbenbüren, Nicole Krüger, Mitarbeiterin der Hochschulbibliothek der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und zu guter Letzt Kathrin Reckling-Freitag, Mitarbeiterin der Büchereizentrale Schleswig-Holstein. Moderiert wurde die Veranstaltung von Sandra Dirks, die unter anderem im Bereich Online-Workshops und Flipchart tätig ist.

Die Vermittlung von Medienkompetenzen in Bibliotheken wird immer wichtiger. Schon seit langem bieten Bibliotheken weit mehr Angebote als das alleinige Ausleihen von Medien. Verschiedenste Veranstaltungen wie das Programmieren von Robotern, die Arbeit mit digitalen Programmen, Computerspiele, all das gehört mittlerweile zum Alltag einer Bibliothek. Aber wessen Aufgabe ist es, sich um all diese Felder zu kümmern und diese zu betreuen? Sollte es nicht längst Teil der Arbeit von Bibliotheksmitarbeitenden sein, sich auf all diesen Gebieten auszukennen? Diese und viele weitere spannende Fragen, diskutierten die oben genannten Gäste der Podiumsdiskussion live miteinander.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung lassen sich hier nachlesen: https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/frontdoor/index/index/searchtype/collection/id/17275/start/71/rows/20/docId/17658 . Außerdem gibt es für die Teilnehmenden des Bibliothekartags die Möglichkeit, die Aufzeichnung der gesamten, einstündigen Podiumsdiskussion auch im Nachhinein anzuschauen. Über folgenden Link lässt sich die Aufzeichnung aufrufen: https://dbt2021.pathable.eu/meetings/virtual/aA6MnP6Jbqb28tiZk

Nicole Grützmacher und Sarah Gehlen / 20.06.2021

 

13:30 Uhr

Bibliotheken online – Marketing, Social Media und Community-Building

Der Veranstaltung »Bibliotheksmarketing digital« am Donnerstag, 17. Juni, bestand aus drei Vorträgen. Er gehörte zum Themenkreis Management und Organisation. Moderiert wurden die Beiträge von Frauke Schade.

Der erste Beitrag kam von Doreen Siegfried zum Thema »Contentmarketing zu Open Science in der Praxis – Mit nutzenorientierter Kommunikation den digitalen Dialog führen«. Hier positionierte Siegfried die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) als starken Partner für die Wirtschaftsforschung. Die ZBW fördert Open Science Projekte zum Beispiel durch Beratung und das Anbieten von Services, sieht sich hier aber als mehr als ein reiner Anbieter. Wichtig ist laut Siegfried der Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft, sowie das Ermutigen von Partnern neue Wege zu gehen und sich selbst an Open Science Projekten zu versuchen, sei es als Nutzer oder Förderer. Der Fokus der ZBW als Open Science Partner liegt auf Forschung, Engagement und der Entwicklung von Open Science Infrastruktur.

Im zweiten Vortrag, der von Joachim Bonte und seiner Referendarin Henriette Mehn gehalten wurde, ging es um Bibliotheken und Social Media. Die Frage, die Bonte stellte war: »Wo stehen wir?« Zunächst gab Bonte einen Überblick über die Nutzung von Social Media in Bibliotheken und warum Social Media für sie essenziell sind. Hier geht es nicht nur um Sichtbarkeit, Reichweite und Community-Building, sondern auch um das moderne Image der Bibliothek. Außerdem, so Bonte, dient es der Pflichterfüllung der Bibliothek Informationen weiterzugeben und Bildung und Lernen zu unterstützen.

Danach gab Henriette Mehn einen detaillierten Einblick in die Social Media Strategien der SLUB. In Dresden setzt man auf ein eigenes Netzwerk von Social-Media-Kanälen. Auf diese Weise ist es möglich, dass sich die Kanäle gegenseitig promoten und so auch Nutzer erreichen können, die ansonsten vielleicht nicht erreicht würden. Auch die Kommunikation innerhalb von Bibliotheken und den verbundenen Stellen, wie zum Beispiel dem Kulturministerium, wird durch Social Media unterstützt. Hier betonte Joachim Bonte, dass Social Media keine Konferenzen oder tiefe Diskussionen ersetzt, aber die Wege hin zu diesen sehr erleichtern kann.

Der letzte, sehr erfrischende Beitrag war ein sehr praktisches Beispiel dafür eine Krise als Motor zum Wachstum zu nutzen. »Aus der Not eine Tugend machen! Digitales Community-Building in der Krise und darüber hinaus« zeigte den Weg eines kleinen Stammtischs der Universität Halle zu einer starken Online-Community mit über 500 Nutzern. Zunächst war der virtuelle Stammtisch auf der Plattform DIscord nur als Behelfslösung gedacht. Es wurde nicht groß über ein Konzept nachgedacht, sondern »einfach gemacht«, wie der Referent Daniel Brenn erklärte. Discord bot bereits eine sehr niedrigschwellige Benutzeroberfläche und viele Features wie zum Beispiel das problemlose Erstellen, Verwalten und Stummschalten von einzelnen Audiokanälen, die dann des einzelnen Diskussionsgruppen am Stammtisch entsprachen. Die Idee fand regen Anklang und die Besucherzahlen des Stammtischs explodierten. Man benannte den Stammtisch auf Discord um: von DHAL zu DHall – eine Community aus Halle, für alle.

Im Nachhinein, so rät Brenn, wäre ein gut durchdachtes Konzept, das zum Beispiel auch von Anfang an eine Netiquette beinhalten sollte, sehr wünschenswert gewesen, um Unstimmigkeiten zu vermeiden. Auch eine unabhängige Open Source Plattform wäre dem Stammtisch lieber gewesen. Jedoch gibt es hier (noch) nichts, was mit den Funktionen von Discord mithalten kann, so Brenn.

Barbara Kosin Tasso und Roxanne Draeger / 19.6.2021

 

13:30 Uhr

Lernräume im Wandel II

Im Rahmen des 109. Bibliothekartags wurden am Donnerstag, 17. Juni, ab 13:30 Uhr, drei Beiträge zum Thema »Lernräume im Wandel« vorgestellt. Die Referierenden waren Klaus Ulrich Werner, Anita Santner und Kay Albrecht.

 

Vom Lernort zum Coworking Space | Klaus Ulrich Werner

Das Selbstverständnis von Bibliotheken als Lernort hat sich grundlegend gewandelt. Die Relevanz von lebendigen und öffentlichen Orten in Bibliotheken nimmt stetig zu und Strategien und Konzepte müssen her, um Co-Working-Spaces Nutzergerecht zu gestalten. Auch die Multifunktionalität der Raumeinrichtung muss dabei beachtet werden, denn diese ist ein entscheidender Faktor für die Steigerung der Nutzungsmöglichkeiten und sorgt für die nötige Attraktivität.

 

Veränderung als Chance – Ganzheitliche Bibliothekspädagogik und Urban Gardening im SLUB TextLab | Anita Santner, M. Krause

In Zukunft wird es immer wichtiger die Arbeitsräume in Bibliotheken offen und nachhaltig zu gestalten. Entscheidend ist dabei die naturnahe, lebendige und konzentrationsfördernde Einrichtung, um den Bibliotheksbenutzer*innen eine positive und angenehme Arbeitsatmosphäre zu bieten. Dienlich sind hierbei unter anderem komfortable Sitzmöglichkeiten und Grünanlagen. Im Rahmen dieses Konzeptes sollen Körper und Geist der Beteiligten gestärkt werden.

 

Lügen, Presse, Meinungsbildung – Stadtbibliotheken forschen Fakten | Kay Albrecht

»Eine Lüge gewinnt nicht dadurch an Macht, dass sie geäußert wird, sondern dadurch, dass jemand sich dazu bereiterklärt, ihr Glauben zu schenken.« – [Pamela Meyer, 2011]

Durch das Internet ist es möglich, dass sich falsche Nachrichten schnell verbreiten und Nutzer*innen diese oft als wahr betrachten. Das Projekt »Faktenforschen« stellt sich dem entgegen. Teilnehmer*innen dieser Unternehmung werden darin ausgebildet auf Social Media Plattformen falsche Inhalte zu überprüfen und gegebenenfalls zu entlarven. Das Ziel des Projektes ist es den Teilnehmer*innen ein kritisches Medienbewusstsein zu vermitteln, sowie einen sensibleren Umgang im Netz und analog zu fördern.

Emilia Stock, Lucas Neufeld / 18.6.2021

 

12:15 Uhr

Bibliothekspädagogik im 21. Jahrhundert

Im Rahmen des Bibliothekartages fand am Donnerstag, 17. Juni, von 12:15 Uhr bis 13:15 Uhr  auf Einladung vom Berufsverband Information Bibliothek und  dem Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare eine   Diskussionsrunde unter dem Titel »Zwischen Nähe und Distanz – Perspektiven der Verortung von Bibliothekspädagogik« statt.

Der Anlass für diese Veranstaltung waren Fragen für die Zukunft der Bibliothekspädagogik auch unter dem Gesichtspunkt der Entwicklungen, die die Distanz durch Corona mit sich gebracht hat. Es ging unter anderem um die Fragen, wie viel Nähe pädagogische Arbeit braucht, was essentielle Grundlagen der Bibliothekspädagogik sind und in welche Richtung sich Bibliothekspädagogik vor dem Hintergrund von Lernen im 21. Jahrhundert entwickelt.

Eröffnet wurde die Runde durch einen Beitrag von Frank Thissen, Professor an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Er thematisierte die Rolle, die Digitalisierung heute in der Bildung und Pädagogik spielt. Wichtig sei individuelles Lernen und Kreativität, da das Analoge zunehmend vom Digitalen abgelöst werde.

Anschließend ging es in die Diskussion. Die Teilnehmer äußerten unter anderem, dass Mitarbeitende in Einrichtungen für die neuen Möglichkeiten begeistert werden müssen. Die Bedeutung von Experimenten und auch Fehlern wurde heraus gestellt, ebenso die Neuerungen, zu denen die Pandemie geführt hat. Technik biete zugleich die Möglichkeit, Kinder auf Bibliotheken neugierig zu machen. Einig waren sich jedoch viele, dass Nähe weiterhin unverzichtbar bleibe.

Kevin Blischke und Christine Reißberg / 22.06.2021

 

12 Uhr

Personalentwicklung und Diversity in Bibliotheken

Im Rahmen des 109. Bibliothekartags wurden am Donnerstag, 17. Juni 2021, ab 12 Uhr, drei Vorträge zum Thema »Personalentwicklung und Diversity in Bibliotheken« von den Referent*innen Nora Neuhaus de Laurel, Sabine Homilius, Carina Dony und Ruth Hartmann vorgestellt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Barbara Lison, Leiterin der Stadtbibliothek Bremen.

Den Auftakt bildet der Vortrag »Fortbildung in Pandemie-Zeiten: Überflüssiger Ballast? Notwendig? Große Chance? Präsent, hybrid oder digital?« von Nora Neuhaus de Laurel, Personalentwicklerin der Stadtbibliothek Bremen. Sie berichtet über die Personalentwicklung in Krisenzeiten, Art der Fortbildungsformate und ihre Empfehlungen in Hinsicht auf ihre Praxiserfahrung in der Stadtbibliothek Bremen. Schon zu Anfang ihres Vortrags kommt sie zu dem Entschluss, dass Bibliotheken nur mit geschulten und resilienten Mitarbeiter*innen durch die Corona-Zeit kommen. Mitarbeiter*innen und die Bibliotheken sollen pragmatisch, flexibel, gut ausgestattet, fehlertolerant sein und Angebote wie zum Beispiel LinkedIn Learning nutzen. Ihr Fazit lautet, dass Personalentwicklung durch Trainingsangebote, Prozessoptimierung und Digitalisierung gewährleistet wird.

Der zweite Vortrag »Strategie als Haltung. Wie ein Kollegium in der Krise wächst« von Carina Dony und Sabine Homilius von der Stadtbücherei Frankfurt am Main soll Mitarbeiter*innen als »aktiv Wirkende« ansprechen. Beide Referentinnen stellen ausführlich die beteiligungsorientierte Strategieentwicklung in der Stadtbibliothek Frankfurt am Main dar, welche durch einen Impuls aus dem Kollegium entstanden ist. In diesem gesellschaftlichen Kontext geht es um die Überprüfung und Entwicklung des Arbeitsfeldes, mit Blick auf die Relevanz. Beispiele für die entwickelten Formate sind das Open Office (2019), verschiedene Lernreisen und Strategiegespräche, die trotz der Pandemie ein voller Erfolg waren. Das Bibliothekssystem, das die Wechselwirkung zwischen Mitarbeiter*innen und Führungskräften darstellt, versucht innerhalb der Formate Konzepte und Prozessdesign zu verändern oder anzupassen. Fazit von Carina Dony und Sabine Homilius: Auf die Notwendigkeit der Veränderung hinweisen und ein gemeinsames Verständnis entwickeln.

Der letzte Vortrag »Diversitätsorientierte Personalgewinnung: Wir rufen und sie kommen – nicht« von Ruth Hartmann, Diversitymanagerin der Stadtbibliothek Bremen, beschäftigte sich mit der Diversität in Bezug auf den kulturellen und sozialen Hintergrund. Bei der Personalauswahl fließen oft eigene kulturelle Bewertungen oder Vorurteile mit ein, wenn auch unbemerkt. Manche Bewerber*innen weisen nämlich keinen klassischen linearen Lebenslauf nach, oft gibt es Brüche, Lücken, Flucht- oder Migrationshintergründe. Für Ruth Hartmann ist dies KEIN Nachteil, sondern eine Chance oder ein Nachteilsausgleich. Diversity-Kompetenz beinhaltet: Soziale Fertigkeiten/Haltung, Qualifikation, Fachwissen, Ressourcen und Erfahrungswissen. Ihr Ziel ist es, vor allem durch Sensibilisierung, Informationsvermittlung oder -vertiefung, Schulungen und (verpflichtende) Fortbildungen eine soziale Haltung aufzubauen. Abschließend äußert Barbara Lison, dass es nie eine Lösung gibt, aber immer gute Ideen und Fortschritt.

Lilian Breuer und Rabea Pakulat / 24.06.2021

 

11 Uhr

Bibliotheken als Dritte Orte – Stadt, Land, Sport

Am Donnerstag wurden ab 11 Uhr in der Veranstaltung »Lernräume im Wandel« Ideen und Konzepte vorgestellt, wie Bibliotheken als Dritte Orte fungieren. Es gab drei Vorträge, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven aufgriffen. Die Referent*innen der Vorträge waren die Stadtplanerin Ragna Körby, von der TU Kaiserslautern, Kathrin Reckling-Freitag und Oke Simons von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und Stefanie Jonas aus der gerade zur Bibliothek des Jahres 2021 gekürten Stadtbibliothek Paderborn.

Das Selbstverständnis von Bibliotheken hat sich gewandelt. Sie haben sich als kommunale Kulturorte und Dritte Orte und eben nicht nur als Lesehallen etabliert. Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten von Bibliotheken stellen Anforderungen an neue Räume und es stellt sich die Frage, wie sich Bibliotheken mit Partnerunternehmen vernetzen und wie sie sich in einer Stadt oder auf dem Land platzieren können. Interessant ist auch, welche Rolle dabei eine Partizipation der Bürger spielt, denn hier bietet sich die Chance, dass Bürger aktiv mitgestalten können.

Ragna Körby berichtete zunächst über Bibliotheksneubauten und die Umnutzung bestehender Gebäude in Ballungsgebieten. Ziel ist es Innenstädte wiederzubeleben, weg von der kommerziellen Nutzung, hin zu einer öffentlichen Nutzung. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, bietet sich durch Bibliotheken als zentraler Treffpunkt. In den Zentren der Innenstädte sollen hybride, lebendige Dritte Orte entstehen, in denen sich unterschiedliche Partner in einem Gebäude befinden. Beispiele, wie durch unterschiedliche Nutzung, Gebäude zu lebendigen Stadtbausteinen werden können sind zum Beispiel die Bibliothek in Koblenz, die sich ihr Gebäude mit einem Museum, der Touristeninformation und einem Einkaufszentrum teilt oder das Heinrich-von-Kleist-Forum in Hamm, wo die Volkshochschule, eine weitere Hochschule sowie Gastronomie mit der Bibliothek zusammengelegt sind.

Das zweijährige Projekt »Hochdrei – Fahrbücherei als rollender dritter Ort« der Büchereizentrale Schleswig-Holstein zeigt dagegen, wie es gelingt Fahrbibliotheken in ländlichen Regionen zu Dritten Orten zu machen. Die fünf Pilotgemeinden des Projektes, von denen das größte Dorf etwa 1 000 Einwohner hat und das kleinste sogar weniger als 300 Einwohner, werden mit zwölf Fahrbüchereien angefahren und versorgt. Da Schleswig-Holstein als Flächenland viele kleine Dörfer ohne Stadtbüchereien hat, ist es schwierig Büchereien als Dritte Orte zu etablieren. Auch die Infrastrukturen fehlen. Hier soll ein Programm des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Räume entgegenwirken. Sogenannte »Markttreffs« sollen als Orte der Zusammenkunft agieren. Die Fahrbüchereien möchten hier anknüpfen, um einen mobilen Pop-up Dritten Ort zu schaffen. Dies soll mit einer hohen Bürgerbeteiligung passieren. Hierfür wurden Umfragen an jeden Haushalt der Pilotgemeinden versandt, so dass jeder der wollte, sich beteiligen und eigene Ideen miteinbringen konnte.

Die nächsten Schritte des Projektes sind nun zum einen eine Ideenschmiede, wo die Fachbücherei live vor Ort in den Pilotgemeinden sein wird. Es soll mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert und zusammengetragen werden welche Institutionen im Dorf schon vorhanden sind und wie man die Fahrbücherei hier einbinden kann. Hiernach werden aus den zusammengetragenen Ideen und Beiträgen Konzepte entwickelt, die im Anschluss ausprobiert und evaluiert werden sollen. Schon jetzt, obwohl die Sommertour noch bevorsteht, hat es schon viel Aufmerksamkeit gegeben, da andere Kreise das Potential des Projektes erkannt haben.

Den Abschluss der Vortragsreihe machte Stefanie Jonas mit ihrem Vortrag zu »Bibliothek findet Sport – Meditation, Medien und Technik«, der die neue Sport- und Gesundheitsbibliothek der Paderborner Stadtbibliothek vorstellt. Die Bereichsbibliothek soll ein zentraler Anlaufpunkt für Gesundheitsfragen in der Innenstadt sein. Man findet dort etwa 7 000 Medieneinheiten und 45 laufende Zeitschriftenabos. Die Bibliothek besitzt zudem eine große Freifläche, mit Platz für Veranstaltungen und als Treffpunkt für die Benutzer*innen. Auch die Möblierung und Gestaltung der Bibliothek sind auf das Konzept abgestimmt. Der Fokus der Bereichsbibliothek liegt auf Aktivität aber auch auf Entspannung und Rückzugsmöglichkeiten. Eine Besonderheit ist die Anschaffung des Icaros, einem Flugsimulator, mit dem man in virtuelle Welten eintreten kann. Durch eine 3D-Brille taucht man zum Beispiel in einen Luftraum oder das Meer ein und navigiert mithilfe des eigenen Körpers, auf dem Gestell liegend, durch die virtuelle Welt. Veranstaltungen der Bibliothek im vergangenen Jahr waren z.B. Workshops und Vorträge zu Psychologie der Veränderung, gesunder Ernährung, Entspannung oder Yogakurse.

Alle drei Vorträge wurden aufgezeichnet und können bei Interesse auf den Seiten des 109. Bibliothekartag bis Ende Mai 2022 abgerufen werden. Ab Oktober findet man die Aufzeichnungen dann im Archiv der TIB Hannover.

                Michaela Kings und Anna Schlimbach / 18.06.2021

 

9 Uhr

Neue Wege wagen – Personalisierte Dienstleistungen, Weiterentwicklungen, Fortbildungen

Am Donnerstag um 9 Uhr fanden gleich drei  Vorträge aus dem Themenkreis Ausbildung, Weiterbildung und Personalentwicklung statt. Unter dem Motto »Vernetzt unterwegs« haben Ursula Georgy, Susanne Brandt und Simone Fühles-Ubach die Teilnehmenden zum Nachdenken und zu regen Diskussionen eingeladen.

Den Auftakt machte Ursula Georgy und thematisierte die Fragestellung »Wie lassen sich personalisierte Plattformen nutzen?«. Da Bibliotheken zunehmend einen Spagat zwischen dem größer werdenden Aufgabenspektrum und dem Erhalt der Nutzendenzufriedenheit meistern müssen, stellt sich die Frage, wie individualisierte Dienstleistungen rationell in der Bibliothek durchgeführt werden können. Eine Möglichkeit bietet die Automatisierung von Dienstleistungen. In ihrem Vortrag ging Georgy ausführlich auf die Herausforderungen, aber auch auf die Vorteile wie sinkende Fehlerquoten und Freiräume für beratungsintensive Dienstleistungen ein.

Susanne Brandt referierte im Anschluss über das im Jahr 2020 erhaltene NUN-Zertifikat der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und den Prozess, den insbesondere Bibliotheken für die Zertifizierung durchlaufen. Bei der NUN-Zertifizierung steht die Bildung im Mittelpunkt. Für Bibliotheken eröffnet sich die Chance, die eigene Bildungsarbeit zu reflektieren und ein spezifisches Bildungsprofil zu entwickeln. Mit Nutzer*innen auf Augenhöhe zu kommunizieren und einen gemeinsamen Weg zu beschreiten, sollte dabei die Basis bilden.

Zum Abschluss wurde die im Jahr 2016 und 2021 durchgeführte Studie zum Thema »Fortbildungsbedarf« von Simone Fühles-Ubach in Zusammenarbeit mit Miriam Albers von der ZB MED in Köln vorgestellt. Die Studienergebnisse zeigen, dass Fortbildungsangebote meist aus einer intrinsischen Motivation heraus wahrgenommen werden. Der Hauptgrund (mit 64,5 Prozent) für den Besuch einer Fortbildung ist die Erweiterung der eigenen Kompetenzen. Die Teilnehmenden wünschen sich dabei, dass die Bereiche Persönlichkeits- und Führungsentwicklung, Arbeitsorganisation und Zeitmanagement mehr thematisiert werden.

Einige Ergebnisse aus der Diskussionsrunde waren:

  • »Es ist kein ›entweder oder‹, sondern mit Sicherheit ein ›und‹.« (Ursula Georgy)
  • Automatisierungen sollten als Chance verstanden werden, welche mehr Raum für personalisierte Dienstleistungen schaffen kann.
  • Beim Personalisieren von Dienstleistungen muss darauf geachtet werden, dass bestimmte Gruppen von Nutzenden nicht verloren gehen.
  • Der Weg sollte das Ziel sein und nicht das Zertifikat an sich.
  • Online-Fortbildungen sollen als richtige Fortbildungen angesehen und unterstützt werden.

Teilnehmer*innen des Bibliothekartags können sich hier die aufgezeichneten Vorträge nochmal ansehen: DBT 2021: Agenda (pathable.eu)

Elisa Rickert und Jana Schwerb / 21.06.2021

 

 

9 Uhr

Kooperative Betriebsmodelle für das Forschungsdatenmanagement

Am Donnerstag startete der zweite Bibliothekartag in Raum 2 mit Beiträgen zum Thema »Kooperative Betriebsmodelle für das Forschungsdatenmanagement«. Die Vorträge hielten Astrid Schoger mit Katharina Schmid, Elisabeth Böker und Ralf Depping.

Den Auftakt bildete der Vortrag »Nutzungs- und Analysemöglichkeiten von Webarchiven als Forschungsdaten« von Katharina Schmid und Astrid Schoger von der BSB München.

In einem DFG Projekt untersuchten sie, die Anwendung von Methoden der Digital Humanities (DH) auf Webarchive. Das Ergebnis der Untersuchungen war, dass diese  DH-Methoden durchaus auf Daten aus Webarchiven angewendet werden können. Die Voraussetzung dafür sei die Bildung von Derivaten, also die Extraktion der zu analysierenden Inhalte. An diesen können dann die Analysemethoden angewendet werden. Allerdings gibt es im organisatorischen, technischen und rechtlichen Bereich noch viel zu tun.

Im Anschluss daran folgte ein Vortrag von Elisabeth Böker vom Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz zum Thema »Kooperative Wege zur Standardisierung des Forschungsdatenmanagements in Baden-Württemberg«.

Vorgestellt wurde das Baden-württembergische Begleit- und Weiterentwicklungsprojekt für Forschungsdatenmanagement (bw2FDM). Das Projekt ist vor allem für die Koordination bei gemeinsamen Querschnittsthemen der vier Science-Data-Center zuständig und der Weiterentwicklung der Informationsplattform www.forschungsdaten.info, außerdem organisiert das Projekt Beratungen und Schulungen zum Thema FDM und veranstaltet die E-Science-Tage.

Im Vortrag wurde vor allem erklärt, wie die Koordination bei gemeinsamen Querschnittsthemen der vier Science-Data-Center abläuft. Außerdem wurde auf die Kooperation mit dem Arbeitskreis (AK) FDM eingegangen. Das Projekt übernimmt dabei die Organisation der Treffen des AK FDM, welche dazu dienen sollen landesweit gültige Standards zu entwickeln und sich auf diese zu verständigen.

Den Abschluss bildete der Beitrag von Ralf Depping der USB Köln mit dem Titel »Der Nachweis veröffentlichter Forschungsdaten gemäß Kerndatensatz Forschung«.

Im Vortrag stellte Depping heraus, dass es nur bedingt möglich ist, eine Repositoriumsfunktion, das Berichtswesen nach KDSF und einen Katalog nach bibliothekarischen Standards in einer Software zu vereinen. Die drei Erschließungsszenarien haben jeweils Anforderungen welche dafür nicht zu vereinbaren sind. So besitzt zum Beispiel KDSF sehr strenge Vorgaben bezüglich der Normierung, die nicht bibliothekarischen Standards entsprechen.

Die Lösung an der Universität zu Köln beinhaltet die Ersterfassung von Publikationen zusätzlich zu einer Ersterfassung nach KDSF, die dann ins Instituts-interne Forschungsinformationssystem HisinOne übertragen werden. Parallel werden zu hinterlegende Forschungsdaten einem Repositorium auf Basis von Dataverse hinzugefügt. Auf diese Weise benötigt man nur zwei statt drei Technologien.

Ebenfalls interessant war ein Exkurs im Laufe des Vortrags: Als Grundlage für Hochschulrankings dient die Publikationsevaluation. Die Datenquelle dafür ist meist die kommerziellen Datenbanken Scopus und Web of Science. Diese jedoch sind nicht unproblematisch. Web of Science zum Beispiel berücksichtigt die Geisteswissenschaften nicht im gleichen Maße wie die Naturwisschenschaften. Beide berücksichtigen den anglo-amerikanischen Publikationsoutput stärker als den anderer Sprachen. Klassische Monografien sind in beiden unterrepräsentiert.

Ralf Depping stellt die Frage in den Raum, ob man mit Hilfe von NFDI Strukturen schaffen könnte, um die Monopolstellung von kommerziellen Datenbanken zu verhindern.

Anna Scholz und Jana Bierwolf / 20.06.2021

Mittwoch, 16. Juni

 

16 Uhr

Das Berufsbild Bibliothekar*in partizipativ neu definieren!

Die AG Personalgewinnung des Dachverband Bibliothek und Information Deutschland (BID) hat zur Diskussion eingeladen. Virtuell begrüßten unter anderem Ute Engelkenmeier, Luis Moßburger und Frauke Schade interessierte Teilnehmer*innen. In der Veranstaltung »Bibliothekar*in sein ist eine Haltung« ging es um die Überlegung, wie man das Berufsbild Bibliothekar*in zeitgemäß neu definieren kann.

Bereits im letzten Jahr hat die Arbeitsgruppe ihre Kernaussagen auf der Onlinetagung #vBIB20 vorgestellt. Dieses Jahr wurde unter anderem mit den Vertreter*innen von Kommunen, Hochschulen, Berufsberatung und Medien weiterdiskutiert. Nach einer kurzen Vorstellung der bisherigen Ergebnisse ging es für die Teilnehmer*innen in einen von vier (virtuellen) Räumen. In diesen Räumen wurden die folgenden Themen zur Diskussion angeboten:

Screenshot: AG Personalgewinnung BID

 

Die Kernergebnisse dieser Diskussionen waren:

  • Die Wertevermittlung des Berufsfeldes wird nicht immer verstanden und es muss zielgebundener kommuniziert werden.
  • Ausschreibungen sollten weniger standardisiert sein, sondern ein eigenes positives Bild des Arbeitsumfeldes nach tragen.
  • Kommunikation und Feedback, sowie Kritikfähigkeit der Vorgesetzten sind für ein erfolgreiches Miteinander notwendig.
  • Es sollte stärker betont werden, dass im Beruf Bibliothekar*in ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft geleistet wird.

Eine umfassende Mitschrift der diskutierten Inhalte ist zu finden unter:

http://bibliothekarisch.de/blog/2021/06/16/bibtag21-mitschrift-bibliothekarin-sein-ist-eine-haltung-berufsfeld-rebooting-iiiii/

Wer gerne noch mehr über die Arbeit der AG Personalgewinnung des BIB erfahren möchte, findet umfangreiche Informationen unter: https://bibliotheksportal.de/informationen/beruf/personalgewinnung/

Sarah Hagedorn und Melina Kortmann / 16.6.2021

 

15 Uhr

Citizen Science für und mit Bibliotheken

Im Themenkreis „»Forschungsdaten und forschungsnahe Dienstleistungen« wurden am Mittwoch, 16. Juni,  drei Beiträge über »Citizens Science für und mit Bibliotheken« präsentiert. Während Thomas Kaarsted online aus Dänemark zugeschaltet wurde, konnten Melike Peterson, Katja Thiele und Stefan Wiederkehr vor Ort in Bremen ihre Vorträge halten.

Los ging die Veranstaltung mit dem Vortrag »The power of many: Libraries and Citizen Science« von Thomas Kaarsted von der University of Southern Denmark (SDU).  Zu Beginn griff er die Frage auf, was »Citizen Science« bedeutet. Es ist bürgerliches Engagement mit einer starken wissenschaftlichen Komponente, das heißt, es gibt kein »Citizen« ohne »Science«.

Des Weiteren berichtet er über den Sinn von »Citizen Science« und warum diese Methode durchgeführt wird. Da es immer mehr sogenannte alternative Fakten, oder auch Fake News gibt, die in der Welt kursieren, ist »Citizen Science« dafür da, diesen entgegenzuwirken und richtigzustellen.

Laut Kaarsted ist »Citizen Science« ein Trend geworden und bekommt immer mehr Zulauf. Dies liegt unter anderem daran, dass immer mehr Menschen sich für bestimmte Themen interessieren und einbringen wollen. Sie wollen etwas verändern und ihre Meinung vertreten.

Abschließend ging Thomas Kaarsted auf die Rolle der Bibliotheken in Bezug auf »Citizen Science« ein. Bibliotheken gelten als zuverlässige Vermittler zwischen den Bürgern und der Wissenschaft, bzw. den Forschenden. Sie organisieren und geben Hilfestellungen, zum Beispiel bei verschiedenen Workshops.

Als zweites kommen Melike Peterson und Katja Thiele mit ihrem Vortrag »Citizens Science: Für und mit Bibliotheken forschen« zu Wort. Die Forscherinnen definieren zu Beginn den Begriff »Citizen Science« für sich als »Bürgerwissenschaft«. Forschungsprojekte werden mit Hilfe oder komplett durch interessierte Laien durchgeführt.

Sie untersuchen die Möglichkeiten aber auch die Hürden, die die Demokratisierung von Wissenschaft bietet. Die Möglichkeit unterschiedliche Perspektiven zu integrieren und Forschungsfragen an Bürger*innen zu orientieren bietet einen klaren Mehrwert. Diese beim Auswerten und Publizieren von Daten einzubeziehen, wäre dagegen aktuell noch eine Herausforderung, so Peterson.

Thiele fährt fort und kommt zu dem Schluss, dass Wissenschaftskommunikation verständlich und dialogorientiert sein soll. Forschung müsse außerhalb der Wissenschaft vermittelt, so wie zugänglich gemacht werden. Studien belegen, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft sinkt. »Citizen Science« kann demnach eine Chance sein. Zum Schluss stellen beide Akteurinnen, populäre so wie eigene Formate der Wissenschaftskommunikation vor.

Den letzten Vortrag hielt Stefan Wiederkehr aus der Zentralbibliothek Zürich über das Thema »Citizen Science: Eine Chance für Bibliotheken«. Er begann seinen Vortrag mit einer kurzen Definition über »Citizen Science«. Demnach wird es als »die Zusammenarbeit von professionell und ehrenamtlich Forschenden im gesamten Forschungskreislauf« verstanden.

Dank des digitalen Zeitalters würde »Citizen Science« vermehrt in der Geisteswissenschaft angewandt und nicht mehr nur in der Medizin oder der Naturwissenschaft.

Wiederkehr stellte im Laufe seines Vortrages drei Thesen auf. Die erste besagte, dass die »Citizen Scientists« nicht nur aus professionell Forschenden bestehen, sondern viel mehr aus Nutzer*innen, bzw. Kund*innen von Bibliotheken.

In der zweiten These erläuterte Wiederkehr, dass die Nachhaltigkeit der Ergebnisse von Citizen Science-Projekten durch die gute Infrastruktur der Bibliotheken gesichert sei. Bei der dritten These ging es darum, das »Citizen Science« neue Fragestellungen an bekanntes Material mit Hilfe der digitalen Bestände der Bibliotheken ermöglicht.

Abschließend ließ sich, mit Wiederkehrs Worten sagen, dass »Citizen Science dafür geeignet ist, die Position von Bibliotheken als Vermittler zwischen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zu stärken«.

Sandra Burgath und Ingrid Mauer / 22.06.2021

 

15 Uhr

Management und Organisation – »Agil und smart im Team«

Am Mittwoch startete um 15 Uhr die Veranstaltung rund um das Thema »Agil und smart im Team«. Virtuell und auch vor Ort konnte den Vorträgen von den Referierenden Sven Strobel, Silke Niermann, Linda Freyberg, Sabine Wolf und Claudius Lüthi, zugehört werden.

Den Auftakt machte Sven Strobel mit dem Thema »Agile Teamorganisation mit Kanban. Oder: Es muss nicht immer Scrum sein.« Er berichtete über die Vorteile, Prinzipien und Praktiken von dem Projektmanagement Kanban und in welchen Bereichen der Bibliothek man es einsetzen kann. Abschließend erläuterte er die Unterschiede zwischen Kanban und Scrum. Im Anschluss beantwortete Herr Strobel Fragen der Zuhörenden.

Weiter ging es mit dem Beitrag von Silke Niermann über »Design Thinking, Intelligenz und Kanban – Der aufregende Weg zu einem agilen Team in der Stadtbibliothek Gütersloh«. In ihrer selbstgenannten »Reisebeschreibung« stellte sie zunächst die Stadtbibliothek Gütersloh vor. Das Konzept der Bibliothek soll überarbeitet werden und in bisher drei Etappen beschrieb sie den Weg hin zu einem agilen Team und welche Maßnahmen bis heute getroffen wurden. Ihr Team und sie sind letztendlich auch zu der Erkenntnis gekommen: »Der Weg ist das Ziel!«

Anschließend haben Linda Freyberg und Sabine Wolf zusammen einen Vortrag zu dem Thema »Smart wird man nur gemeinsam – Partizipative Konzepte für die Bibliothek der Zukunft« gehalten. Zunächst definierten sie, was »Smart Libraries« sind, und veranschaulichten dies mit Hilfe einer »Smart Map«. Weitergehend wurde auf die vier Hauptaspekte Raum, Technologien, Kooperation und Partizipation eingegangen, auch Methoden und Techniken wurden dargestellt. Im Anschluss daran wurde der Hintergrund der Smart City beleuchtet, da das Konzept der Smart Library dort eingebettet werden kann. Zum Schluss des Beitrages äußerten sie sich zu Citizen Science und gaben einen Ausblick auf ihre Publikation »Smart Libraries II«.

Den Abschluss der Veranstaltung machte Claudius Lüthi mit dem Beitrag »Scrum beyond IT: Agile Produktentwicklung jenseits von Software«. In seinem Vortrag erzählte er von einem Beispiel für Scrum jenseits von IT, welches in der Zentralbibliothek Zürich eingesetzt wird. Anfangs berichtete er darüber, was bisher in der Zentralbibliothek mit Scrum entwickelt wurde und erläuterte die Unterschiede zwischen Projektmanagement und agiler Produktentwicklung. Mit seinen anschaulichen, selbstgestalteten Folien erklärte er anschließend, wie genau sie in der Zentralbibliothek mit Kanban und Scrum arbeiten. Daraufhin wies er auf die Hindernisse sowie Herausforderungen Scrums hin, und wie diese teilweise gelöst wurden. Abschließend machte er aber trotz der Hindernisse auf die Vorteile aufmerksam, die sie aus dem Arbeiten mit Scrum gezogen haben.

Weitere Informationen zu den Vorträgen und den Referent*innen sind zu finden unter: https://dbt2021.pathable.eu/meetings/virtual/FusJxNDjJ8hh3y5JH

Doreen Struckmeier und Paulin Weißweiler / 19.6.2021

 

 

13 Uhr

Die Stationen auf dem Weg zu mehr Openness

Gleich am Eröffnungstag des diesjährigen Bibliothekartags konnten sich zwischen 13 Uhr und 14:30 Uhr alle Interessierten auf den »Weg zu mehr Open Access« machen: Mitgewirkt haben Marcel Knöchelmann, Juliane Stiller, Frédéric Döhl und Elisabeth Engl, die interessante Einblicke eröffnet und neue Entwicklungen vorgestellt haben. Die Moderation übernahm Claudia Martin-Konle. Angefangen mit dem gerechteren Publizieren, ging es weiter über den Weg zu mehr Open Research. In der zweiten Hälfte der Veranstaltung lag der Schwerpunkt auf dem Thema Digitalisierung.

Den Anfang machte Marcel Knöchelmann. Er beschäftigte sich in seinem Vortrag zum einen mit der Frage, ob und inwiefern Open Access umsetzbar ist und ging der Frage auf den Grund, welchen Anteil Bibliotheken an diesem Vorhaben übernehmen können. Knöchelmann ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Bibliotheken Open Access weniger wegen des gerechten Publizieren nutzen sollten, sondern vielmehr dafür um Diskurse anzuregen und somit als Dienstleisterin für Diskurse zu agieren.

Anschließend daran setzte sich Juliane Stiller mit dem Thema »Open Research« auseinander und stellte die Ergebnisse einer Online-Konsultation vor. Zum Einstieg klärte sie zunächst die unterschiedlichen Auffassungen der Begriffe »Open Research« und »Open Science«, von denen ersteres überwiegend in den Geisteswissenschaften verbreitet ist, während letzteres der international gängigere Begriff ist. Aus ihren Ergebnissen ging außerdem hervor, dass ein Großteil bereits mit dem Konzept von »Open Research« vertraut ist, und dies auch aktiv selbst nutzt und fördert. Laut den Umfrageergebnissen definiert die Mehrheit Open Science als »Prinzip einer insgesamt offenen Wissenschaft«. Dies erweitert die Annahme, dass sich Open Access nicht nur auf das Publizieren, sondern auch auf die Forschung bezieht.

Den ersten Schritt in das Thema Digitalisierung machte Frédéric Döhl. Im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien formulierte dieser zusammen mit seiner Arbeitsgruppe das Vorhaben, durch Open Access spartenübergreifend kulturelle Arbeit im digitalen Bereich ermöglichen, fördern und somit verbessern zu wollen. Angestrebt werden außerdem eine bessere Vernetzung und die Stärkung des öffentlichen Kulturbereichs. Döhl betrachtete dieses Vorhaben  aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu zählen die Perspektive der Verständigung, der Verlässlichkeit, der Verfügbarkeit, der Vernetzung, und der Vermittlung.

Zum Abschluss des Themenkreises »Content und Digitalisierung« eröffnete Elisabeth Engl einen Einblick in das Digitalisierungsprojekt der DFG-Förderinitiative. Diese arbeitet an der OCR-D Technologie zur automatischen Text- und Strukturerfassung. Unter anderem beschäftigt sich das Projekt mit dem Ziel, die Software für die Massendigitalisierung entsprechend zu entwickeln. Es folgte eine genaue Erläuterung über die Funktionsweise. Ein weiteres Ziel im Sinne der Nutzer*innen ist die technische Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Volltexttransformationen, sowie die Bekannt- und Zugänglichmachung der Textstruktur. Im Zuge des Projekts testeten mehrere Einrichtungen die OCR-D Software. Insgesamt fielen die Ergebnisse positiv aus.

 Laura Jung und Carina Pizzini / 18.06.2021

 

11 Uhr

»Schulbibliotheken im Wandel«: Eine Zusammenfassung

Bereits ganz zu Beginn des 109. Bibliothekartags wurden in vier Vorträgen aktuelle Entwicklungen und Fragestellungen rund um das Thema Schulbibliotheken im Wandel vorgestellt. Sechs Expertinnen und Experten aus dem Bereich Schulbibliotheken beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Moderator der Veranstaltung, Tom Becker, begann Peter Jobmann mit seinem Vortrag »Schulbibliotheken in Niedersachsen – Eine Bestandsaufnahme«. Er stellte die Ziele, den aktuelle Stand, Erfolge und Probleme seines privaten Forschungsprojekts vor.  Peter Jobmann kam zu dem Schluss, dass die Vernetzung von Schulbibliotheken zentral für ihren Erfolg ist. Wichtig sei dabei, Schulbibliotheken losgelöst von Öffentlichen Bibliotheken zu betrachten und zu fördern. Jobmann war auch wichtig zu erwähnen, dass sich ihm im Laufe seines Projektes ein positives Bild der deutschen Schulbibliothekslandschaft aufzeigte und er viel unausgeschöpftes Potenzial in diesem Bereich sieht.

Im Anschluss übernahmen Irene Säckel und Frank Raumel die Veranstaltung mit ihrem Thema »Schulbibliotheken in der DBS sichtbar machen und in die Bildungsplanung integrieren«. Sie stellten die Vorteile und Chancen der Erfassung von validen Daten über Schulbibliotheken in der DBS vor. Für die Vielfalt der Organisationsformen von Schulbibliotheken werden unterschiedliche Erfassungswege bereitgestellt. Ab dem 1. Januar 2022 können die Daten eingegeben werden.

Als drittes stellten Joana Petsonias und Anette Sosna ihr Thema »Gelebte Bildungspartnerschaft Aufbau von Kooperationsstrukturen zwischen Schule und Bibliothek in der Fläche« vor.  Konkret berichteten sie von der Zusammenarbeit zwischen der Fachkommission Bibliothekspädagogik des DBV Landesverbands Baden-Württemberg mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL). Sie sprachen unter anderem über das Problem mit Lehrkräften effektiv und effizient zu kommunizieren, aber auch über die Chancen welche durch die Einbindung von Bibliotheken in Fort- und Weiterbildung entstehen können. Das ZSL wurde mehrfach lobend erwähnt. Die Kooperation sei trotz der Pandemielage sehr produktiv gestartet.

Abschließend gab Irina Nehme in ihrem Vortrag über die »Pandemie als Portal zum neuen Mindset: Chancen für Schulbibliotheken in der BIB-Kommission OPL« Einblicke in den schulbibliothekarischen Alltag. So habe es die gesundheitliche Krise der Schulbibliothek ermöglicht Projekten wie Innovation, Fortbildung, Renovierungen und Projektentwicklung, sowie Lobbyarbeit und Netzwerkbildung, mehr Zeit und Ressourcen zukommen zu lassen. Bei diesen Projekten sei die Unterstützung durch zwei Praktikanten essenziell gewesen. Dank eines speziell ausgearbeiteten Hygienekonzeptes war es der Schulbibliothek möglich, fast durchgängig geöffnet zu bleiben und ihre Räumlichkeiten für die Notbetreuung zur Verfügung zu stellen.

Erik Heller und Bjarne Jonas Seitz / 18.6.2021

 

11 Uhr

Informationskompetenz und Didaktik

Zum Themenkreis »Ausbildung, Weiterbildung und Personalentwicklung« starteten am Mittwoch um 11 Uhr Vorträge zur Informationskompetenz und Didaktik. Vortragende waren Tessa Sauerwein, Anke Wittich, Hendrik Schroeder sowie Jeannette Neustadt.

In dem Vortrag von Tessa Sauerwein ging es um das Informationskompetenz-Modell »Fill the Frames!«. Spielerisch werden in diesem Modell kreative Ideen zu den sechs sogenannten Frames gesammelt. Die sechs Frames beinhalten die Punkte »Autorität ist ein Konstrukt und kontextabhängig«, »Forschung ist (Hinter-)Fragen«, »Informationen entstehen in einem schöpferischen Prozess«, »Recherche ist strategische Erkundung«, »Wissenschaft ist Austausch« und »Informationen sind wertvoll«.

Anke Wittich und Hendrik Schroeder gaben den Anlass dazu, über die Kompetenz von Medienpädagogen und Medienpädagoginnen in Bibliotheken zu reden und ob diese benötigt werden. Zu dieser Fragestellung warf ein Zuhörer ein, welcher ein Studium im Bibliothekswesen absolviert, dass für fachspezifisches Personal Fort- und Weiterbildungen angeboten werden müssen und nicht nur die Kompetenz durch externe Medienpädagog/-innen abgedeckt werden sollten.

Zum Thema »Generation A=Algorithmus« stellte Jeannette Neustadt ein Projekt vor, welches die Generation Y und Z für KI sensibilisieren soll. Diese beiden Generationen legen den Grundbaustein für die Generation A zum Thema Algorithmen und künstliche Intelligenz. Hierzu hat das Goethe-Institut zwei humanoide Roboter des Typs NAO durch Europa geschickt. So konnten verschiedene Wissenschaftler mit den Robotern arbeiten und Freundschaften schließen.

Anne-Sophie Schopp und Lina Persé / 16.06.2021

 

9 Uhr

Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken

Neue und innovative Konzepte von Makerspaces wurden am Mittwoch, 16. Juni,  zum Start des Deutschen Bibliothekartags 2021 mit den virtuell gehaltenen Vorträgen vorgestellt. Es referierten in vier Vorträgen Nadine Szep-Lafleur und Rebecca Ullmer (Bibliothek im Zentrum Wiener Neustadt), Claudia Kovalik und Karsten Schuldt (Bibliomedia Solothurn), Tilmann Wesolowski (Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow) sowie Benjamin Decker (Stadtbücherei in der MAG Geislingen an der Steige) rund um das Thema Makerspace.

 

MaMinGa – Makerspace für Jung & Alt

Die beiden Referentinnen Rebecca Ullmer und Nadine Szep-Lafleur zeigten im ersten Teil der Veranstaltung »Eine Bibliothek auf neuen Wegen – MaMinGa – Maker Space «, dass Makerspaces keine Altersbeschränkung haben müssen. In ihrem Vortrag stellten sie den MaMinGa Makerspace (kurz für: Makerspace – MINT – Gaming) der Bibliothek im Zentrum in der Wiener Neustadt vor.

Die Einrichtung des MaMinGa als niedrigschwelliges Bildungsangebot bietet einen Gamingbereich sowie regelmäßige Workshops für Kinder um das forschende Lernen im außerschulischen Kontext sowie die Informationskompetenz zu fördern. Außerdem gibt es Projekte von Studierenden für Senior*innen, wie eine demenzfreundliche Bibliothek sowie ein Erinnerungsprojekt in Form einer gemeinsam erarbeiteten Erinnerungsbox.

Bild-Quelle: Nadine Szep-Lafleur, Rebecca Ullmer: Vortrag »Eine Bibliothek auf neuen Wegen – MaMinGa – Maker Space « im Rahmen der Veranstaltung: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken – Deutscher Bibliothekartag 2021 (16.06.2021)

 

Das intergenerative Lernen – die Begegnung zwischen Jung und Alt – bildet einen Schwerpunkt im Konzept von MaMinGa. Eine dieser generationsübergreifenden Veranstaltungen ist der »Das ist unsere Stadt Workshop«, bei dem Paare, bestehend aus einem Kind mit einem Großeltern-Teil partizipieren. Gemeinsam wird mit Beebot-Robotern die Stadtkarte erkundet und die jeweiligen Lieblingsorte entdeckt. Bei der Durchführung wird viel Wert auf die Selbstständigkeit und Kreativität der Teilnehmenden gelegt. Dies fördert den Dialog zwischen den Generationen und regt einen gemeinsamen Wissensaustausch an. Das MaMinGa hat das Ziel eine Begegnungs- und Austauschstätte von jungen und alten Menschen zu schaffen. Betont wird hierbei die Relevanz zur Förderung einer vielfältigen Gemeinschaft für aktives und verständnisvolles Miteinander für Jung und Alt.

 

Makerspace-Toolboxen für Gemeindebibliotheken in der Schweiz

Im zweiten Vortrag referierten Claudia Kovalik von der Stiftung Bibliomedia und Karsten Schuldt von der FH Graubünden. Die beiden Projektpartner haben zusammen die Makerspace-Toolboxen erstellt, die an unterschiedliche Personengruppen (bspw. Schulen, Bibliotheken, Privatpersonen) in der Schweiz ausgeliehen werden, zusammen mit einem von der FH Graubünden angefertigten Fragebogen über die tatsächliche Nutzung der Geräte.

Es gibt insgesamt vier unterschiedliche Toolboxen, die einen Wert zwischen ca. 2300 Euro bis etwa 3700 Euro haben. Die Bestandteile der Toolboxen sind unterschiedlich:

 

 

 

 

 

Bild-Quelle: Claudia Kovalik, Karsten Schuldt: Vortrag »Makerspace-Toolboxen für Gemeindebibliotheken in der Schweiz« im Rahmen der Veranstaltung: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken – Deutscher Bibliothekartag 2021 (16.06.2021)

 

Die Beschaffung der Geräte stellt die Beteiligten häufig vor Schwierigkeiten. Sie veralten schnell und die Aufsetzung und Wartung der Geräte ist zudem sehr zeitintensiv.

Wenn etwas kaputt oder verloren geht, haben ausleihende Personen eine Selbstbeteiligung von 200 CHF, Kovalik fügte jedoch hinzu, dass bisher alle beschädigten Geräte wieder repariert werden konnten und nicht ersetzt werden mussten.

Schuldt gab Auskunft über Erfahrungen in den Workshops, die zeigen, dass das Interesse der Bibliothekar*innen sehr groß ist und beiliegende Anleitungen und Vorschläge für Veranstaltungen meist nicht gelesen werden. Außerdem betont er, dass das Angebot der Toolboxen eher als Ergänzung gesehen wird und nichts, was ins bereits bestehende Bibliotheksangebot integriert wird.  Zum Ende seines Vortrages, dass die ROBOTIK Box am beliebtesten ist und die Makerspace-Toolboxen generell eher von ländlichen Bibliotheken angenommen werden, nicht so sehr von Großstadtbibliotheken.

 

Modulare TechnoThek Güstrow – Technik- und Digitalkompetenz ins Gesamtkonzept integrieren

(Grafik links: Uwe Johnson-Bibliothek) Der dritte Vortrag wird von Tilmann Wesolowski aus der Uwe Johnson-Bibliothek gehalten. Er berichtet von dem Problem, das Bibliotheken räumlich und finanziell häufig eingeschränkt sind und wie gemeinsam mit Benjamin Decker und mit der Unterstützung vom Verein Deutscher Ingenieure ein Konzept mit modularem Ansatz entwickelt wurde, wobei Budget und Platz anpassbar sein soll.

Das Ziel ist es die Vermittlung digitaler und technischer Bildung für alle zu ermöglichen.

Um dies im Bibliotheksangebot umsetzen zu können, sollten drei Voraussetzungen erfüllt sein: Die technische Infrastruktur sollte sich auf einem guten Stand befinden, es sollte ein moderner Medienmix vorhanden sein, der digitale Angebote und technisches Ausprobieren ermöglicht und ein bibliothekspädagogisches Konzept sollte vorliegen.

In der Uwe Johnson-Bibliothek gilt daher folgendes Grundkonzept:

Bild-Quelle: Dr. Tilmann Wesolowski: Vortrag »Modulare TechnoThek Güstrow – Technik- und Digitalkompetenz ins Gesamtkonzept intregrieren« im Rahmen der Veranstaltung: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken – Deutscher Bibliothekartag 2021 (16.06.2021)

 

Wesolowski stellt drei Komponenten vor, die in seiner Bibliothek vorhanden sind. Zum einen gibt es dort eine Art »Library of things« , in der technische Geräte zum Ausleihen vorhanden sind. Außerdem können neue technologische Geräte wie 3D-Drucker mit zugehörigem CAD-Programm oder auch ein Smartboard getestet werden.

 

 

 

 

 

Bild-Quelle: Dr. Tilmann Wesolowski: Vortrag »Modulare TechnoThek Güstrow – Technik- und Digitalkompetenz ins Gesamtkonzept intregrieren« im Rahmen der Veranstaltung: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken – Deutscher Bibliothekartag 2021 (16.06.2021)

 

An sogenannten Probier’s-aus-Stationen können technische Prinzipien ausprobiert werden, indem man sich mit einem Platzhalter an der Ausleihtheke die Schlüssel für das jeweilige Fach und den darin enthaltenen Gegenstand holt. So kann beispielsweise eine Gitarre (mit Kopfhörern) in der Bibliothek ausprobiert werden.

Es werden unter anderem auch Kurse zur Einführung in die Robotik und das Programmieren angeboten, sowie kleine Filmworkshops, Technikworkshops und Kurse zur Methodenkompetenz.

 

Elektrofrosch-Fahrzeug Max als mobiler Makerspace

In Vortrag Nr. 4 »Mit dem Stabü-Mobil unterwegs: Digitale Medienbildung vor Ort« referierte Benjamin Decker über das mobile Makerspace-Angebot der Stadtbücherei in der MAG in Geislingen an der Steige. Neben den üblichen Makerspace-Veranstaltungen betreibt die Bücherei in Zusammenarbeit mit dem VDI, seit 2020 eine TechnoThek, welche ihren Schwerpunkt unter anderem in naturwissenschaftlichen Workshops und Robotik-Veranstaltungen hat.

Das neueste Projekt der Stadtbücherei an der MAG ist das Konzept eines mobilen Makerspaces, welches an den Schulen und Kitas angeboten werden kann. Die Überlegung war der Einsatz eines Stabü-Mobils, was nun in Form des »E-Mobil Elektrofrosch Max« umgesetzt wird.  Hierbei handelt es sich um ein Zwei-Personen-Fahrzeug, welches als kleiner Marktstand zu den Schulen und Kitas fährt. In Planung sind Makerspace-Angebote, wie eine Trick-Film-Werkstatt, 3D-Drucker kennenlernen, Programmieren lernen, Roboter Workshops und viele mehr.

Ziel ist es technisch weniger gut ausgestatteten Schulen und Kitas die Möglichkeit einer Unterstützung bei der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz zu bieten, da Schulen und Kitas diesbezüglich häufig die Ressourcen fehlen. Ebenso Kindern, die keine Gelegenheit haben in die Bibliothek zu gehen wird somit die Möglichkeit gegeben die Angebote der Bibliothek in Anspruch zu nehmen.

Bild-Quelle: Benjamin Decker: Vortrag »Mit dem Stabü-Mobil unterwegs: Digitale Medienbildung vor Ort« im Rahmen der Veranstaltung: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken – Deutscher Bibliothekartag 2021 (16.06.2021)

 

Die Corona-Pandemie hat jedoch leider zu einer kleinen Verzögerung des Projektstarts geführt, weswegen das Stabü-Mobil noch nicht eingesetzt werden konnte. Man kann jedoch sehr gespannt sein, wie das Konzept umgesetzt wird und wie es bei den Kindern ankommt – wenn es dann richtig losgeht.

                                                                                              Saskia Pelzers und Hanna-Elisa Riese / 22.06.2021

 

9 Uhr

Open Access – Chance oder Risiko?

Bereits am Mittwochmorgen um 9 Uhr starteten im Studio 1 (vor Ort in Bremen und virtuell) die Vorträge zum Thema »Open Access – Chancen und Risiken«. Referiert haben Angela Holzer, Kai Geschuhn und Renke Siems.

Angela Holzer hat einen Überblick über die Möglichkeiten der Förderung von Open Access durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im wissenschaftlichen Bereich gegeben. Thematisiert wurde zunächst die Infrastruktur für wissenschaftliches publizieren. Im Anschluss ging es um die Open-Access-Publikationskosten, woraufhin auf die Rahmenbedingungen für die weiteren Open-Access-Transformationen berichtet wurde. Zum Abschluss wurde zu diesem Thema die Rolle der Bibliotheken beleuchtet.

In dem Vortrag von Kai Geschuhn ging es um Transformationsverträge. Ein wichtiges Thema für Bibliotheken in der heutigen Zeit. Mit einem Blick zurück auf bereits geleistetes, versuchte sie den Vertretern von Medien und den Teilnehmer*innen das Thema näher zu beleuchten und im Anschluss einen Blick auf die aktuellen Tendenzen zu werfen. Abschließend bekräftigte sie den momentanen Kurs, den Open Access einschlägt und regt an diesen weiter zu verfolgen.

Renke Siems hat die seit 2019 entstandene Debatte um undurchsichtige Datengeschäfte durch (halb-)staatliche Akteure zusammengefasst, um einen Ausblick auf die weitere Entwicklung dieser zu geben. Im Fokus stand zunächst die Ausgangslage woraufhin er die Datenmärkte, das Tracking und die neuen Geschäftsfelder der Akteure weiter beleuchtete. Es folgte eine Stellungnahme. Letztendlich wurden die möglichen Folgen vorgestellt.

Julia Buchert und Christian Jakubzig / 17.06.2021

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