Toronto kämpft für seine Bibliothek

Toronto (Kanada). Toronto hat eines der belebtesten und bestausgebauten Bibliothekssysteme in Nordamerika. Die im Jahre 1883  gegründete Einrichtung ist ein kostbares öffentliches Gut. Das System fällt jedoch durch politische Vernachlässigung und Budgetkürzungen immer mehr zurück, so muss zum Beispiel die Bibliothek heute mit 25 Prozent weniger Personal auskommen als noch vor 20 Jahren. Zusätzliche Einschränkungen des Service sind für das Jahr 2014 und darüber hinaus geplant.  Die Stadtverwaltung konnte sich bezüglich der weiteren Budgetkürzung bislang noch nicht einigen, wesentliche Entscheidungen sollen aber in Kürze vorgenommen werden.

Um sich gegen weitere massive Streichungen zu wehren, hat die Toronto Public Library unter ourpubliclibrary.to eine Imagekampagne gestartet. Auf der Website können Bürger sich über die geplanten Einschnitte informieren und ihre Bibliothek unterstützen – und zwar auf vielfältige und phantasievolle Weise. So gibt es beispielsweise eine Fotowand auf der Website, auf die Bibliotheksunterstützer ihr Foto hochladen können, freilich keine gewöhnlichen Porträtaufnahmen. Um zu zeigen, dass man Lesen für ganz wichtig hält, sollen sich die Teilnehmer zunächst aus einer Vielzahl von Lesebrillen ein Modell aussuchen, dieses herunterladen, ausdrucken, ausschneiden und damit dann für das Porträtbild posieren. Wem das zu aufwendig ist, der kann sich auch mit einem Klick einer einfachen Online-Petition anschließen.

Besonders sehenswert ist ein Video, in dem die Auswirkungen weiterer Budgetkürzungen anschaulich, humorvoll und provokant dargestellt werden: YouTube Preview Image Den Bibliothekaren gelang es, für das Projekt prominente Künstler zu engagieren. Der kanadische Schriftsteller Vincent Lam spricht den Text, das animierte Video selbst wurde von den preisgekrönten Filmemachern James Braithwaite und Josh Raskin erstellt, die immerhin auch schon einen Emmy für einen anderen Kurzfilm erhalten haben.

Die Kampagne der Toronto Public Library läuft indes nicht nur im Internet. Am 24. November gab es in der langen Geschichte der traditionsreichen Bibliothek das erste Treffen  von Unterstützern überhaupt.  Mehrere hundert Menschen diskutierten in der Stadthalle über die Zukunft der Bibliotheken in Toronto. (27.11.2013)

 

 

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