TOPORAZ: Der historische Stadtraum von Nürnberg wird interaktiv erlebbar

Karlsruhe/Nürnberg. Anfang Juli werden die Ergebnisse des Forschungsprojektes TOPORAZ (Nürnberger Topographie in Raum und Zeit) präsentiert. Ein interdisziplinäres Wissenschaftler-Netzwerk, an dem das FIZ Karlsruhe als Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur sowie die Universitäten Greifswald, Köln und Darmstadt beteiligt waren, hat Neuland betreten. Dreidimensionale digitale Modelle rekonstruieren den Nürnberger Stadtraum von der Barockzeit bis zur Gegenwart. Sie wurden mit zahlreichen historischen Quellen und Bildern vernetzt. Nach drei Jahren ist so eine virtuelle Forschungsumgebung entstanden, die nicht nur neue Einblicke für die interessierte Öffentlichkeit ermöglicht, sondern auch innovatives Arbeiten und Publizieren in den Digitalen Geisteswissenschaften.

TOPORAZ, Nürnberg, FIZ Karlsruhe

Nürnberg um 1910. Foto: FIZ Karlsruhe

 

Wie das FIZ Karlsruhe mitteilt, eignet sich Nürnberg als Prototyp für das neuartige digitale Raum-Zeit-Modell in idealer Weise. Die Stadt Albrecht Dürers war über Jahrhunderte hinweg von größter künstlerischer und historischer Bedeutung, eine Metropole in der Mitte Europas. Ihre Archive und Sammlungen bewahren riesige, teilweise der Öffentlichkeit unbekannte Schätze. Nach den verheerenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war die Nürnberger Altstadt weitgehend verloren. Mit TOPORAZ entsteht sie auf wissenschaftlicher Basis virtuell neu und wird interaktiv zum Leben erweckt.

Wie hat sich der Stadtraum über die Zeit verändert?

Das zentrale Stadtviertel um den Hauptmarkt wurde in vier Zeitebenen digital rekonstruiert – von der Barockzeit bis zur Gegenwart (17.-21. Jahrhundert). Die Forschungsumgebung kombiniert dreidimensionale Modelle mit historischen Karten, Forschungsliteratur und ganz unterschiedlichen Quellen (Texte, Bilder). Ergänzt wird das Angebot durch Suchfunktionen, die Antworten auf unterschiedliche Fragen ermöglichen: Wie hat sich der Stadtraum über die Zeit verändert? Wo befanden sich im historischen Nürnberg Apotheken, Bäckereien oder Gaststätten? Wer lebte in den Häusern, und was wissen wir über ihre Bewohner? Antworten, die nicht nur für Forschende, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger von Interesse sein können.

Hinter dem Projekt TOPORAZ

Die Leibniz-Gemeinschaft ermöglichte finanziell die interdisziplinäre, arbeitsteilige Zusammenarbeit an TOPORAZ: Matthias Razum und sein Team entwickelten Datenstrukturen und Software bei FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur und übernahmen die Koordination des Gesamtprojektes. Für die Erforschung der kunsthistorischen Zusammenhänge waren Gerhard Weilandt, Professor für Kunstgeschichte der Universität Greifswald, für die architekturhistorischen Aspekte sowie die Georeferenzierung und Vektorisierung historischer Karten waren Norbert Nußbaum vom Kunsthistorisches Institut der Universität Köln mit ihren jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortlich. Die dreidimensionalen Modelle entwarf das Team von Marc Grellert vom Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt. Die Bayerische Nationalbibliothek, das Staats- und das Stadtarchiv Nürnberg sowie das Germanische Nationalmuseum unterstützten als assoziierte Partner das Projekt und stellten digitalisierte Quellen, Bilder, Pläne, bibliographische Daten und digitalisierte Forschungsliteratur zur Verfügung.

red / 9.7.2018

 

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