Spektakuläre Architektur: UB-Freiburg geht in Betrieb

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Innenansicht der neuen Universitätsbibliothek in Freiburg. Fotos: Universität Freiburg – Sandra Meyndt

Freiburg. »Das Herz der Universität Freiburg schlägt wieder«, sagt Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Die Universitätsbibliothek (UB) hat den Probebetrieb im sanierten Gebäude aufgenommen – und ist nun nach Ansicht der Universitätsverantwortlichen eine der modernsten und größten Universitätsbibliotheken Europas. »Die neue UB setzt nicht nur ein spektakuläres architektonisches Ausrufungszeichen, sondern bietet ihren Nutzerinnen und Nutzern auch herausragenden Service und eine optimale Lern- und Arbeitsumgebung.«

Die Bibliothek war seit 2009 umfassend saniert worden. Der Entwurf für das Gebäude stammt vom Büro Degelo Architekten aus Basel/Schweiz, die Baukosten betragen etwa 53 Millionen Euro. »Die Sanierung und Umstrukturierung der Universitätsbibliothek Freiburg war das bedeutendste und anspruchsvollste Projekt des Universitätsbauamts«, sagt Karl-Heinz Bühler, Leiter des Universitätsbauamts (UBA) Freiburg. »Die neue Universitätsbibliothek ist ein Gebäude des 21. Jahrhunderts und bildet zusammen mit dem Stadttheater und den Kollegiengebäuden ein Ensemble, welches das kulturelle Zentrum der Stadt repräsentiert.«

Mit mehr als drei Millionen Bänden gedruckter Bücher und Zeitschriften sowie umfangreichen historischen Beständen zählt die Freiburger UB zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland. Zudem ermöglicht sie den Zugang zu etwa 51 000 elektronischen Zeitschriften im laufenden Abonnement und mehr als einer Million E-Books.

Der Trend geht zur digitalen Publikation, und historische Bestände werden durch die Retrodigitalisierung ebenfalls schrittweise online verfügbar gemacht. Eine moderne Bibliothek des 21. Jahrhunderts sei deshalb weit mehr als ein Bücherspeicher, sagt die Leitende Bibliotheks-Direktorin Antje Kellersohn: »Wir wollen der umfassende Informations- und Medienversorger sowie zentraler Lern- und Kommunikationsort für die Universität sein.« 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

An 1700 modern ausgestatteten Arbeitsplätzen können die Studenten künftig arbeiten.

An 1700 modern ausgestatteten Arbeitsplätzen können die Studenten künftig arbeiten.

Das Konzept für die neue UB wird diesem Anspruch gerecht. Es bietet 1 700 modern ausgestattete Arbeitsplätze, und die Nutzer können mithilfe eines RFID-Systems Medien selbstständig ausleihen und zurückgeben. Räume der Kommunikation sind von Orten der Konzentration abgegrenzt: Im südlichen Teil der ersten vier Obergeschosse, zum Schwarzwald, zu den Vogesen und zur Altstadt hin orientiert, befinden sich die Lesesäle mit 1 200 individuellen Arbeitsplätzen und einem Bestand von 230 000 Bänden. Der nördliche Teil mit Ausblick auf den Platz der Alten Synagoge umfasst unter anderem das Parlatorium mit 500 Plätzen für Gruppenarbeit, einen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum, Seminarräume sowie eine Cafeteria. Im Freihandmagazin im ersten Untergeschoss sind weitere 700 000 Bände zugänglich, und wo früher Autos geparkt haben, gibt es nun Stellplätze für 400 Fahrräder.

Das geschlossene Tiefmagazin im zweiten und dritten Untergeschoss kann zusätzlich mehr als 3,5 Millionen Bände aufnehmen. Eine Besonderheit ist außerdem das neue Medienzentrum der Uni-Bibliothek, in dem die crossmediale Ausbildungsredaktion uniCross, bestehend aus dem uni.tv, dem Uniradio echoFM 88,4 und der Online-Redaktion, erstmals an einem Ort zusammengeführt wird. Es verfügt im dritten Obergeschoss über etwa 800 Quadratmeter, auf denen sich unter anderem zwei Radiostudios und ein Fernsehstudio befinden.

Im fünften Obergeschoss arbeiten die meisten Beschäftigten der UB in einer offenen Bürolandschaft, die den Austausch fördert, aber auch Möglichkeiten für konzentriertes Arbeiten und vertrauliche Gespräche bietet. All das sei auf die aktuellen Bedürfnisse zugeschnitten, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität, müsse aber nicht so bleiben. »Wenn sich die Ansprüche auf lange Sicht ändern, können wir die Nutzung der Flächen anpassen«, sagt Bibliotheks-Direktorin Kellersohn.

Fast die gesamte UB kommt ohne Zwischenwände aus.

Fast die gesamte UB kommt ohne Zwischenwände aus.

Die gesamte UB kommt nahezu ohne Innenwände aus, und es gibt weder eine große Halle noch ein repräsentatives Foyer, was den gesamten Raum optimal und flexibel nutzbar macht. Das Konzept ist auch energetisch effizient: Die Nutzfläche ist ebenso groß wie im vorherigen Gebäude, die Oberfläche jedoch um fast ein Drittel kleiner. Die Sonnenschutzverglasung der kompakten Außenhülle ist dreifach isoliert, die Innentemperatur wird mittels Brunnenwasser und Wärmerückgewinnung konstant gehalten.

Die neue UB wird damit laut Prognosen bis zu 65 Prozent weniger Energie als das vorherige Gebäude benötigen. Strom liefert die mit 2 000 Quadratmetern größte innerstädtische Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach. Das Konzept macht möglicherweise Schule: Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus ganz Europa haben schon ihr Interesse bekundet, die neue UB zu besichtigen.

Mit der Aufnahme des Betriebs habe nun ein komplexer Projektprozess, startend mit der Projektentwicklung über die Planungs- und Bauphase, sein angestrebtes Ziel erreicht, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Projektentwicklung begann bereits 2003 mit Bestandserhebungen, Voruntersuchungen und Projektstudien. Da sich bald herausstellte, dass für die Baumaßnahme eine Räumung erforderlich war, mussten Auslagerungsgebäude gefunden werden. Nur die Tiefmagazine mit ihren mehr als drei Millionen Büchern mussten vor Ort bleiben.

Am 21. Juli wurde die Bibliothek offiziell eröffnet. Antje Kellersohn, Karl-Heinz Bühler und Hans-Jochen Schiewer (von links) stellten das Gebäude der interessierten Öffentlichkeit vor.

Am 21. Juli wurde die Bibliothek offiziell für den Probebetrieb eröffnet. Antje Kellersohn, Karl-Heinz Bühler und Hans-Jochen Schiewer (von links) stellten das Gebäude der interessierten Öffentlichkeit vor.

Der Umbau der ehemaligen Stadthalle am alten Messplatz als Interimsbibliothek und der Erwerb und Umbau der ehemaligen Schluchseewerke für die Unterbringung der Verwaltung waren eigenständige Projekte. Der Umzug in diese Gebäude fand 2008 statt. Mit der einstimmigen Entscheidung des Preisgerichts am 26. April 2006 und dem Auftrag an die Architekten und Ingenieure begann die Planung des eigentlichen Bauprojekts.

Die Baumaßnahmen starteten 2009 mit Vorbereitungen im Gebäude, im Wesentlichen der Schadstoffentsorgung und Rückbauarbeiten in der ehemaligen Tiefgarage. Im Verlauf des Jahres 2011 fand der erweiterte Rückbau der Obergeschosse statt. 2012 und 2013 entstand der Rohbau über den in Funktion verbliebenen Tiefmagazinen. Die Fassadenarbeiten starteten im April 2013. Gegen Ende 2013 begann der Bau der Außenanlagen als Ergebnis von intensiven Abstimmungen mit den parallel geplanten städtischen Maßnahmen zur Innenstadtneugestaltung. Die Montage der haustechnischen Anlagen erforderten eine weitgehend geschlossene Fassade, was im Herbst 2013 erreicht war.

Der Innenausbau war gegen Ende 2014 weitgehend fertiggestellt, in den ersten Monaten 2015 kamen die Möbel. Nach der baurechtlichen und den Sachverständigen-Abnahmen konnte das Gebäude am 30. Juni an die Universität übergeben werden. »Ein langer Prozess konstruktiver Zusammenarbeit zahlreicher Beteiligter findet damit ein erfolgreiches Ende«, sagt Karl-Heinz Bühler. »Qualitätsvolle Architektur kann nur entstehen, wenn Planer, Architekten und Ingenieure gemeinsam mit dem Bauherren und den Nutzern mit Engagement ihrer jeweiligen Aufgabe und Verantwortung gerecht werden.« Die feierliche Eröffnung ist für den Herbst vorgesehen. Im Anschluss daran wird die Universitätsbibliothek Tage der offenen Tür, Führungen und weitere Veranstaltungen für die interessierte Öffentlichkeit anbieten.

(Universität Freiburg / 28.7.2015)

Spektakuläre Luftbilder zeigen die neue Freiburger Universitätsbibliothek von oben. Das Imagevideo ist hier zu finden.

Weitere Impressionen der neuen Bibliothek:

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