Politischer Rückhalt für Open Science nimmt zu

260 Teilnehmer kamen zu den Open-Access-Tagen nach Hamburg: Hier berichten Olaf Siegert (ZBW) und Isabella Meinecke (SUB Hamburg). Foto: SUB Hamburg / ZBW

260 Teilnehmer kamen zu den Open-Access-Tagen nach Hamburg: Hier berichten Olaf Siegert (ZBW) und Isabella Meinecke (SUB Hamburg). Foto: SUB Hamburg / ZBW

Hamburg. Anfang Oktober hat sich die deutschsprachige Open-Access-Community zu den 7. Open-Access-Tagen in Hamburg getroffen. Veranstalter waren die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky und die ZBW-Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (Kiel/Hamburg). Insgesamt 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten Vorträge internationaler Spezialisten vor Ort beziehungsweise per Livestream.

Nach zwei intensiven Open-Access-Tagen halten die Veranstalter folgende sechs Beobachtungen fest:

• Die politischen Vorgaben zum Thema Open Access nehmen zu. Dazu gibt es verschiedenste Beispiele: Die EU verbindet die Vergabe von Fördergeldern im Rahmen von Horizon 2020 mit der Verpflichtung der Projektnehmer, die Publikationen aus ihren Projekten direkt oder nach Embargofrist frei verfügbar anzubieten. In europäischen Nachbarländern wie Großbritannien gibt es eine ähnliche Regelung wie auf EU-Ebene bereits für die nationalen Forschungsförderer. In Irland hat es dazu im Vorfeld sogar einen nationalen Dialog gegeben, der erfolgreich die Forschungsorganisationen, Universitäten, Forschungsförderer und die politische Ebene umfasste und auch eine nationale Infrastruktur ins Leben rief. In Deutschland haben die Regierungen verschiedener Bundesländer (unter anderem Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) das Thema »Open-Access-Strategien« für ihre Hochschulen in ihre Koalitionsvereinbarungen aufgenommen.

• Die Impact-Messung von Open-Access-Publikationen standardisiert sich zunehmend (zum Beispiel COUNTER-Downloads, Altmetrics). Dadurch lässt sich zum Beispiel die Nutzung und der Impact von frei im Netz verfügbaren Veröffentlichungen klarer beziffern.

• Die Vernetzung von Repositorien mit Forschungsinformationssystemen ist auf einem guten Weg. Durch diese Verknüpfung wird die Compliance auf Autorenebene erhöht und damit letztlich auch die Anzahl an Open-Access-Veröffentlichungen.

• Für die Akzeptanz von Open Access auf Autorenseite ist es zentral, dass die Autorinnen und Autoren ihre Verwertungsrechte an ihren Beiträgen in jedem Fall behalten können (zum Beispiel durch Einsatz von CC-Lizenzen). Für die weitere Umsetzung ist es außerdem wichtig, dass die Fachgesellschaften aktiv eingebunden werden.

• Es gibt starke Unterschiede zwischen den fachlichen Publikationskulturen (zum Beispiel gibt es nur in einigen Fächern eine Preprint-Kultur, außerdem sind Publikationsgebühren überwiegend in den Naturwissenschaften etabliert). Dies wirkt sich auch auf die Verbreitung von Open Access und die jeweilige Strategie zum weiteren Ausbau aus.

• Open Access sollte nicht isoliert, sondern als Teil einer allgemeinen Entwicklung hin zu Open Science verstanden werden. Gerade die Kontextualisierung von Open-Access-Publikationen mit Forschungsdaten und offenen Lehrmaterialen und eingebunden in soziale Netzwerke weist hier den Weg. (Foto:  SUB Hamburg / ZBW / 16.10.2013)

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