Neue Chancen für Bibliotheken: Eindrücke vom Kongress in Paris

 

Fachbesuch in Paris: Petra Staab (links) und Christelle Lazarevic erhielten eine Einladung des französischen Bibliotheksverbands ABF. Foto: Christelle Lazarevic

Fachbesuch in Paris: Petra Staab (links) und Christelle Lazarevic erhielten eine Einladung des französischen Bibliotheksverbands ABF. Foto: Christelle Lazarevic

Paris. Der 60. Kongress des französischen Berufsverbands der Bibliothekare (Association des Bibliothécaires de France – ABF) hat vom 19. bis 21. Juni  im Pariser Kongresszentrum an der Porte de Versailles stattgefunden und stand unter dem Motto »Bibliotheken, neue Berufsbilder, neue Kompetenzen«. Parallel zum umfangreichen Kongressprogramm mit mehr als 100 Vorträgen und Workshops präsentierten circa 70 Firmen der Bibliotheks-, Buchhandels- und IT-Branche den rund 800 Besucherinnen und Besuchern ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen. Auf Einladung der ABF und mit finanzieller Unterstützung des Berufsverbands Information Bibliothek (BIB) besuchten Petra Staab (SULB Saarbrücken) und Christelle Lazarevic (Stadtbibliothek Saarbrücken) das internationale Kolloquium und berichten im Folgenden:

Seit vielen Jahren ist der Kongress der ABF ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Fortbildung von Bibliothekaren in Frankreich. Der Verband wurde 1906 ins Leben gerufen und umfasst mittlerweile rund 3 000 Mitglieder.

In ihrer Eröffnungsrede erinnerte die französische Ministerin für Kultur und Kommunikation Aurélie Filippetti daran, dass 2014 das »Jahr der Bibliotheken« in Frankreich ist. In diesem Zusammenhang stellte sie konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der neuen Herausforderungen für Bibliotheken vor. ABF-Präsidentin Anne Verneuil griff in ihrer Begrüßung Filippettis Äußerung auf und erklärte 2014 ebenfalls zum Jahr der Bibliothekare, da diese die Hauptakteure seien, die den neuen Entwicklungen und Anforderungen Rechnung tragen müssten.

Die drei Themenstränge »Nouveaux profils, nouvelles représentations« (Neue Profile, neue Darstellungen), »Frontières du métier« (Grenzen des Berufs) und »Compétences et formations« (Kompetenzen und Ausbildung) machen die Bandbreite der Inhalte deutlich, die für die Teilnehmer von Interesse waren. Allerdings lag der Schwerpunkt eindeutig auf Themen der Öffentlichen Bibliotheken. Aspekte aus dem wissenschaftlichen Bereich wurden meist nur im Themenkreis Aus- und Weiterbildung angesprochen.

Aus den Vorträgen und Diskussionen ging hervor, dass an Bibliothekare heutzutage mehr Anforderungen gestellt werden und der Bibliothekar des 21. Jahrhunderts immer mehr als Informationsvermittler auf vielen Ebenen wahrgenommen wird. Die öffentlichen Träger in Frankreich sehen Bibliothekare immer mehr als kulturelle Akteure und erwarten von ihnen Managerqualitäten.

So ist es in Frankreich zum Beispiel keine Seltenheit, dass Bibliotheksleiter in Kommunen auch noch andere Leitungsfunktionen im kulturellen Bereich übernehmen. Zudem  stehen Bibliotheken heutzutage in einer neuen Art von Wettbewerb mit kommerziellen digitalen Diensten wie Wikipedia oder Amazon. Darauf müssen die Bibliotheken reagieren und sich neu positionieren.

So sollte die Bibliothek der Zukunft in E-Learning, aber auch in Lernangebote vor Ort investieren. Der Slogan »LebensLangesLernen« ist in französischen Bibliotheken schon längst kein Fremdwort mehr. Bibliotheken  müssen sich auch  immer mehr als soziale Orte sehen, offen für Diskussionen und Vorträge, aber auch offen für alle Generationen und Gesellschaftsschichten.

Obwohl ein Bibliotheksgesetz in Frankreich Kommunen verpflichtet, Öffentliche Bibliotheken zu unterhalten, kämpfen diese heutzutage doch um ihre Attraktivität und müssen versuchen, ihre Reichweite auszudehnen. Die wachsende Zusammenarbeit von Öffentlichen Bibliotheken mit anderen kulturellen Institutionen und Schulen bietet die Möglichkeit, daraus resultierende Synergien zu nutzen und so beispielsweise den Benutzerkreis zu erweitern.

Das Integrieren  von Ehrenamtlichen und  Berufsfremden wie etwa Pädagogen oder Künstlern stellt eine weitere Chance dar.  Neben ihren klassischen bibliothekarischen Funktionen  müssen sich Bibliotheksmitarbeiter außerdem in neuen Aufgaben versuchen, so zum Beispiel als Webmaster oder Grafiker.

Weitere Vorträge haben das Thema »Kompetenzen und Ausbildung« anhand von Erfahrungsberichten zu beleuchten versucht. Neben den sozialen, wissenschaftlichen, methodisch-fachlichen oder kulturellen Kompetenzen müssen sich Bibliotheksmitarbeiter heutzutage auch technologisches, betriebswirtschaftliches und IT-Wissen aneignen. Teilweise sind auch pädagogische Grundkenntnisse für die  Arbeit mit Schülern erforderlich. Deshalb wurde verstärkt an die Teilnehmer appelliert, neben fachlicher Weiterbildung  auch fachübergreifende Bildungsmaßnahmen wahrzunehmen. (11.8.2014 – der ausführliche Bericht ist in der Oktoberausgabe von BuB zu lesen)

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