Musikbibliothekare und -archivare tagen in Nürnberg

Nürnberg. Was wäre wohl gewesen, wenn niemand jemals die Lieder der Nürnberger Meistersinger aus dem 15. und 16. Jahrhundert aufgeschrieben und aufbewahrt hätte? Der Komponist Richard Wagner hätte seine weltberühmte Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ wohl nie komponiert. Sicher hatten auch in diesem Fall frühe Musikbibliothekare und Musikarchivare ihre Hände im Spiel. Ihnen ist es zu verdanken, dass Musikhandschriften und Musikdrucke über viele Jahrhunderte an sicherer Stelle gesammelt und zugänglich gemacht werden. Heute trifft die reich verzierte Musikhandschrift aus dem 15. Jahrhundert in einem speckigen Ledereinband auf die „App“, die man mobil auf dem Tablet im Nahverkehrszug auf der Reise nach Nürnberg aufruft – und in beidem ist Musik drin.

In 87 öffentlichen Musikbibliotheken sowie in 251 Archiven, Forschungsinstituten und wissenschaftlichen Bibliotheken in ganz Deutschland sammeln Expertinnen und Experten handschriftliche und gedruckte Noten, Partituren, Aufführungsmaterialien, Libretti, Komponistennachlässe, aber auch musikwissenschaftliche und musikpädagogische Literatur, Musikzeitschriften, Tonträger oder Musikvideos, bieten Zugriff auf Musikdatenbanken und Streamingdienste. Noten- und Schallarchive sind zentrale Bestandteile von Orchestern und Rundfunkanstalten. Musikautographen und Briefe, aber auch Musikinstrumente machen die Bedeutung von über 100 Museen, Gedenkstätten und Instrumentensammlungen aus, in denen in Deutschland das Andenken zumeist an Komponisten lebendig erhalten wird.

Eine der wichtigsten Plattformen zum Austausch, zur Weiterbildung, zur Erarbeitung von zukunftsweisenden Strategien ist die 1951 in Paris gegründete, dreisprachig geführte Internationale Vereinigung der Musikbibliotheken, Musikarchive und Musikdokumentationszentren (kurz: IVMB (dt.), AIBM (franz.), IAML (engl.). Vor 61 Jahren gründete sich die deutsche Gruppe, der inzwischen 210 Mitglieder angehören. In diesem Jahr richtet die Stadtbibliothek Nürnberg die jährliche Tagung vom 23. bis zum 26. September aus. Über 160 Teilnehmer aus den deutschsprachigen Ländern werden erwartet.

Vernetzung ist alljährlich ein zentrales Thema der Tagungen. In diesem Jahr hat die deutsche AIBM-Ländergruppe den Verband deutscher Musikschulen zum Informationsaustausch eingeladen und will damit das Bewusstsein für gemeinsame Ziele und Projekte schärfen. Musikbibliotheken und Musikschulen leisten in den Kommunen wichtige kulturelle Bildungsarbeit und können sich mit ihren Angeboten gegenseitig stärken.Weitere Themenschwerpunkte sind Informationskompetenz, Musik in Nürnberg (unter anderem die Nürnberger Pocket Opera) und musikbibliographische Erschließungsstandards.

Das Germanische Nationalmuseum tritt im Rahmenprogramm gleich zweimal auf: Es zeigt in Fachführungen die Musikinstrumentensammlung mit einer der weltweit bedeutendsten Sammlung von Tasteninstrumenten und sorgt außerdem als Veranstalter in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk für die musikalische Unterhaltung im Konzert „Ensemble vivante & guests mit weltlicher Vokalmusik von G. G. Kapsperger“.

Das ausführliche Tagungsprogramm ist auf der folgenden Webseite zu finden: http://www.aibm.info/tagungen/2014-nuernberg (2.9.2014)

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