Kunden steuern den Bestand: PDA am Beispiel der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

Frankfurt am Main. Nutzergesteuerte Erwerbung. Das ist nichts Neues. Seit langem schon gibt es die altbekannten Formulare für Anschaffungsvorschläge. Aber ist das effektiv? „Nein“, sagt Peter Kostädt, Leiter des IT-Dezernats der Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) Köln anlässlich des 10. Deutschen Bibliotheksleitertages in Frankfurt am Main.

Bei einer Auswertung sei der Bibliotheksleitung der USB aufgefallen, dass ein großer Teil des Bestandes der Kölner Magazinbibliothek überhaupt nie ausgeliehen wird. Es zeigte sich, dass man die Nutzer besser mit einbinden müsse, sagte Kostädt. Das klassische Beschaffungsformular sollte einem System weichen, dass eine höhere Benutzerfreundlichkeit aufweist.  Ziel der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek war es eine höhere Ausleihquote zu erreichen und gleichzeitig die Quote der Fernleihe zu verringern.

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Ort des Austauschs: Peter Kostädt (links) diskutierte am Bibliotheksleitertag viel mit anderen Bilbiothekaren – meist über Bestandserwerb via PDA. Foto: Steffen Heizereder

Den Nutzern werden dazu vier unterschiedliche Möglichkeiten an die Hand gegeben, Anschaffungsvorschläge zu machen. Patron-Driven-Acquisition (PDA) für Printmedien und E-Books sind zwei der Methoden. Dabei handelt es sich um kundengesteuerte Erwerbungsmodelle bei denen mittels eines einfachen Klicks im Bibliothekskatalog ein Buch oder ein E-Book angeschafft werden kann. Das klassische Formular für Anschaffungsvorschläge bleibt bestehen, gibt es aber auch als Eingabemaske online. Und zudem werden in der Kölner Bibliothek auch die Fernleihen daraufhin  ausgewertet, ob sich die ein oder andere Anschaffung lohnt.

Die Möglichkeit Bücher via PDA anzuschaffen bietet die Bibliothek ihren Nutzern nach einer mehrmonatigen Testphase bereits seit vergangenem Jahr. Damit nicht unnötige oder überteuerte Bücher angeschafft werden, wurden von der Bibliothek Filterregeln in das System eingegeben. So beschränken sich die Anschaffungsmöglichkeiten beispielsweise auf deutsche Titel mit einer kurzen Lieferzeit von drei Tagen. Weitere Filtergrenzen sind etwa der Preis, das Erscheinungsjahr oder eine Mindestseitenzahl. Somit stehen den Nutzern der Bibliothek noch etwa 2500 Titel als mögliche Anschaffung zur Verfügung. Dass das Angebot auch genutzt wird, zeigen die von Kostädt vorgestellten Zahlen. 2013 wurden 422 Titel angeschafft, in diesem Jahr waren es bis zum 13. Mai bereits 233 Bücher. Insgesamt hat die Bibliothek für die Anschaffungen etwa 26.000 Euro investiert.

PDA: Alle E-Books sofort verfügbar

Auch für E-Books bietet die Kölner Bibliothek PDA an. Hier sind die Anschaffungsmöglichkeiten für die Nutzer begrenzt auf deutsch- und englischsprachige Titel. Alle E-Books sind für die Nutzer sofort verfügbar, ohne dass die Bibliothek die jeweiligen Titel bereits in ihrem Bestand hat.  Die 1. Nutzung des E-Books ist dabei noch frei,  die 2. Nutzung ein und desselben Titels löst dann erst den Kauf für die Bibliothek aus. Zwischen September vergangenen Jahres und Ende Oktober dieses Jahren wurden dadurch 745 Titel im Wert von etwa 50.000 Euro angeschafft. Insgesamt stehen 2000 Titel als Anschaffungsmöglichkeit zur Verfügung.

Anschaffungsvorschläge können auch über ein freies Eingabeformular auf der Internetseite der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln gemacht werden. Dazu müssen die Nutzer aber alle Daten des Titels eintragen. Damit sich dadurch für den Bibliotheksnutzer eine echte Alternative zur Fernleihe ergibt, trifft die Bibliothek binnen drei Tagen eine Kaufentscheidung. Im vergangenen Jahr gingen 3208 Vorschläge bei der Bibliothek ein. Immerhin 2187 Titel wurden daraufhin bestellt. Das entspricht einer Quote von 68 Prozent.

Positive Erfahrungen

Zudem existiert ein Erwerbungsvorschlagsassistent. Dabei handelt es sich um eine Benutzeroberfläche für das Surfen in den Fernleihen. Bestellt ein Nutzer eine Fernleihe kann die Bibliothek das Buch auch bestellen anstatt es für den Nutzer per Fernleihe zu besorgen.

„Wir haben bislang sehr positive Erfahrungen gemacht“, bilanziert Peter Kostädt. Die Nutzerzahlen steigen wieder und etwa 20 Prozent des Bestandes wird einer Hochrechnung für das Jahr 2014 zufolge durch die nutzerorientierte Erwerbung angeschafft. Die Tendenz ist steigend. Einzig bei den älteren Kollegen gäbe es hier und da Vorbehalte gegen die neuen Erwerbungsmodelle.

Steffen Heizereder / 15.10.2014

 

Hintergrund

Kritik an PDA

Die Ursprünge der Patron-Driven-Acquisition stammen aus den USA. Im kontinentalen Europa ist dieses Erwerbungsmodell noch wenig vertreten und wird mitunter auch skeptisch betrachtet. Kritiker befürchten vor allem, dass die Übersicht über die Kosten der Anschaffung verloren gehe und, dass der Bestand sich einseitig und unausgewogen entwickele, da Kunden nur die kurzfristige Anschaffung eines Buches im Blick hätten und nicht einen langfristigen Bestandsaufbau. Kritiker werden unter anderem durch die sogenannte „Bananenlegende“ bestätigt. Dabei handelt es sich um ein Problem, das bei einem der ersten, noch unausgereiften PDA-Modelle Mitte der Nuller-Jahre in den USA aufgetreten ist. Eine Gruppe Studenten hatte während Recherchen damals einen vollständigen aber sinnlosen Bestand zum Thema „Bananen“ erworben.  Vergleichbare Probleme sind später nicht mehr aufgetreten (vgl. Geisler, Lisa Maria: Was beeinflusst die Auswahl bei der indirekten Erwerbung durch Bibliothekskunden bei der Nutzung des nicht-moderierten Patron-Driven-Acquisition-Modells in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)?, Bachelorarbeit, Hamburg  2013).

Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB)

Die USB ist die Zentralbibliothek der Universität Köln. Die Hauptabteilung der Bibliothek wurde als reine Magazinbibliothek konzipiert und hat einen Gesamtbestand von etwa 4,2 Millionen Titeln. Der Altbestand ist nach eigenen Angaben der größte in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr wurden Medien für 3,6 Millionen Euro erworben und fast zwei Millionen Nutzer gezählt. Gegründet wurde die USB im Zuge der Errichtung der neuen Universität zu Köln 1920. Ihre Wurzeln reichen aber bis zur Gründung der ältesten Vorgängerbibliothek, der Ratsbibliothek, im Jahr 1602 zurück. (Quelle: USB Köln)

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