Fördermittelanträge zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts jetzt stellen

Berlin. »Verblassende Schrift – Verblassende Farbe« lautet das Fördermotto der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) im Jahr 2014. Im Fokus stehen Projekte, die innovativ und modellhaft zum Erhalt von Autografen mit Tintenfraß, Drucken mit flüchtigen Tinten und Tonern oder der Bewahrung von fragilen Paus- und Thermopapieren in Archiven und Bibliotheken beitragen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Kulturstiftung der Länder stellen hierfür substanzielle Fördermittel bereit. Anträge aus Archiven und Bibliotheken nimmt die KEK ab sofort entgegen.

Sonnenlicht, Wasser, feuchte Räume, fragile Papierarten oder minderwertige Tinten und Toner – es gibt viele Gefahren für Geschriebenes und Gedrucktes, das in den Archiven und Bibliotheken in Deutschland aufbewahrt wird. Eine der berühmtesten Gefahren für das geschriebene historische Wort ist der Tintenfraß: Dieser wird von der säurehaltigen Eisengallustinte verursacht, die bis in das 20. Jahrhundert hinein von Schreibern und Literaten verwendet wurde und daher vor allem bei den Nachlässen ein großes Problem darstellt. Aber auch bei Schriftstücken, die heute produziert werden, ist die Haltbarkeit der Aufschrift oder des Aufdrucks nicht garantiert – und tatsächlich geht nicht selten die Gefahr von den Schreib- und Druckstoffen selbst aus. Für die Bestandserhalter in Archiven und Bibliotheken, die für die Bewahrung der Originale zuständig sind, eine große Herausforderung.

Die KEK wird in der diesjährigen Modellprojektförderung den Fokus auf diesen Problemkomplex der Flüchtigkeit von Schreib- und Druckstoffen legen und ruft gezielt dazu auf, zum Thema »Verblassende Schrift – Verblassende Farbe« Anträge zu stellen.

So zählen neben flüchtigen Tinten und Farben auch Paus- und Thermopapiere zu den gefährdeten Materialien. Druckerzeugnisse, die nach dem Umdruck-Verfahren hergestellt werden, wie die sog-nannten Ormigpapiere, sind dabei besonders der Verlustgefahr ausgesetzt. Ormigabzüge sind vor allem in Archiven der östlichen Bundesländer reichlich vorhanden: In der Deutschen Demokratischen Republik wurde dieses kostengünstige Herstellungsverfahren vorrangig zur Vervielfältigung von Protokollen, Arbeitsblättern, Verordnungen oder politischen Flugblättern eingesetzt. Projekte, die modellhaft innovative Lösungen zum Erhalt dieser Papiere erarbeiten, können Unterstützung erhalten.

Ausdrücklich erwünscht sind, wie bisher in jedem Jahr, Modellprojekte zu strukturbildenden Maßnahmen zur Sicherung des schriftlichen Kulturguts in Deutschland. Hierzu gehören in erster Linie Projekte zur Prävention, zur Notfallvorsorge, zu Fortbildungsmaßnahmen oder anderen Formen des Ausbaus von Fachwissen. Denn langfristig kann das schriftliche Kulturerbe nur über stabile Strukturen und institutionenübergreifende Zusammenarbeit gesichert werden.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Kulturstiftung der Länder (KSL) fördern gezielt modellhafte Projekte, um Lösungsansätze als Best Practice zu bündeln und das generierte Wissen übertragbar und nachnutzbar zu machen.

Bisher wurden über die KEK mehr als 130 Modellprojekte in Archiven, Bibliotheken und Museen aller 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Im vergangenen Jahr wurde der Erhalt von Großformaten wie Karten, Plänen oder Folianten gefördert. So arbeitete das Staatsarchiv Hamburg beispielsweise an der Restaurierung der Architekturpläne von Fritz Höger oder die Deutsche Kinemathek in Berlin an einem Restaurierungsprojekt zu unikalen Filmplakaten aus den 1920er-Jahren, die viele Jahre kriegsbedingt in einem Salzstollen ausgelagert und davon noch immer beschädigt waren. In der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe wurde für eine 27 Kilo schwere Biblia hebraica ein Spezialwagen angefertigt, um Beschädigungen vorzubeugen, die schlicht durch die Benutzung dieses Schwergewichts entstehen.

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wurde im August 2011 auf Initiative des ehemaligen Kulturstaatsministers Bernd Neumann gemeinsam von Bund und Ländern an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingerichtet und bei der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelt. Unter der Leitung von Ursula Hartwieg widmet sie sich seitdem Fragen zur Sicherung schriftlich überlieferten Kulturerbes in Archiven, Bibliotheken, Museen und anderen Institutionen. Insgesamt wurden vom Bund und der Kulturstiftung der Länder für die Modellprojekte bisher rund 1,7 Millionen Euro bereitgestellt. Auch im Jahr 2014 wird die Arbeit der KEK vorbehaltlich des Inkrafttretens des Bundeshaushalts mit insgesamt 500 000 Euro aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert. Die Länder sind über die Kulturstiftung der Länder mit weiteren 100 000 Euro beteiligt.

Weitere Informationen zur Modellprojektförderung 2014 sowie Formulare und Hinweise sind abrufbar unter: www.kek-spk.de. (27.5.2014)

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