Flensburg hat einen neuen Bücherbus

 

Ein echter Hingucker: Der Flensburger Bücherbus auf dem Interkulturellen Stadtfest im Juni 2014 - Foto: Petra Herzig

Ein echter Hingucker: Der Flensburger Bücherbus auf dem Interkulturellen Stadtfest im Juni 2014 – Foto: Petra Herzig

Flensburg. Seit 5. Mai ist er auf Tour, am 17. Mai wurde er im Rahmen eines Bürgerfestes feierlich und fröhlich eingeweiht: der neue Bücherbus der Stadt Flensburg. Er löst den fast 28 Jahre alten, bisherigen Bus der Stadtbibliothek ab.

2012 gelangte der Bücherbus der Stadtbibliothek Flensburg auf die Liste der Sparvorschläge der Unternehmensberatung Rödl & Partner, die von der Stadt Flensburg beauftragt wurde, eine Liste möglicher Einsparpotenziale zu erstellen. Die Fahrbücherei sollte zum 1. Januar 2013 eingestellt werden. Begründung war unter anderem, dass es zumutbar sei, die Hauptbibliothek aufzusuchen; andere Städte mit vergleichbaren Einwohnerzahlen hätten auch keine Fahrbücherei (als Beispiel wurde Gütersloh genannt). Was nicht berücksichtigt wurde, war die Tatsache, dass Flensburg keine weiteren Zweigstellen besitzt und der Bücherbus auch fast alle Grundschulen anfährt, weil es keine Schulbibliotheken gibt.

Auf ihrer Homepage richtete die Stadtverwaltung Flensburg die Möglichkeit einer Meinungsabgabe zum Gutachten ein. In den nachfolgenden Monaten nahmen viele Einwohner die Gelegenheit wahr, Kommentare zu den Einsparvorschlägen abzugeben. Außerdem wurden zahlreiche Briefe geschrieben und Unterschriften gesammelt.

Infolgedessen beschloss die Politik, an die Bibliothek einen Prüfauftrag »Alternative Möglichkeiten zur Fahrbücherei« zu vergeben. In diesem Prüfauftrag wurden sämtliche alternative Möglichkeiten von der Wiedereinführung von Zweigstellen (1973 wurden die letzten drei Zweigstellen in den Stadtteilen Mürwik, Weiche und Fruerlund geschlossen, weil man die Einführung einer Fahrbücherei für effizienter hielt) über Automaten, alternative Fahrzeuge bis zur Bücherkiste im Klassenraum umfassend und kritisch geprüft. Eindeutig stellte sich die Fahrbibliothek als kosteneffizienteste Lösung heraus.

Kurz vor den Kommunalwahlen wurde der Grundsatzbeschluss pro Fahrbücherei einstimmig in der Ratsversammlung Flensburg beschlossen. Und dann ging es rasant weiter: In einer Eilsitzung wurde die Ausschreibung des Bücherbusses veranlasst. Eine Bedingung wurde jedoch gestellt: 50 000 Euro sollten aus bürgerschaftlichem Engagement als Eigenanteil geleistet werden.

Die Stadtwerke-Tochter Aktiv-Bus führte ein Bieterverfahren durch. Wichtig war in Flensburg, dass der neue Bücherbus noch die Abgasnorm Euro 5 haben sollte und eine Ladeluke passend zu den baulichen Gegebenheiten im Fahrbüchereimagazin. Schließlich entschied man sich als flexibelste Lösung für einen individuellen Aufbau auf einem Buschassis.

Unter der Federführung des Fördervereins der Stadtbibliothek Flensburg bildete sich ein Runder Tisch aus Interessierten; zum Beispiel eine Schülergruppe, die das Thema Bücherbus als Projekt in der 12. Klasse durchführte (und auch eine Facebook-Seite »Rettet den Flensburger Bücherbus« initiierte), Schulleitern, Kindergartenleitern, Freundeskreis der Stadtbibliothek, Lesern und Politikern.

In der Zeit von August 2013 bis März 2014 wurden zahlreiche Veranstaltungen zugunsten des neuen Bücherbusses durchgeführt, wie Lesungen, Konzerte, Flohmärkte, ein Bücherbuszirkus an der Hafenspitze, Sponsorenläufe von zwei Schulen und vieles mehr.

Ein besonderes Engagement bewies auch die Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar: Sie schrieb Siegfried Lenz an und erhielt die Erlaubnis, eine selten gelesene Geschichte über die Flensburger Förde als Sonderdruck im Bild zu veröffentlichen. In einer kleinen Auflage wurden diese Schriftbilder an ortsansässige Unternehmen verkauft und der Erlös für den Bücherbus gespendet.

Insgesamt wurde das geforderte Spendenziel weit übertroffen, fast 80 000 Euro kamen zusammen. (14.8.2014 – der ausführliche Bericht ist in BuB-Heft 10/2014 zu lesen)

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