Elektronische Medien verringern Hygieneprobleme

Aufmerksame ZuhörerInnen bei der Fortbildung in Hofgeismar: Auf dem Programm standen aktuelle Themen für BibliothekarInnen in Patientenbibliotheken. Foto: Brigitta Hayn

Aufmerksame ZuhörerInnen bei der Fortbildung in Hofgeismar: Auf dem Programm standen aktuelle Themen für BibliothekarInnen in Patientenbibliotheken. Foto: Brigitta Hayn

Hofgeismar. Drei Tage lang haben sich Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus Patientenbibliotheken in Hofgeismar fortgebildet. Zu Beginn stand die Belletristik im Vordergrund – und zwar in gedruckter Form. Danach beschäftigten sich die TeilnehmerInnen vor allem mit dem Angebot digitaler Medien.

Zum Thema »Verleih digitaler Medien durch Bibliotheken – Grundlagen, Möglichkeiten, Chancen und Erfolge der Onleihe« hielt Sybille Schirmer von der ekz.bibliotheksservice GmbH in Reutlingen einen Vortrag. Über die sogenannte Onleihe können digitale Medien über das Internet durch registrierte Bibliotheksbenutzer für eine von der Bibliothek festgesetzte Leihfrist ausgeliehen beziehungsweise heruntergeladen werden. Im Medienangebot sind E-Books, E-Paper, E-Audio und E-Video (keine Spielfilme). Es gibt inzwischen große regionale Onleihe-Verbünde, deren Nutzung des digitalen Angebotes die Ausleihe von Printmedien bei Weitem übersteigt.

Die Zeichen beim Medienangebot stehen also auf Veränderung: Aus aktuellem Anlass der Weiterbildungstagung wurde den TeilnehmerInnen vonseiten des Borromäusvereins und der Fachstellen für katholische Büchereiarbeit die Möglichkeit eines Verbundes unter dem Dach von libell-e angeboten. Wenn sich genügend Interessenten zusammenschließen, könnte bereits 2016 eine Onleihe für Bibliotheken in Krankenhäusern an den Start gehen. Das klingt verlockend – betrachtet man aber die Kostenaufstellung für die ersten drei Jahre, so werden kleine Patientenbibliotheken schwerlich die erforderlichen finanziellen Mittel von 10 000 Euro dafür aufbringen oder den Krankenhausträger dafür gewinnen können.

Am letzten Veranstaltungstag stand das Thema »Hygiene im Krankenhausalltag – Empfehlungen für alle und was heißt dies für die Bibliotheksarbeit im Besonderen« im Mittelpunkt. Dieter Wieting vom Weender Krankenhaus in Göttingen gab einen kurzen Abriss zur Geschichte der Hygiene: Seuchenbekämpfung im Mittelalter, Semmelweiß gegen Müttersterblichkeit, Fleming und die Entdeckung des Penicillins bis hin zur Neuzeit, wo seit 1990 das Problem resistenter und multiresistenter Keime in Krankenhäusern wächst. Etwa 3,5 Prozent (intensiv 15 Prozent) der Patienten erleiden eine nosokomiale Infektion, einige davon schwer behandelbar.

Desinfektion von Büchern

Wieting berichtete über verrückte bis bizarre Empfehlungen und sinnlose Methoden zur Desinfektion von Büchern. Für die Bücherwagenausleihe sollte eine Händedesinfektion vor und nach Betreten eines Krankenzimmers erfolgen, wodurch die Keimzahl auf der Haut massiv verringert und die Verbreitung von infektiösen Erregern stark eingeschränkt wird. Alle Medien, auch die Abspielgeräte, sollten bei Rückgabe mit Desinfektionsmittel abgewischt werden. Bibliotheksstandorten empfiehlt er, vor dem Eingang einen Desinfektionsmittelspender zu installieren.

Diplom-Bibliothekarin Sigrid Audick aus der Patientenbibliothek der Uniklinik Münster, stellte anschließend ihren Praxisbericht »Erfahrungen, Tipps und Hintergründe für die Umstellung der Ausleihe am Krankenbett auf EDV« vor. Mit Einführung der EDV zur Katalogisierung wurden in der Patientenbibliothek seit 1994 alle Medien schon mit Barcodes beklebt. So konnte 2012 bei der Umstellung auf elektronische Verbuchung der gesamte Medienbestand zügig erfasst werden. Die Bibliothekssoftware wurde vom Bistum Münster zur Verfügung gestellt und zur Ausleihe am Krankenbett auch die benötigten Laptops.

Ein flächendeckendes WLAN-Netz ist Voraussetzung für die Ausleihe auf den Stationen. Arbeitsabläufe und Konditionen der Ausleihe müssen festgelegt, Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Audick berichtete von frustrierenden und nervenaufreibenden Anfangszeiten, wenn mal wieder das Netz zusammenbrach, aber auch über eine produktive Zusammenarbeit mit Fachstelle und Krankenhausträger – die Zettelkästen wünscht sie sich nicht zurück. Über die Bibliothekshomepage kann nun jeder auf den OPAC zugreifen.

Was können Patientenbibliotheken ändern?

Wie immer bot die Weiterbildungsveranstaltung in Hofgeismar interessante Themen und viel Stoff zum Nachdenken. Was können Patientenbibliotheken verändern, was bleibt? Eine so gute Situation wie in Münster mit finanzieller und fachlicher Unterstützung, 2,75 hauptamtlichen Bibliothekarinnen und in zentraler Lage haben die wenigsten. Die Bücherwagenausleihe wird oft ehrenamtlich betrieben, begehbare Räumlichkeiten oder gar ein vernetzter Arbeitsplatz stehen eher selten zur Verfügung. Sich zu einem Krankenhaus-Onleihe-Verbund zusammenzuschließen, wo es schon große, regionale Verbünde gibt, deren Onleihe stark genutzt wird, ist das die Lösung? Im Hinblick auf die Krankenhaushygiene wäre die Onleihe sicher eine Bereicherung, und der E-Reader mit veränderbarer Schrift und augenfreundlicher Beleuchtung ist ein absolut praktisches Gerät.

Wie ist nun aber der Printmedienbestand zu präsentieren? Auf jeden Fall ist zu empfehlen, möglichst umgehend den Medienbestand aktualisiert ins Netz zu stellen, damit Patienten und Personal in Ruhe darin stöbern können. Das wäre ein Imagegewinn für die Bibliothek und würde das Angebot erweitern. Auch die Mitarbeiter des Krankenhauses würden dies sicher begrüßen, gibt es ihnen doch die Möglichkeit, die Bibliothek auch außerhalb der Öffnungszeiten online zu nutzen.

(Marlies Crombach, BücherPavillon, Universitätsklinikum Marburg / 1.8.2015)

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