Bücher an der Humboldt-Universität mit Schimmel befallen – Bestand soll ausgelagert werden

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Foto: Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Humboldt-Universität Berlin

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Foto: Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Humboldt-Universität Berlin

Berlin. Der historische Buchbestand, der seit 1995 unter dem Dach der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin lagert, wird erhalten und auf dem Campus Berlin-Adlershof in trockenen Räumen zwischengelagert. Das gab die Universität diese Woche bekannt. Alle Bücher sollen demnach umgelagert werden, keines vernichtet.

Die Universität reagierte damit auf Berichte der Tageszeitung »Die Welt«, wonach etwa 30 000 Bücher der Fakultät – der komplette Bestand der historischen juristischen Literatur des 19. Und 20. Jahrhunderts –aufgrund eines des Daches verschimmelten. Aufgrund Geldmangel könnte der Bestand, mit Ausnahme weniger kostbarer Exemplare, nicht gerettet werden, berichtet die Tageszeitung weiter.

Die Universität reagierte und erfasste den Bestand komplett. 25 489 Bücher lagern hier. 2450 Bücher (70 laufende Meter) seien bereits von Schimmel befreit. Nach Angaben von Hans-Christoph Keller, Pressesprecher der Humboldt-Universität, stellte die Universitätsleitung die Mittel dafür in Höhe von 5000 Euro im Mai 2014 zur Verfügung, nachdem bekannt geworden war, dass durch die starken Niederschläge im Frühjahr Wasser in die Bibliothek gedrungen war und Bücher mit Schimmel befallen waren. Die verbleibenden etwa 23 000 Bücher sollen nun alle untersucht und – soweit mit Schimmel befallen – dekontaminiert werden. Anschließend können die dekontaminierten Bücher in Adlershof vollständig austrocknen.

Umzug auf den Campus Adlershof

Nach dem Umzug der betroffenen Bücher nach Adlershof werden Fakultät und Universitätsbibliothek den Bestand gemeinsam erneut sichten und entscheiden, welche Bücher nicht mehr gebraucht werden und welche im Bestand verbleiben sollen, teilte Keller mit. Über den Umgang mit Büchern, die sowohl aus juristischer wie aus bibliothekarischer Sicht nicht mehr benötigt werden, wird voraussichtlich frühestens im Frühjahr 2015 entschieden. Sie sollen dann je nach Bedarf anderen Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden.

Die Lagerung unter dem Dach habe »schon in den vergangenen Jahren als suboptimal, aber vertretbar« gegolten, gab Keller in einer Stellungnahme bekannt. Inzwischen habe sich jedoch – nach den starken Regenfällen des Frühjahrs – der Zustand des Daches dramatisch verschlechtert. Der Dachboden sei für die Lagerung von Büchern nicht mehr geeignet. Fakultätsleitung, Universitätsbibliothek (Grimm-Zentrum), Technische Abteilung sowie das Präsidium der HU bemühten sich seitdem, das Problem zu lösen.

Deshalb hat das Präsidium im Mai 2014 den kontaminierten Buchbestand »Spezielle juristische Literatur zum römischen Recht und zur römischen Rechtsgeschichte« zu entschimmeln. Es handelt sich dabei um 70 laufende Meter, die in Abstimmung mit der Fakultätsleitung für die Behandlung ausgewählt wurden, da diese Literatur in der Bibliothek nur in jeweils einem Exemplar vorhanden ist.

Unikate dekontaminieren

Des Weiteren wurden Mittel einer privaten Stiftung in Aussicht gestellt, um diejenigen Bücher zu dekontaminieren, die Unikate sind. Die Bibliothek hat sechs laufende Meter identifiziert, die nicht oder nur ein weiteres Mal in Deutschland nachgewiesen sind. Weitere Mittel wurden durch den Dekan der Juristischen Fakultät avisiert, um Bücher zu behandeln, die unbedingt erhalten werden sollten.

Die übrigen rund 23 000 Bände seien Dubletten, die in Berlin mindestens auch noch einmal in der Staatsbibliothek zu Berlin oder im Grimm-Zentrum vorhanden sind, teilte Pressesprecher Keller mit. Dabei geht es um insgesamt 430 laufende Meter juristische Fachliteratur zu den Hauptgebieten des Rechts (Bürgerliches Recht, Strafrecht und Öffentliches Recht) sowie 171 laufende Meter Rechtsliteratur der DDR.

Unter dem Dach des Gebäudes der Juristischen Fakultät lagerten also nur noch Bücher, die nicht zwingend zum Fachbestand der Zweigbibliothek gehörten, sagt Keller. In kurzer Reichweite zur Fakultät seien diese mehrfach vorhanden; so auch die Urteilssammlung des Reichsoberhandelsgerichtes (ROHG). Sie ist im Grimm-Zentrum noch zwei Mal komplett und einmal unvollständig verfügbar.

Sanierungsstau bei Humboldt-Universität

Für die Erneuerung des Daches der Fakultät und seinen lagerungsfähigen Ausbau als Magazin wäre nach Angaben der Universität eine Summe von etwa fünf Millionen Euro nötig (inklusive Brandschutz und Belüftung). Einen Betrag in dieser Höhe aufzubringen, sei für die Universität jedoch nicht unmöglich, teilte der Pressesprecher mit. Das Beispiel zeige erneut, dass die Ressourcen für den Bauunterhalt der zahlreichen wertvollen Gebäude der Humboldt-Universität bei weitem nicht ausreichten. Der Sanierungsstau an der Universität betrage derzeit fast 400 Millionen Euro.

Vergleiche mit der Bücherverbrennung 1933 durch die Nationalsozialisten am Bebelsplatz, an dem auch die Juristische Fakultät liegt, weist die Leitung der Universität zurück. »Es handelt sich hier nicht um die Vernichtung von Büchern aus ideologischen Gründen, sondern um einen Schaden, der intern durch rechtzeitige Kommunikation, extern aber vor allem durch Mittel für eine rechtzeitige Gebäudesanierung hätte vermieden werden können«, heißt es in der Stellungnahme der Universität. (red, hei / 22.11.2014)

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