Bibliothekspreis der VGH-Stiftung an die Gefangenen-Bibliothek Bremen übergeben

VGH-Stiftung

Der Bibliothekspreis der VGH-Stiftung ging in diesem Jahr an die Gefangene-Bibliothek Bremen. Bürgermeister Carsten Sieling, Barbara Lison (Stadtbibliothek Bremen) und Frank Müller (VGH) bei der Preisverleihung (von links). Foto: Stadtbibliothek Bremen

 

Die Gefangenen-Bibliothek Bremen wurde am 12. Januar 2017 mit dem Bibliothekspreis der VGH-Stiftung 2016 ausgezeichnet. Wie die Stadtbibliothek Bremen und die VGH-Stiftung in einer gemeinsamen Pressemitteilung mitteilen, würdigte die Jury des Bibliotheks-Preises mit der Preisvergabe den Modell-Charakter der Einrichtung: Sie ist deutschlandweit die einzige reguläre Zweigstelle einer Stadtbibliothek hinter Gefängnismauern. Damit werde die Bremer Stadtbibliothek in vorbildhafter Weise ihrer gesetzlich definierten Aufgabe gerecht, der Bevölkerung einen ungehinderten Zugang zu Informationen und Teilhabe zu gewährleisten. Dass dies auch für den inhaftierten Teil der Bevölkerung gilt, wird ausdrücklich in Art. 28 der Europäischen Strafvollzugsgrundsätze bestätigt.

»Der Zugang zu kultureller und politischer Bildung hört in Bremen nicht an den Gefängnismauern auf. Lesen ist ein Menschenrecht, welches hier seit vielen Jahren von zahlreichen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgesetzt wird«, sagte Bremens Bürgermeister und Kultursenator Carsten Sieling anlässlich der Preisvergabe in der Justizvollzugsanstalt (JVA). Justizsenator Martin Günthner ergänzte: »Wir sind froh und dankbar über den hervorragenden Beitrag der Gefangenen-Bibliothek zur Integration durch Kultur und Bildung, gerade auch unter den ganz besonderen Bedingungen und Aufgabenstellungen des Strafvollzugs.« Den Preis nahm Bibliotheksdirektorin Barbara Lison von Frank Müller, Mitglied des Vorstandes der VGH entgegen.

Hohe Nutzungsintensität

Die Bremer Strafgefangenen können aus 8 000 Medieneinheiten in einem Freihandbereich wählen, hinzu kommt der ungehinderte Zugang zum Verbund der Bremer Bibliotheken. Nach Angaben der Stadtbibliothek Bremen zeigte sich die Jury insbesondere von der Nutzungsintensität der JVA-Bibliothek beeindruckt: Bei 450 Haftplätzen verzeichnet sie jährlich an die 10 000 Besuche. Aus Sicht der Jury beweise dies, welche bildungspolitischen Potentiale in Bremen genutzt werden. Mit der Preisvergabe sei daher die Hoffnung verbunden, dass das Bremer Beispiel auch andernorts Aufmerksamkeit erfährt.

Die Jury lobte darüber hinaus die Zusammenarbeit von Justiz- und Kulturressort, die das Bremer Modell ermögliche. Während das Kulturessort als Träger der Stadtbibliothek die Kosten für Fachpersonal und professionelle Bibliotheksstrukturen übernimmt, ist das Justizressort für Sach- und Anschaffungskosten zuständig. Auf diese Weise werden auch innerhalb des JVA qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Neben den hauptamtlichen Kräften arbeiten in der Anstalts-Bibliothek drei Gefangene mit, ein weiterer aus dem U-Haft-Bereich.

Der Bibliothekspreis wird von der VGH-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Nieder- sachsen des Deutschen Bibliotheksverbands jährlich vergeben. Der Preisträger wird auf Jury- Vorschlag benannt. Ausgezeichnet werden Spitzenleistungen in unterschiedlichen Bereichen der Bibliotheksarbeit. Damit soll die Bedeutung von Bibliotheken für die Gesellschaft hervorgehoben werden. Der Bibliothekspreis der VGH-Stiftung ist mit 5 000 Euro dotiert. Mit ihm sollen Projekte der Bibliothek unterstützt werden. Im Jahr 2015 wurde die Stadtbibliothek Osnabrück für ihr Konzept der Integration von Zuwanderern ausgezeichnet.

red / 22.1.2017

 

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